22. August 2017

doctorhelp - Home - Rückenschmerzen

Top6 Themen: Interkostalneuralgie - Rückenschmerzen

Interkostalneuralgie

Rückenschmerzen Themen und Krankheit doctorhelp.de
Der Begriff "Interkostalneuralgie" beschreibt Brustwandschmerzen entlang eines Zwischenrippennerven (lat. inter "zwischen", costa "Rippe").

Generell versteht man unter einer Neuralgie einen wiederholt einschießenden Schmerz, der jeweils nur kurz anhält. In dieser Form tritt eine „Interkostalneuralgie“ eher seltener auf, meist liegt ein ziehender, anhaltender Schmerz vor. Im Falle eines nachweisbaren Nervenschadens wäre dann der Begriff Interkostalneuropathie angebrachter.

Symptome

Bei einer Interkostalneuralgie treten die Nervenschmerzen im Bereich der Zwischenrippennerven gürtelförmig im Brust- oder Rückenbereich auf und werden durch Husten oder Pressen verstärkt. Typisch sind anhaltende Schmerzen, die sich anfallartig verstärken können und von den Betroffenen als messerscharf und zermürbend beschrieben werden. Mißempfinden und Gefühlsstörungen können in den betroffenen Bereichen ebenfalls auftreten.
Typische Druckpunkte liegen neben der Wirbelsäule (paravertebral), von der Achselhöhle aus abwärts (Axillarlinie) und neben der Mittellinie vorn (paramedian). Die Schmerzen entstehen durch eine Irritation entweder der Nervenwurzel bei ihrem Austritt aus dem Rückenmark oder der Nerven selbst. Jeder Zwischenrippennerv versorgt einen ganz bestimmten, zwischen den einzelnen Rippen liegenden Haut- und Gewebebereich, in dem dann der Schmerz empfunden wird.

Ursache(n)

Verantwortlich dafür können eine ganze Reihe von Erkrankungen sein, so dass der Begriff der Interkostalneuralgie nur ein Symptom und keine Diagnose beschreibt. Dazu zählen Erkrankungen der Wirbelsäule, der Rippen, der Lunge oder des Rippenfells. Bei der Wirbelsäule sind abnutzungsbedingte Veränderungen einhergehend mit der Einengung von Nervenwurzeln Ursache. Auch die Erkrankung des Herzens, des Magens, der Leber und Gallenblase kann zu Ausstrahlungen in den dazugehörigen Hautzonen führen. Nach einer operativen Öffnung des Brustkorbes mit eventueller Rippenentfernung kann auch es auch zu einer Interkostalneuralgie (ein sog. Postthorakotomie-Syndrom) kommen. Häufig ist auch eine Gürtelrose (Herpes Zoster) der Grund. Bei dieser Erkrankung werden nach einer oft Jahrzehnte zurückliegenden Erstansteckung mit dem Varizella-Zoster-Virus, dieselben nach einer Art Winterschlaf, in den Nervenzellen erneut aktiviert. Diese Reaktion wird durch bestimmte Umstände, wie Immunschwäche, begünstigt.

Seltener wird die Interkostalneuralgie durch eine Erkrankung des Rückenmarks, durch eine angeborene Verengung der Hauptschlagader (Aortenisthmusstenose) oder Tumore im Bereich der Luftwege oder des Lungenfells verursacht.

Untersuchung

Bei der der Diagnostik steht an erster Stelle die ausführliche Erhebung der Krankheitsgeschichte (Anamnese) und eine körperliche Untersuchung. Die Krankheitsgeschichte beleuchtet den Charakter des Schmerzes, Ausdehnung, Intensität und Dauer. Die Empfindungsfähigkeit im schmerzenden Bereich und die Beweglichkeit und Form der Wirbelsäule wird festgestellt. Röntgenbilder können Brüche, Fehlstellungen oder überschießendes Knochenwachstum aufzeigen. Durch Blutuntersuchungen können infektiöse Erkrankungen des Nervensystems erkannt werden. Typische Hauterscheinungen weisen eine Gürtelrose als Ursache hin. Manchmal, insbesondere bei unklaren Gefühlsstörungen mit Schmerzen, ist eine Kernspinaufnahme (MRT) der Brustwirbelsäule sinnvoll und notwendig.

Therapie

Bei einer medikamentösen Schmerztherapie werden bei akuten und bei sich langsam steigernden Beschwerden zunächst peripher (außerhalb von Gehirn oder Rückenmark) wirkende Schmerzmittel oder Rheumamittel verabreicht. Auch Mittel zur Muskelentspannung werden verwandt. Bei extremen Schmerzen werden dann sog. zentral (im Gehirn oder Rückenmark) wirkende Medikamente verabreicht. Durch die bestehende Gefahr der sich bildenden Abhängigkeit von Medikamenten, sollte jedoch auf eine langfristige medikamentöse Schmerztherapie verzichtet werden.

