26. Oktober 2020

Top6 Themen: Postzosterische Neuralgie - Nervenschmerzen

Postzosterische Neuralgie

Postzosterische Neuralgie Nervenschmerzen Themen und Krankheit
Ein Herpes Zoster, auch Gürtelrose genannt, ist eine Hauterkrankung, die mit massiven Schmerzen einhergehen kann. Details zum Herpes Zoster s. entsprechendes Thema bei Doctorhelp.

Wenn die Hauterscheinungen eines Herpes Zoster ausgeheilt und die Schmerzen länger als vier bis sechs weitere Wochen anhalten, hat sich eine postzosterische Neuralgie (Neuralgie nach einem Herpes Zoster) gebildet. Dies kommt bei etwa 10% aller Herpes-Zoster Patienten vor. Dabei gibt es einige Faktoren, die das Auftreten einer postzosterischen Neuralgie begünstigen:

- Ausmaß und Intensität der vorangegangen Herpes-Zoster- Erkrankung
- Lokalisation
- Diabetes mellitus
- v. a. das Alter des Patienten (die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung steigt mit zunehmendem Alter)

Die Schmerzen der postzosterischen Neuralgie sind nicht immer einheitlich. Der Schmerzcharakter wird von anhaltend brennend, tief drückend, stechend bis blitzartig einschließend umschrieben. Sensibilitätsstörungen sind häufig, z. B. in Form einer Hyperalgesie (herabgesetzte Schmerzschwelle), einer Hyperpathie (Überempfindlichkeit gegenüber allen örtlichen Reizen) oder einer Allodynie (=tarke Schmerzen bei bereits leisester Berührung).

Die Behandlung einer postzosterischen Neuralgie ist in der Regel sehr schwierig, aber machbar. Man sollte sich auf jeden Fall an einen erfahrenen Schmerztherapeuten wenden, in vielen Fällen ist auch ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer Schmerzklinik zu empfehlen.

1. Allgemeine Therapie(n):

- Medikamentöse Schmerztherapie: Das Mittel der ersten Wahl sind sog. Antiepileptika, z. B. Gabapentin (z. B. Neurontin®), Pregabalin (Lyrica®), oder Carbamazepin (z. B. Tegretal®). Antiepileptika sind eigentlich Mittel gegen die Fallsucht, die aber auch hier z. T. sehr gut wirken. „Normale“, sprich peripher wirkende Schmerzmittel zeigen bei der postzosterischen Neuralgie normalerweise kaum eine Wirkung. Ein weitere Möglichkeit sind schmerzdistanzierende Antidepressiva, z. B. Doxepin oder Maprotilin, evtl. auch in Kombination mit Neuroleptika, z. B. Levomepromazin. Starke, zentral wirkende Analgetika, wie z. B. Morphin, sollten nur in absoluten Notfällen eingesetzt werden.

- physikalische Maßnahmen: Kälte, T.E.N.S.

Für Details zu möglichen medikamentösen Schmerztherapien wenden Sie sich bitte an den kostenlosen Beratungsservice von Doctorhelp.

2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

In einer Schmerzklinik werden Methoden aus dem Bereich der sog. „speziellen Schmerztherapie“ eingesetzt. Die optimale Therapie einer postzosterischen Neuralgie erfordert in der Regel immer die Kombination von verschiedenen Verfahren. Dieses Behandlungskonzept bezeichnet man heute als multimodal, d. h., daß verschiedene Therapien aufeinander abgestimmt werden um so das Schmerzproblem ganz gezielt anzugehen. In vielen Fällen besteht bei Patienten durch falsche Behandlung im Vorfeld bereits eine Schmerzmittelabhängigkeit, sodaß zuerst ein Schmerzmittelentzug stattfinden muß. Auch hierfür finden sich in einer Schmerzklinik ideale Vorraussetzungen, da dieser Entzug wiederum starke Schmerzen auslösen kann. Des Weiteren ist aufgrund der Schmerzintensität eine psychologische Unterstützung sinnvoll. Für einen optimalen Therapieerfolg ist in der Regel dazu ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer Schmerzklinik notwendig. Die Methoden einer Schmerzklinik im Einzelnen sind:

● Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen im Bereich des Rückens eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade). Speziell im Rahmen einer stationären Behandlung in einer Schmerzklinik ist es möglich, über mehrere Wochen diese Therapie täglich mehrfach durchzuführen. Wird die Methode dagegen nur alle paar Tage ambulant durchgeführt, bleibt der gewünschte Erfolg in aller Regel aus.

Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden. Gerade diese „kontinuierliche Blockade mit Katheter“ kann z. B. bei Schmerzen im Zusammenhang mit einer postzosterischen Neuralgie zum Teil erstaunliche Erfolge aufweisen.

● Analgetikatestung

● Ergänzende Methoden

- Hochtontherapie, T.E.N.S.
- Biofeedback (Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale)
- Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson. Zudem ist gerade bei (chronischen) Schmerzen im Zusammenhang mit einer postzosterischen Neuralgie auch ein Schmerzbewältigungstraining sinnvoll.
- Spezielle Schmerz-Akupunktur

Wenn chronische Schmerzen längerfristig bestehen, wird normalerweise ein Chronifizierungsgrad II oder III erreicht (Mainzer Stadieneinteilung). In diesen Fällen ist eine rein körperliche Behandlung kaum noch ausreichend, sondern es sollten in Ergänzung psychologisch/ psychotherapeutische Interventionen erfolgen.





Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Nervenschmerzen:
Neuropathische Schmerzen, Nerveneigenschmerzen, neuropathisches Schmerzsyndrom

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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