29. März 2017

Top6 Themen: Thalamusschmerzen - Nervenschmerzen

Thalamusschmerzen

Thalamusschmerzen Nervenschmerzen Themen und Krankheit
Der Thalamusschmerz steht als Begriff für einen vom Gehirn (Thalamus) bzw. dem zentralen Nervensystem ausgehendem Schmerz. Dieser wird durch Störungen bzw. Schädigungen (Läsionen) von schmerzkontrollierenden Arealen hervorgerufen. Die häufigste Ursache für Thalamusschmerzen ist ein vorangegangener Schlaganfall.

Typisches Merkmal sind sehr heftige, vorzugsweise brennende Dauerschmerzen in der, dem verursachenden Herd gegenüberliegenden Körperhälfte (Hemialgesie), oftmals in den Armen und Beinen. Die Schmerzen können sich zudem in Form von Attacken verstärken. In manchen Fällen kommt es zur Ausbildung einer Allodynie (Auslösung von Schmerzen durch bereits leiseste Berührung), fast immer besteht dagegen eine sog. Hyperpathie (Schmerzen, die länger als der eigentliche Schmerzreiz anhalten). Im Zusammenhang mit einer neurologischen Untersuchung lässt sich gewöhnlich zudem eine Hemiparese (Halbseitenlähmung) mit meist guter Rückbildungstendenz feststellen. Auch kommen motorische (die Muskelkraft betreffende) Störungen kommen vor, so z. B. die sog. „Thalamushand nach Poeck“: Die Finger sind im Grundgelenk gebeugt, in den Mittelgelenken überstreckt und zeigen insgesamt eine Bewegungsunruhe.

Die den Thalamusschmerz verursachende Störung kann heute i. d. R. mittels CT (Computertomographie), MRT (Kernspintomographie) oder Angiographie (Gefäßdarstellung mit Hilfe von Röntgenstrahlen) nachgewiesen werden. Häufig ist allerdings keine eindeutige, organische Ursache findbar, so daß psychische Ursachen in Betracht gezogen werden müssen, z. B. sog. symbolhafte Schmerzen im Rahmen einer Konversionsneurose.

Die Therapie von Thalamusschmerzen stellen auch für den erfahrenen Schmerztherapeuten eine große Herausforderung dar. In den meisten Fällen ist es sehr empfehlenswert sich zwecks Behandlung in eine erfahrene Schmerzklinik zu begeben.

1. Allgemeine Therapie(n):

- Medikamentöse Schmerztherapie: Die Mittel der ersten Wahl sind hier Gabapentin (z. B. Neurontin®) oder Pregabalin (z. B. Lyrica®), es kann an zweiter Stelle auch Carbamazepin (z. B. Tegretal®) versucht werden. Baclofen (z. B. Lioresal®) führt in manchen Fällen ebenfalls zu einer Linderung, oft ist allerdings die Verschreibung von Opiaten (opiumähnliche Mittel) die einzige verbleibende Lösung.

- Physikalische Maßnahmen: T.E.N.S., Elektrische Reizung der thalamischen Region mittels implantierter Elektroden, Heilgymnastische Therapie gegen die evtl. bestehende Hemiparese (Halbseitenlähmung)

- Stereotaktische Eingriffe: Eine Operationen mit einem computergesteuerten Zielgerät sollte nur in absoluten Ausnahmefällen, sprich nach einer erfolglosen Schmerztherapie in einer Schmerzklinik durchgeführt werden.

Für Details zu möglichen medikamentösen Schmerztherapien wenden Sie sich bitte an den kostenlosen Beratungsservice von DoctorHelp.

2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

In einer Schmerzklinik werden Methoden aus dem Bereich der sog. „speziellen Schmerztherapie“ eingesetzt. Die optimale Therapie von Thalamusschmerzen erfordert teilweise die Kombination von verschiedenen Verfahren. Dieses Behandlungskonzept bezeichnet man heute als multimodal, d. h., daß verschiedene Therapien aufeinander abgestimmt werden um so das Schmerzproblem ganz gezielt anzugehen. In vielen Fällen besteht bei Patienten durch falsche Behandlung im Vorfeld bereits eine Schmerzmittelabhängigkeit, so daß zuerst ein Schmerzmittelentzug stattfinden muß. Auch hierfür finden sich in einer Schmerzklinik ideale Voraussetzungen, da dieser Entzug wiederum starke Schmerzen auslösen kann. Für einen optimalen Therapieerfolg ist in der Regel dazu ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer Schmerzklinik notwendig. Die Methoden einer Schmerzklinik im Einzelnen sind:

● Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv (Nervenblockade) oder an schmerzleitende Nervenstrukturen (z. B. Rückenmark) gespritzt. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Speziell im Rahmen einer stationären Behandlung in einer Schmerzklinik ist es möglich, über mehrere Wochen diese Therapie täglich mehrfach durchzuführen. Wird die Methode dagegen nur alle paar Tage ambulant durchgeführt, bleibt der gewünschte Erfolg in aller Regel aus.

Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden. Angesichts von "zentralen Schmerzen" (Schmerzen, die im Rückenmark / Gehirn entstehen) erscheint die Durchführung von Nervenblockaden zugegebenermaßen paradox. Man hat jedoch festgestellt, daß bei ca. 40-50% der betroffenen Patienten diese Therapie tatsächlich anspricht und zu einer Schmerzlinderung führt. Möglicherweise wird durch die zentrale Läsion (Störung/Schädigung) teilweise ein peripheres (mehr oberflächliches, nicht im Gehirn oder Rückenmark vorliegendes) Schmerzsyndrom herbeigeführt, vielleicht indem neurobiologische Mechanismen der Perzeption (Empfindung, Wahrnehmung) durch das efferente sympathische System (weggeleitete Erregungen im unwillkürlichen Nervensystem) mehr oder weniger ausgeprägt aktiviert werden.
Für eine Beteiligung des sympathischen Systems sprechen auch die Berichte von Loh et al. (1980) und Nathan (1980), wonach Schmerzen in Arme und Beine nach einer Störung/Schädigung des Zentralnervensystems (Rückenmark und Gehirn) durch Sympathikusblockaden beseitigt oder gelindert werden können. Da die Nervenstämme (besonders Plexus brachialis (Nervengeflecht des Armes)) auch vegetative, sympathische Fasern mit sich führen, kann eine solche Wirkung postuliert werden. Bei sog. Phantomschmerzen ging man ja früher ebenfalls von sog. zentralen Schmerzen aus. Mittlerweile ist aber bewiesen, dass auch dieser Schmerz peripher (außerhalb des Gehirns oder Rückenmark) behandelt werden kann.

● Analgetikatestung

● Ergänzende Methoden

- Hochtontherapie
- Spezielle heilgymnastische Therapie, Krankengymnastik und Ergotherapie, jeweils zur Rehabilitation der evtl. bestehenden Hemiparese (Halbseitenlähmung).
- Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson. Zudem ist gerade bei (chronischen) Schmerzen meistens auch ein Schmerzbewältigungstraining sinnvoll.
- Spezielle Schmerz-Akupunktur

Wenn chronische Schmerzen längerfristig bestehen, wird normalerweise ein Chronifizierungsgrad II oder III erreicht (Mainzer Stadieneinteilung). In diesen Fällen ist eine rein körperliche Behandlung kaum noch ausreichend, sondern es sollten in Ergänzung psychologisch/ psychotherapeutische Interventionen erfolgen.





Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Nervenschmerzen:
Neuropathische Schmerzen, Nerveneigenschmerzen, neuropathisches Schmerzsyndrom

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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