21. Oktober 2018

Top6 Themen: Phantomschmerzen - Nervenschmerzen

Phantomschmerzen

Phantomschmerzen Nervenschmerzen Themen und Krankheit
Phantomschmerzen sind Nervenschmerzen in einem nicht mehr vorhandenen Körperteil. Der Phantomschmerz wird also außerhalb des Körpers empfunden.

Theoretisch kann ein Phantomschmerz nach jeder Amputation bzw. nach jedem Verlust eines Körperteils auftreten. In der Praxis taucht aber eigentlich nur im Zusammenhang mit den Armen oder Beinen auf.

Das Risiko, daß ein Phantomschmerz entsteht, ist deutlich erhöht, wenn in dem betroffenen Körperbereich bereits Gefäßerkrankungen oder chronische Schmerzen bestanden hatten. Man kann dem Phantomschmerz allerdings durch eine gezielte Regionalanästhesie, sprich einer Betäubung von Nervenleitungen, bei der Operation direkt vorbeugen.

Die Ursache bis heute noch nicht ganz geklärt. Allerdings ist es inzwischen erwiesen, daß der Phantomschmerz direkt am betroffenen, geschädigten Nerv entsteht, und nicht, wie früher angenommen, im zentralen Nervensystem. Diese Erkenntnis ist z. B. für die Behandlung von fundamentaler Bedeutung.

Phantomschmerzen sind grundsätzlich von schmerzlosen Phantomempfindungen zu unterscheiden sind. Phantomschmerzen treten meistens zeitnah nach der Amputation auf, in manchen Fällen aber auch erst viel später. Patienten beschreiben den Schmerzcharakter unterschiedlich, von brennend, über schneidend bis hin zu eingeklemmt. Typisch sind dabei minuten- bis tagelange Schmerzattacken. Bei fast allen Patienten reagiert der Schmerz auf klimatische Veränderungen. In vielen Fällen gehen Phantomschmerzen mit Stumpfschmerzen einher. Auch ist der Phantomschmerz von sog. Deafferenzierungsschmerzen zu unterscheiden, bei denen ein noch vorhandener Körperteil schmerzt, der aber aufgrund eines Nervenschadens nicht mehr nervlich versorgt ist (z. B. nach einer Querschnittslähmung).

Bei der Therapie von Phantomschmerzen können im ersten Schritt allgemeine Maßnahmen versucht werden. In der Regel sollten Phantomschmerzen allerdings von einem erfahrenen Schmerzspezialisten behandelt werden, in vielen Fällen ist sogar ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer Schmerzklinik notwendig.

1. Allgemeine Therapie(n):

- Medikamentöse Schmerztherapie: Bei eher anfallsartigen, einschießenden Phan- tomschmerzen sind sog. Antikonvulsiva (z. B. Carbamazepin, Gabapentin, Pregabalin) eine sinnvolle Option. Auch Baclofen (z. B. Lioresal®) kann versucht werden. Unterstützend zur Schmerzdistanzierung können auch Antidepressiva wirken, z. B. Maprotilin (z.B. Ludiomil®) und Doxepin (z.B. Aponal®).

- Physikalische Maßnahmen: T.E.N.S.

- Operative Methoden: Man unterscheidet neuromodulierende und nervenzerstörende Verfahren. Als neuromodulierendes Verfahren hat sich vor allem die peridurale (rückenmarknahe) Rückenmarksstimulation mittels eingepflanzter Elektroden (SCS) durchgesetzt.

Nervenzerstörende Maßnahmen sind Ausnahmefällen vorbehalten: die Chordotomie (Durchtrennung von Schmerzbahnen im Rückenmark) und die DREZ- Läsion (Läsion der dorsal-root-entry-zone) (elektrische „Verkochung“/Zerstörung der hinteren Schmerzeintrittszone am Rückenmark).

Für Details zu möglichen medikamentösen Schmerztherapien wenden Sie sich bitte an den kostenlosen Beratungsservice von doctorhelp.de.

2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

In einer Schmerzklinik werden Methoden aus dem Bereich der sog. „speziellen Schmerztherapie“ eingesetzt. Die optimale Therapie von Phantomschmerzen erfordert teilweise die Kombination von verschiedenen Verfahren. Dieses Behandlungskonzept bezeichnet man heute als multimodal, d. h., daß verschiedene Therapien aufeinander abgestimmt werden um so das Schmerzproblem ganz gezielt anzugehen. In vielen Fällen besteht bei Patienten durch falsche Behandlung im Vorfeld bereits eine Schmerzmittelabhängigkeit, sodaß zuerst ein Schmerzmittelentzug stattfinden muß. Auch hierfür finden sich in einer Schmerzklinik ideale Voraussetzungen, da dieser Entzug wiederum starke Schmerzen auslösen kann. Für einen optimalen Therapieerfolg ist in der Regel dazu ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer Schmerzklinik notwendig. Die Methoden einer Schmerzklinik im Einzelnen sind:

● Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv (Nervenblockade) oder an schmerzleitende Nervenstrukturen (z. B. Rückenmark) gespritzt. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Speziell im Rahmen einer stationären Behandlung in einer Schmerzklinik ist es möglich, über mehrere Wochen diese Therapie täglich mehrfach durchzuführen. Wird die Methode dagegen nur alle paar Tage ambulant durchgeführt, bleibt der gewünschte Erfolg in aller Regel aus.

Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden. Gerade diese „kontinuierliche Blockade mit Katheter“ kann z. B. bei Phantomschmerzen zum Teil erstaunliche Erfolge aufweisen.

● Analgetikatestung

● Ergänzende Methoden

- Hochtontherapie
- Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson. Zudem ist gerade bei (chronischen) Schmerzen meistens auch ein Schmerzbewältigungstraining sinnvoll.
- Spezielle Schmerz-Akupunktur

Wenn chronische Schmerzen längerfristig bestehen, wird normalerweise ein Chronifizierungsgrad II oder III erreicht (Mainzer Stadieneinteilung). In diesen Fällen ist eine rein körperliche Behandlung kaum noch ausreichend, sondern es sollten in Ergänzung psychologisch/ psychotherapeutische Interventionen erfolgen.





Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Nervenschmerzen:
Neuropathische Schmerzen, Nerveneigenschmerzen, neuropathisches Schmerzsyndrom

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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