1. September 2014

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LWS Syndrom

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Das LWS-Syndrom (Syndrom der LWS) ist ein Sammelbegriff für Schmerzen, die von der Lendenwirbelsäule ausgehen oder den Lendenwirbelsäulenbereich betreffen. Die Schmerzen werden in der Regel als dumpf und von der Wirbelsäule ausgehend beschrieben.

Die Lendenwirbelsäule ist sehr großen statisch-dynamischen Belastungen ausgesetzt. Aus diesem Grund taucht das LWS-Syndrom im Vergleich zum HWS- oder BWS-Syndrom wesentlich häufiger auf.
Als Ursache für den Schmerz stehen beim LWS-Syndrom, wie bei der Halswirbelsäule, degenerative, also abnutzungsbedingte, Veränderungen im Vordergrund. Probleme mit der Bandscheibe (Bandscheibenvorfall, Bandscheibenvorwölbung) nehmen dabei eine Schlüsselrolle ein.


Die Ursachen für ein LWS-Syndrom im Einzelnen sind:

Degenerative Veränderungen (durch Abnutzung hervorgerufen), z. B.:

- Bandscheibenschäden (Bandscheibenvorwölbung, Bandscheibenvorfall)

Bandscheibenvorwölbung Informationen: Bandscheibenvorwölbung
Bandscheibenvorfall Informationen: Bandscheibenvorfall

- Ligamentäre Insuffizienz (Funktionsstörung von Haltebändern)
- Störung der gelenkigen Wirbelverbindungen
- Knöcherne Veränderungen (Randzacken, Knochenwulste usw.)

Missbildungen:

- angeborene (z. B. Spina bifida, Blockwirbel, Keilwirbel)
- Wachstumsstörung (z. B. Skoliose, Morbus Scheuermann)

Entzündliche Erkrankungen, z. B.:

- Rheumatischer Formenkreis (z.B. Polymyalgia, Morbus Bechterew)
- Infektionserkrankungen (Spondylitis z.B. durch Tbc, Staphylokokken)

Generalisierte Skeletterkrankungen, wie:

- Osteoporose, Osteomalazie

Tumore der Wirbelsäule:

- Primärtumore (hauptsächlich Plasmozytom)
- Metastasen

Traumen (Verletzungen), z. B.:

-Frakturen

Defekte, die nicht verletzungsbedingt sind:

- Spondylolyse, Spondylolisthesis


Bei der Therapie einer LWS-Erkrankung unterscheidet man zwischen allgemeinen Therapieansätzen und weiterführenden Behandlungskonzepten einer Schmerzklinik. Akute LWS-Beschwerden können im Rahmen der hausärztlichen Behandlung (z. T. in Kombination mit Physiotherapie) oder der ambulanten Schmerzpraxis behandelt werden. Werden die LWS-Schmerzen chronisch, sollten Sie sich unbedingt an eine erfahrene Schmerzklinik wenden.


I. Allgemeine Therapieansätze:

- Medikamentöse Schmerztherapie

- Physikalische Therapie, z. B. T.E.N.S, Wärme, Kälte, Massagen, Krankengymnastik,..

- Andere Therapiemaßnahmen: Der Vollständigkeit halber darf gerade bei LWS-Beschwerden die Akupunktur nicht unerwähnt bleiben. Wichtig sind individuelle Instruktionen zur richtigen Haltung und Vermeidung von übermäßigen Wirbelsäulenbelastungen (funktionelle Ergotherapie bzw. Rückenschule).

Für Details zu möglichen medikamentösen Therapien wenden Sie sich bitte an den kostenlosen Beratungsservice von DoctorHelp.


II. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik

Bei anhaltenden Schmerzen im LWS-Bereich sollten rechtzeitig weiterführende Methoden aus dem Bereich der sog. „speziellen Schmerztherapie“ eingesetzt werden. Dabei gilt generell das Motto: Je früher desto besser.

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie länger bestehender, vertebragener Schmerzen erfordert je nach Ursache eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie. Dieses Behandlungskonzept bezeichnet man heute als multimodal, d. h., daß verschiedene Therapien aufeinander abgestimmt werden um so das Schmerzproblem ganz gezielt anzugehen. Die weiter unten einzeln aufgeführten multimodalen Methoden, spez. die therapeutische Lokalanästhesie, setzen eine sehr gründliche fachärztliche Ausbildung voraus, weshalb sie nur in spezialisierten Einrichtungen angeboten werden können. Für einen optimalen Therapieerfolg ist in der Regel dazu ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer Schmerzklinik notwendig.

Die Methoden einer Schmerzklinik im Einzelnen sind:

1. Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade).

Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden. Gerade diese „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“ kann bei einem LWS-Syndrom zum Teil erstaunliche Erfolge aufweisen.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird dabei stets so dosiert, daß die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Daß die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, daß diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.

2. Analgetikatestung

Zu Beginn eines stationären Aufenthaltes sollte (wenn möglich) eine sog. Analgetikatestung durchgeführt werden. Die Problematik besteht ja bei vielen Patienten darin, daß viele medikamentöse Therapien in der Vergangenheit nicht die gewünschte Wirkung gezeigt haben. Mit Hilfe dieser Maßnahme besteht aber zumindest für den Patienten die Chance, sollte ein Bedarfsfall später doch nochmals eintreten, wenigstens auf ein wirkendes Medikament zurückgreifen zu können.

3. Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Akupunktur
- Hochtontherapie/ „Transkutane Nervenstimulation“ (T.E.N.S.)
- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen): Die oben beschriebenen allgemein physiotherapeutischen Maßnahmen werden auch in jeder Schmerzklinik bei Bedarf angewendet. Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie ist bei der Behandlung von einem LWS-Syndrom aber die sog. „heilgymnastische Therapie“ unverzichtbar. In den meisten Fällen ist nur diese geeignet, den ärztlichen Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren. Aus diesem Grund erfolgt die heilgymnastische Therapie in einer Schmerzklinik in sehr enger Rücksprache mit dem behandelnden Arzt. Dabei werden die Muskeln neben der Wirbelsäule trainiert, da auf Dauer nur eine kräftige bzw. suffiziente Rückenmuskulatur eine statische und dynamische Schwäche des Achsenorgans effektiv kompensieren kann. - Biofeedback (Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale)
- Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist bei chronischen LWS-Schmerzen auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.

Wenn chronische LWS-Beschwerden bereits längerfristig bestehen, kann man davon ausgehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, sodaß zusätzlich psychologische/ psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten. Psychotherapeutische Interventionen können bei ausgeprägten "psychosomatischen LWS-Schmerzen" sinnvoll sein, da verdrängte Konflikte u. U. muskuläre Verspannungen und Schmerzen verstärken können.



Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim und Schmerzklinik am Arkauwald.


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Verwandte Suchbegriffe zu Rückenschmerzen:
Vertebragene Schmerzen, Kreuzschmerzen, Chronische Rückenschmerzen, Rückenleiden, Rückenbeschwerden, Kreuzbeschwerden, Kreuzweh, low back pain

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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