19. September 2019

Top6 Themen: Zervikozephalgie - Kopfschmerzen

Zervikozephalgie

Kopfschmerzen Themen und Krankheit doctorhelp.de
Die Zervikozephalgie, selten auch Cervicocephalgie geschrieben, ist eine Schmerzkrankheit, die von der Halswirbelsäule ausgeht. Sie kann neben Kopfschmerzen (Schmerzausstrahlungen bis in den Hinterkopf oder sogar in die Stirn) auch mit Schwindelattacken, Seh-, Hör- oder Schluckstörungen auftreten. Manchmal besteht eine Schmerzausstrahlung in den Kiefer oder ins Gesicht. Bei Störungen der mittleren und unteren Halswirbelsäule können zusätzlich Gefühlsstörungen und Schmerzen im Bereich der Schultern und Arme auftreten.

Der Ursprung der Zervikozephalgie liegt in der oberen Halswirbelsäule, weshalb sie auch als Halswirbelsäulensyndrom bzw. HWS-Syndrom, oberes HWS-Syndrom oder oberes Zervikalsyndrom genannt wird.

Die Ursache für ein oberes HWS-Syndrom sind in der Regel Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule. Ob die HWS-spezifische Unkovertebralarthrose (Erkrankung des „Halbgelenks“ zwischen zwei Wirbelkörpern) über eine Einengung der Wirbelsäulenschlagader mit eine ursächliche Rolle spielen kann, ist noch immer offen.

Therapie

1. Allgemeine Therapieansätze:

- Medikamentöse Schmerztherapie.

Die Mittel erster Wahl sind peripher wirkende Analgetika (Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken), spez. sog. nicht steroidale Antirheumatika (Rheumamittel), hierbei möglichst lang wirkende und magenschonende, z. B. Mobec®. Bei stärkeren, schmerzhaften Muskelverspannungen können ergänzend Muskelrelaxanzien (Mittel zur Muskelentspannung) (z. B. Norflex®, Mydocalm®) eine Lösung sein. Schwere Schmerzen sind manchmal dagegen nur durch zentral (im Gehirn / Rückenmark) wirkenden Analgetika (z. B. Tramadol, Valoron N®) zu lindern. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten.
Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch bei Zervikobrachialgie wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen.

- Physikalische Therapie (Massagen, Wärme, Krankengymnastik, T.E.N.S. …)
- Akupunktur
- Magnetfeld
- Chirotherapie

2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Zeigen allgemeine Therapieansätze zu wenig Wirkung und/oder treten chronische (länger als 3 Monate andauernde) Schmerzen auf sollte man sich in Absprache mit dem Hausarzt an eine erfahrene Schmerzklinik wenden.

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie länger bestehender, vertebragener (wirbelsäulenbedingter) Schmerzen erfordert je nach Ursache eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie. Dieses Behandlungskonzept bezeichnet man heute als multimodal, d. h., daß verschiedene Therapien aufeinander abgestimmt werden um so das Schmerzproblem ganz gezielt anzugehen. Die weiter unten einzeln aufgeführten multimodalen Methoden, spez. die therapeutische Lokalanästhesie, setzen eine sehr gründliche fachärztliche Ausbildung voraus, weshalb sie nur in spezialisierten Einrichtungen angeboten werden können. Die Methoden im Einzelnen sind:

a) Therapeutische Lokalanästhesie

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z.B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade).

Die einfachste Maßnahme besteht hier in der Infiltration der meist verspannten, an die Wirbelsäule angrenzenden Muskulatur, oder die gezielte Infiltration von sog. Triggerpunkten (kleine Reizzonen) nach vorheriger Identifizierung.

Zur Unterbrechung sog. segmentaler Reflexkreise, aber auch zur Therapie von Schmerzausstrahlungen eignen sich auch Blockaden der korrespondierenden Nervenwurzeln, hpts. der C2-Wurzeln.
Bei Schmerzausstrahlungen in den Hinterkopf sind wiederholte Betäubungen der Nn. occipitales (Nerven am Hinterhaupt) zu empfehlen.

b) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur
- Hochtontherapie/ „Transkutane Nervenstimulation“ (TENS)
- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen): Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie ist bei der Behandlung einer Zervikozephalgie die sog. „heilgymnastische Therapie“ unverzichtbar.
- Gezielte Instruktionen zur richtigen Haltung
- Wärme/ Kälte
- Gezielte Chirotherapie
- Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, so daß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.
Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Kopfschmerzen:
Cephalgie, chronische Kopfschmerzen, Kopfbeschwerden, primärer Kopfschmerz, sekundärer Kopfschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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