19. Oktober 2017

Top6 Themen: Zentrales Schmerzsyndrom - Nervenschmerzen

Zentrales Schmerzsyndrom

Zentrales Schmerzsyndrom Nervenschmerzen Themen und Krankheit
Beim zentralen Schmerzsyndrom handelt es sich um Schmerzen, die im zentralen Nervensystem entstehen, aber Schmerzen in der Peripherie, z.B. in Armen und Beinen, verursachen. Verursacht werden die Schmerzen wohl durch Funktionsstörungen bzw. Fehlfunktionen.

Es gibt eine Reihe von Erkrankungen die typischerweise mit einer zentralen Schmerzsymptomatik einhergehen, diese sollen nachfolgend näher erläutert werden.


Ursachen: Zentrales Schmerzsyndrom

Die genaue Entstehung eines zentralen Schmerzsyndroms ist noch unbekannt. Erschwerend für die Erforschung des zentralen Schmerzsyndroms kommt hinzu, dass nicht alle Patienten mit einer Funktionsstörung bzw. Fehlfunktion ein zentrales Schmerzsyndrom entwickeln, diese sich auch mit zeitlicher Verzögerung einstellen und auch selten spontan wieder abklingen kann.

Symptome: Zentrales Schmerzsyndrom

Typischerweise wird ein zentrales Schmerzsyndrom in größeren Körperbereichen empfunden, es kann allerdings auch beispielsweise nur die Hand oder Teile davon betreffen. Der Schmerzcharakter wird meist als brennend, einschießend, zerreißend oder drückend angegeben.


Formen: Zentrales Schmerzsyndrom

Erkrankungen, die mit einem zentralen Schmerzsyndrom einhergehen können, sind:

- Schlaganfall (Apoplex)
Hierbei kommt es durch eine Hirndurchblutungsstörung zu neurologischen Defiziten. Die Durchblutungsstörungen können durch einen Gefäßverschluss (thrombotisch oder embolisch) oder in Folge von Blutungen nach einer Gefäßruptur (intrazerebrale oder subarachnoidale Blutung) entstehen. Typische Krankheitszeichen sind zentrale Schmerzen in der herdgekreuzten Körperhälfte, vorzugsweise in Armen und Beinen, Empfindungsstörungen, Lähmungen und gelegentlich auch ein so genannter Thalamusschmerz.

- Multiple Sklerose
Bei der Multiplen Sklerose handelt es sich um eine Entmarkungserkrankung des zentralen Nervensystems, die mit herdförmigen Markscheidenzerfall, perivaskulären Infiltraten, gliösen Proliferationen und Narbenbildung einhergeht. Ihr zugrunde liegt ein exogen oder endogen induzierter immunologischer Prozess und sie tritt bevorzugt zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr auf. Symptome, neben den zentralen Schmerzen, sind pseudoneurasthenisches (Erschöpfung des ZNS) oder rheumatisches Prodromalstadium (Vorläuferstadium), Hirnnervenausfälle, Augenmuskellähmung, schleppende Sprache, spastische Lähmungen, Kleinhirnsymptome, Empfindungsstörungen, Blasen- und Mastdarmstörungen, Euphorie sowie später Demenz. Die Erkrankung verläuft in Schüben mit Remissionen oder langsam progredient. Eine kausale Therapie ist bisher noch nicht bekannt.

- Rückenmarksverletzungen (Querschnittslähmung)
Hierbei kommt es bei ca. 50% der Betroffenen zu störenden Missempfindungen unterhalb der Läsionsstelle und rund 30% klagen über vorwiegend viszerale Schmerzen. Wird das Rückenmark komplett durchtrennt, so handelt es sich um einen Deafferenzierungsschmerz, welcher im Prinzip ein Phantomschmerz ist. Aber auch vom Verletzungssegment selbst können Schmerzen ausgehen, welche meist auf eine Instabilität zurückzuführen sind.

- Syringomyelie
Bei dieser Erkrankung kommt es zu einer Zerstörung von Rückenmarksgewebe mit Ausbildung von langstreckigen Höhlen und Spalten in der grauen Substanz sowie Gliawucherungen, als Folge einer Entwicklungsstörung des Rückenmarks. Meist sind das Hals- und Brustmark, seltener der Hirnstamm und der lumbosakrale Rückenmarksbereich, betroffen. Meist kommt es deshalb zu zentralen Schmerzen, die in den Armbereich ausstrahlen

- Trigeminusneuralgie
Bei der Trigeminusneuralgie liegen keine klassischen zentralen Schmerzen vor. Hier kommt es zu anfallsartigen Schmerzattacken, deren Schmerzbereich sich mit dem Ausbreitungsgebiet des betroffenen Nervenastes deckt. Die Schmerzen können häufig durch Kauen, Sprechen, Kälte, bestimmte Gesichtsbewegungen und Berührung bestimmter Hautareale ausgelöst werden. Die Schmerzattacken treten meist streng einseitig auf und betreffen überwiegend den zweiten und dritten Ast des Nervus trigeminus.


Therapie: Zentrales Schmerzsyndrom

Bei der Therapie eines zentralen Schmerzsyndroms kommen im ersten Schritt allgemeine Therapieansätze zum Einsatz.
Zeigen diese zu wenig Wirkung, oder werden die Beschwerden chronisch (Schmerzen länger als 3-6 Monate) sind Konzepte der „speziellen Schmerztherapie“ bzw. weiterführende multimodale Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik gefragt. Dabei gilt generell: „Je früher, desto besser“.

Details:

1. Allgemeine Therapien

a) Medikamentöse Schmerztherapie:

Besonders geeignet sind sog. Antiepileptika (z. B. Carbamazepin, Gabapentin oder Pregabalin). Muskelrelaxanzien (Mittel zur Muskelentspannung) wie Baclofen (z. B. Lioresal®) können als Ergänzung ebenfalls hilfreich sein.
Schwere Schmerzen sind manchmal dagegen nur durch zentral (im Gehirn / Rückenmark) wirkende Analgetika (z. B. Tramadol, Valoron N®) zu lindern. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten.
Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch z. T. bei Schmerzen wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen.

b) Akupunktur

c) Physikalische Therapie
- z. B.: T.E.N.S., Wärme, Kälte, Massagen, Krankengymnastik,..

2. Weitere Behandlungskonzepte einer Fachklinik

<?  Therapie & Behandlungskonzepte bei Zentrales Schmerzsyndrom



Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Nervenschmerzen:
Neuropathische Schmerzen, Nerveneigenschmerzen, neuropathisches Schmerzsyndrom

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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