20. Juni 2018

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Thorakalsyndrom

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Der Bereich der Brustwirbelsäule ist hinsichtlich „chronischer Schmerzen“ am wenigsten betroffen.

Das Thorakalsyndrom ist ein Sammelbegriff für Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule. Chronische Formen sind möglich. Schmerzen in diesem Bereich werden meistens als dumpf und drückend beschrieben. Die Muskulatur neben der Wirbelsäule ist meistens verhärtet, zudem druckschmerzhaft. Oftmals besteht auch eine sog. „Klopfschmerzhaftigkeit“ über den Dornfortsätzen der Wirbelkörper.

Da die Wirbelsäule im Bereich der Brustwirbel deutlich weniger stark belastet ist als z. B. im Bereich der Lendenwirbel, spielen hier statisch-dynamische Faktoren als ursächliche Auslöser eines thorakalen Schmerzsyndroms eher eine Nebenrolle.

Im Vordergrund stehen reflektorische Störungen, also solche die (reflexartig) von anderen (erkrankten) Organen ausgehen, hauptsächlich im myofaszialen System (myofaszial = Muskeln und deren Gewebsumhüllung betreffend). In einigen Fällen sind auch die sog. „Interkostalnerven“ (Zwischenrippennerven) an dem Beschwerdebild beteiligt, und zwar im Sinne einer sog. „pseudoradikulären Symptomatik“ (Krankheitszeichen, die von einer scheinbar gestörten Nervenwurzel ausgehen).

Auch eine radikuläre Symptomatik (Krankheitszeichen, die von einer tatsächlich gestörten Nervenwurzel ausgehen) ist möglich. Diese kann aber leicht übersehen werden, da damit in Verbindung stehend, motorische (die Muskelfunktion betreffenden) Ausfälle ja kaum eine körperliche Beeinträchtigung nach sich ziehen und somit auch nicht bemerkt werden. Eine Ausnahme besteht, wenn mehrere Interkostalnerven von einer Störung betroffen sind, denn dies kann zu einer erkennbaren Beeinträchtigung der Lungenfunktion führen.

Eine relativ häufige Ursache für ein Thorakalsyndrom sind Wachstumsstörungen (Morbus Scheuermann, Skoliose, etc.). Das Syndrom wird dabei durch die mit der Wachstumsstörung verbundene Fehlhaltung begünstigt.
Eine weitere mögliche Ursache für ein Thorakalsyndrom sind zusammengebrochene Wirbeln als Folge einer Osteoporose. Aber auch unfallbedingte Wirbelbrüche können ein thorakales Schmerzsyndrom hervorrufen.

Im Rahmen der (fachärztlichen) Untersuchung müssen differentialdiagnostische Aspekte berücksichtigt werden. Es existieren eine Reihe von Krankheitsbildern bzw. Störungen, welche im Sinne von Übertragungsschmerzen (Referred pain) Beschwerden im Bereich der BWS auslösen können, aber nichts mit einem Thorakalsyndrom zu tun haben, also ein Thorakalsyndrom lediglich vortäuschen. Hierzu zählen viszerale (Körperhöhlen betreffende) Schmerzen bzw. Beschwerden, wie z.B. Krankheiten des Herzens, der Bauchspeicheldrüse, oder auch Erkrankungen der Speiseröhre und des Brustfells (Pleura), sowie Fehlbildungen der Brustaorta (Brustschlagader).

Zur besseren Übersicht hier noch einmal eine Auflistung von vertebragenen (wirbelsäulenbedingter) Ursachen von Rückenschmerzen im Zusammenhang mit einem Thorakalsyndrom:

● Degenerative Veränderungen (durch Abnutzung hervorgerufen), z. B.:
- Bandscheibenschäden (Bandscheibenvorwölbung, Bandscheibenvorfall)
- Ligamentäre Insuffizienz (Funktionsstörung von Haltebändern)
- Störung der gelenkigen Wirbelverbindungen
- Knöcherne Veränderungen (Randzacken, Knochenwulste usw.)

● Missbildungen:
- angeborene (z.B. Spina bifida, Blockwirbel, Keilwirbel)
- Wachstumsstörung (z.B. Skoliose, Morbus Scheuermann)

● Entzündliche Erkrankungen, z. B.:
- Rheumatischer Formenkreis (z.B. Polymyalgia, Morbus Bechterew)
- Infektionserkrankungen (Spondylitis z.B. durch Tbc, Staphylokokken)

● Tumore der Wirbelsäule:
- Primärtumore (hauptsächlich Plasmozytom)
- Metastasen

● Defekte, die nicht verletzungsbedingt sind:
- Spondylolyse, Spondylolisthesis

● Generalisierte Skeletterkrankungen, wie:
- Osteoporose, Osteomalazie

● Traumen (Verletzungen):
- Frakturen (z. B. Wirbelbruch)

Therapie

Bei der Therapie eines Thorakalsyndroms unterscheidet man zwischen allgemeinen Therapieansätzen und weiterführenden Behandlungskonzepten einer Schmerzklinik. Akute BWS-Beschwerden können im Rahmen der hausärztlichen Behandlung (z. T. in Kombination mit Physiotherapie) oder der ambulanten Schmerzpraxis behandelt werden. Wird das Thorakalsyndrom chronisch, sollten Sie sich unbedingt an eine erfahrene Schmerzklinik wenden. Details hierzu sind:

I. Allgemeine Therapieansätze:

- Medikamentöse Schmerztherapie.
Die Mittel erster Wahl sind peripher wirkende Analgetika (Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken), spez. sog. nicht steroidale Antirheumatika (Rheumamittel), hierbei möglichst lang wirkende und magenschonende, z. B. Mobec®. Sehr magenschonend und zudem auch entzündungshemmend sind sog. COX-2 Inhibitoren ((z. B. Parecoxib (Dynastat®) o. Etoricoxib (Arcoxia®)). Liegen stärkere, schmerzhaften Muskelverspannungen vor, können auch sog. Muskelrelaxanzien (Mittel zur Muskelentspannung) probiert werden, z. B. Norflex® oder Mydocalm®. Schwere Schmerzen sind manchmal dagegen nur durch zentral (im Gehirn / Rückenmark) wirkenden Analgetika (z. B. Tramadol, Valoron N®) zu lindern. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten.
Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch beim Thorakalsyndrom wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen.

- Physikalische Therapie, z. B. T.E.N.S, Wärme, Kälte, Massagen, Krankengymnastik,..

- Chirotherapie

- Andere Therapiemaßnahmen: Der Vollständigkeit halber darf gerade bei BWS-Beschwerden die Akupunktur nicht unerwähnt bleiben.

Wichtig sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und Vermeidung von übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle Ergotherapie bzw. Rückenschule).. Darüber hinaus sollte der Patienten Übungen zur Lockerung der Muskulatur erlernen.


2. Weitere Behandlungskonzepte einer Fachklinik

<?  Therapie & Behandlungskonzepte bei Thorakalsyndrom



Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Rückenschmerzen:
Vertebragene Schmerzen, Kreuzschmerzen, Chronische Rückenschmerzen, Rückenleiden, Rückenbeschwerden, Kreuzbeschwerden, Kreuzweh, low back pain

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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