Alternative Methoden, ohne Gewöhnungs- oder Suchtpotential, rechtzeitig eingesetzt, sind in vielen Fällen hilfreicher.

Dazu gehört die therapeutische Lokalanästhesie mit einem lang wirkenden Betäubungsmittel in Form von örtlichen und zeitlich begrenzten Betäubungen oder Nervenblockaden. Eine kontinuierliche Nervenblockade, z.B. über 10-14 Tage wird durch die Implantation eines Katheters erreicht.

Die rückenmarksnahe Betäubung im Brustwirbelbereich (peridurale Blockade) muss einer strengen Nutzen-Risiko Bewertung unterliegen, da das therapeutische Risiko ungleich höher anzusetzen ist. Eine indirekte Blockade im Brustwirbelbereich läßt sich mit geringerem Risiko durch eine rückenmarksnahe Betäubung im Lendenbereich erzielen. Dabei wird das verabreichte Volumen so erhöht, das die Segmente der Brustwirbel erreicht werden.
Nervenzerstörende (neurolytische) Verfahren, wie das rückenmarksnahe Einspritzen von Phenol (Neuendorf 1986) sollten Ausnahme bleiben. Auch von chirurgischen oder chemisch zerstörenden Eingriffen ist abzuraten, da diese kaum zum Erfolg führen, beziehungsweise unbefriedigende Langzeitergebnisse bei hoher Komplikationsrate aufweisen. Ebenso sind neurochirurgische Verfahren in Form einer operativen Teilentfernung eines Nervs (periphere Neurektomie) oder der Unterbrechung der hinteren Wurzel (dorsale Rhizotomie) von geringem Nutzen.
Am effektivsten soll die elektrische Zerstörung/Verkochung der hinteren Schmerzeintrittszone am Rückenmark sein. Sie wird Läsion der dorsal-root-entry-zone, kurz DREZ-Läsion genannt.

Sonst bleiben noch Stimulationsverfahren am Rückenmark wie die spinal cord stimulation, SCS. Auch die transkutane elektrische Nervenstimulation (T.E.N.S.) mit Klebeelektroden kann bei Interkostalneuralgie angewandt werden. Teilweise lässt sich damit eine zufriedenstellende Schmerzlinderung erreichen.



Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


Rückenschmerzen   Rückenschmerzen Home

Verwandte Suchbegriffe zu Rückenschmerzen:
Vertebragene Schmerzen, Kreuzschmerzen, Chronische Rückenschmerzen, Rückenleiden, Rückenbeschwerden, Kreuzbeschwerden, Kreuzweh, low back pain

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

Verwandte Schmerz-Themen von Rückenschmerzen

Rückenschmerzen Top6 Krankheiten

Schmerz-Themen zu Rückenschmerzen A-Z:

Sponsorenbereich
Anzeige

Anzeige
Aktuelle Gesundheitsnachrichten

Leitfaden "DMP erfolgreich umsetzen: Diabetes mellitus Typ 2 und Koronare Herzkrankheit" aktualisiert
(22.08.17) Die AOK hat den Leitfaden für Praxisteams zur erfolgreichen Umsetzung der Disease-Management-Programme (DMP) für Typ-2-Diabetiker und Patienten mit Koronarer Herzkrankheit (KHK) aktualisiert. Die Inhalte des Leitfadens orientieren sich an den Qualitätszielen des DMP Diabetes mellitus Typ 2 und des DMP Koronare Herzkrankheit. Der Leitfaden steht ab sofort zum kostenlosen herunterladen bereit.
Artikel lesen...

Weniger freiheitsentziehende Maßnahmen in der Pflege
(21.08.17) Die Zahl gerichtlich angeordneter freiheitsentziehender Maßnahmen (FEM) in Pflegeeinrichtungen geht zurück. Genehmigten Gerichte im Jahr 2010 in Betreuungsverfahren bundesweit noch über 98.000 FEM, waren es 2015 nach Angaben der Bundesregierung knapp 60.000. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hervor.
Artikel lesen...

Ärzte erzielen über 70 Prozent ihrer Einnahmen aus der GKV
(18.08.17) Arztpraxen in Deutschland verdienen fast drei Viertel ihrer Einnahmen mit Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Nur ein Viertel erfolgt aus Privatabrechnungen. Das hat das Statistische Bundesamt (Destatis) jetzt mitgeteilt. 2015 entfiele n 70,4 Prozent der Praxis-Einnahmen auf Kassenabrechnungen, 26,3 Prozent auf Privatabrechnungen und 3,3 Prozent auf sonstige selbstständige ärztliche Tätigkeiten.
Artikel lesen...

Weiterführende Links



Anzeige