18. Dezember 2017

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Interkostalneuralgie

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Der Begriff "Interkostalneuralgie" beschreibt Brustwandschmerzen entlang eines Zwischenrippennerven (lat. inter "zwischen", costa "Rippe").

Generell versteht man unter einer Neuralgie einen wiederholt einschießenden Schmerz, der jeweils nur kurz anhält. In dieser Form tritt eine „Interkostalneuralgie“ eher seltener auf, meist liegt ein ziehender, anhaltender Schmerz vor. Im Falle eines nachweisbaren Nervenschadens wäre dann der Begriff Interkostalneuropathie angebrachter.

Symptome

Bei einer Interkostalneuralgie treten die Nervenschmerzen im Bereich der Zwischenrippennerven gürtelförmig im Brust- oder Rückenbereich auf und werden durch Husten oder Pressen verstärkt. Typisch sind anhaltende Schmerzen, die sich anfallartig verstärken können und von den Betroffenen als messerscharf und zermürbend beschrieben werden. Mißempfinden und Gefühlsstörungen können in den betroffenen Bereichen ebenfalls auftreten.
Typische Druckpunkte liegen neben der Wirbelsäule (paravertebral), von der Achselhöhle aus abwärts (Axillarlinie) und neben der Mittellinie vorn (paramedian). Die Schmerzen entstehen durch eine Irritation entweder der Nervenwurzel bei ihrem Austritt aus dem Rückenmark oder der Nerven selbst. Jeder Zwischenrippennerv versorgt einen ganz bestimmten, zwischen den einzelnen Rippen liegenden Haut- und Gewebebereich, in dem dann der Schmerz empfunden wird.

Ursache(n)

Verantwortlich dafür können eine ganze Reihe von Erkrankungen sein, so dass der Begriff der Interkostalneuralgie nur ein Symptom und keine Diagnose beschreibt. Dazu zählen Erkrankungen der Wirbelsäule, der Rippen, der Lunge oder des Rippenfells. Bei der Wirbelsäule sind abnutzungsbedingte Veränderungen einhergehend mit der Einengung von Nervenwurzeln Ursache. Auch die Erkrankung des Herzens, des Magens, der Leber und Gallenblase kann zu Ausstrahlungen in den dazugehörigen Hautzonen führen. Nach einer operativen Öffnung des Brustkorbes mit eventueller Rippenentfernung kann auch es auch zu einer Interkostalneuralgie (ein sog. Postthorakotomie-Syndrom) kommen. Häufig ist auch eine Gürtelrose (Herpes Zoster) der Grund. Bei dieser Erkrankung werden nach einer oft Jahrzehnte zurückliegenden Erstansteckung mit dem Varizella-Zoster-Virus, dieselben nach einer Art Winterschlaf, in den Nervenzellen erneut aktiviert. Diese Reaktion wird durch bestimmte Umstände, wie Immunschwäche, begünstigt.

Seltener wird die Interkostalneuralgie durch eine Erkrankung des Rückenmarks, durch eine angeborene Verengung der Hauptschlagader (Aortenisthmusstenose) oder Tumore im Bereich der Luftwege oder des Lungenfells verursacht.

Untersuchung

Bei der der Diagnostik steht an erster Stelle die ausführliche Erhebung der Krankheitsgeschichte (Anamnese) und eine körperliche Untersuchung. Die Krankheitsgeschichte beleuchtet den Charakter des Schmerzes, Ausdehnung, Intensität und Dauer. Die Empfindungsfähigkeit im schmerzenden Bereich und die Beweglichkeit und Form der Wirbelsäule wird festgestellt. Röntgenbilder können Brüche, Fehlstellungen oder überschießendes Knochenwachstum aufzeigen. Durch Blutuntersuchungen können infektiöse Erkrankungen des Nervensystems erkannt werden. Typische Hauterscheinungen weisen eine Gürtelrose als Ursache hin. Manchmal, insbesondere bei unklaren Gefühlsstörungen mit Schmerzen, ist eine Kernspinaufnahme (MRT) der Brustwirbelsäule sinnvoll und notwendig.

Therapie

Bei einer medikamentösen Schmerztherapie werden bei akuten und bei sich langsam steigernden Beschwerden zunächst peripher (außerhalb von Gehirn oder Rückenmark) wirkende Schmerzmittel oder Rheumamittel verabreicht. Auch Mittel zur Muskelentspannung werden verwandt. Bei extremen Schmerzen werden dann sog. zentral (im Gehirn oder Rückenmark) wirkende Medikamente verabreicht. Durch die bestehende Gefahr der sich bildenden Abhängigkeit von Medikamenten, sollte jedoch auf eine langfristige medikamentöse Schmerztherapie verzichtet werden.

Alternative Methoden, ohne Gewöhnungs- oder Suchtpotential, rechtzeitig eingesetzt, sind in vielen Fällen hilfreicher.

Dazu gehört die therapeutische Lokalanästhesie mit einem lang wirkenden Betäubungsmittel in Form von örtlichen und zeitlich begrenzten Betäubungen oder Nervenblockaden. Eine kontinuierliche Nervenblockade, z.B. über 10-14 Tage wird durch die Implantation eines Katheters erreicht.

Die rückenmarksnahe Betäubung im Brustwirbelbereich (peridurale Blockade) muss einer strengen Nutzen-Risiko Bewertung unterliegen, da das therapeutische Risiko ungleich höher anzusetzen ist. Eine indirekte Blockade im Brustwirbelbereich läßt sich mit geringerem Risiko durch eine rückenmarksnahe Betäubung im Lendenbereich erzielen. Dabei wird das verabreichte Volumen so erhöht, das die Segmente der Brustwirbel erreicht werden.
Nervenzerstörende (neurolytische) Verfahren, wie das rückenmarksnahe Einspritzen von Phenol (Neuendorf 1986) sollten Ausnahme bleiben. Auch von chirurgischen oder chemisch zerstörenden Eingriffen ist abzuraten, da diese kaum zum Erfolg führen, beziehungsweise unbefriedigende Langzeitergebnisse bei hoher Komplikationsrate aufweisen. Ebenso sind neurochirurgische Verfahren in Form einer operativen Teilentfernung eines Nervs (periphere Neurektomie) oder der Unterbrechung der hinteren Wurzel (dorsale Rhizotomie) von geringem Nutzen.
Am effektivsten soll die elektrische Zerstörung/Verkochung der hinteren Schmerzeintrittszone am Rückenmark sein. Sie wird Läsion der dorsal-root-entry-zone, kurz DREZ-Läsion genannt.

Sonst bleiben noch Stimulationsverfahren am Rückenmark wie die spinal cord stimulation, SCS. Auch die transkutane elektrische Nervenstimulation (T.E.N.S.) mit Klebeelektroden kann bei Interkostalneuralgie angewandt werden. Teilweise lässt sich damit eine zufriedenstellende Schmerzlinderung erreichen.



Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Rückenschmerzen:
Vertebragene Schmerzen, Kreuzschmerzen, Chronische Rückenschmerzen, Rückenleiden, Rückenbeschwerden, Kreuzbeschwerden, Kreuzweh, low back pain

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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