22. September 2018

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Diabetische Polyneuropathie

Diabetische Polyneuropathie Nervenschmerzen Themen und Krankheit
Die diabetische Polyneuropathie zählt zu der Gruppe der Nervenerkrankungen und ist eine mögliche Folge der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Die diabetische Polyneuropathie ist relativ häufig, d. h. sie kommt bei jedem dritten Diabetiker vor.

Die Ursache der diabetischen Polyneuropathie ist eine stoffwechselbedingte (metabolische) Schädigung, weshalb auch die Bezeichnung metabolische Polyneuropathie z. T. verwendet wird, ein anderes Synonym lautet „endotoxische (Gifte, die im Körper selbst entstehen) Polyneuropathie“. Bedingt durch die Diabetes-Erkrankung entstehen bei einem Diabetiker auf Zellebene zu hohe Konzentrationen an sog. „Ketonen“, was wiederum den Ausfall eines Multienzymkomplexes bewirkt. Die Folge sind direkte Schädigungen von Nervenzellen.

Erste Symptome einer diabetischen Polyneuropathie sind:

• nächtliche Schmerzen
• Pelzigkeit
• Kribbeln, wie Ameisenlaufen
• Taubheitsgefühle

Diese Symptome treten v. a. an den Armen und bzw. oder an den Beinen auf.

Später, d. h. bei fortschreitendem Krankheitsverlauf, kann es dann zu weiteren Symptomen kommen:

• Brennende Dauerschmerzen an verschiedenen Körperstellen
• Fehlempfindungen (Parästhesien)
• Gesteigerte Empfindlichkeit (Hyperästhesien)
• Gesteigerte Berührungsempfindlichkeit (Hyperpathien)
• Druckschmerzhaftigkeit von Muskeln und Nerven
• evtl. motorische Reizerscheinungen
• Wadenkrämpfe
• Motorische Ausfälle und Gangstörungen (nur in schweren Fällen)

Typisches Merkmal in diesem Stadium sind auch sockenförmige Sensibilitätsstörungen. Die brennenden Schmerzen führen teilweise zu einer Verwechslung mit der Kausalgie.

Das sog. Lundbaek Syndrom ist eine Sonderform der diabetischen Polyneuropathie. Typische Merkmale sind hier Bewegungsschmerzen, Fehlempfindungen, Muskelsteife, Muskelversagen und Druckschmerzhaftigkeit im Bereich der Hände und Unterarme.

Die Therapie der diabetischen Polyneuropathie richtet sich kausal, gegen die Ursache, sowie symptomatisch gegen die Beschwerden. Eine besondere Rolle spielt dabei die Therapie der durch die diabetische Polyneuropathie verursachten Schmerzen. Neben allgemeinen Möglichkeiten gibt es, für den Fall daß Schmerzbeschwerden weiter bestehen, weiterführende Konzepte von Schmerzkliniken. Diese sind spez. bei einer diabetischen Polyneuropathie auch deshalb interessant, weil sie eine starke Durchblutungsförderung forcieren und damit eine Regeneration von bereits geschädigten Nerven ermöglichen können.

1.) Allgemeine Therapien

- Kausale Therapie: Diese besteht in einer Optimierung des Stoffwechselhaushalts und erfolgt in enger Absprache mit dem Internisten bzw. Ihrem Hausarzt. Ihr Ziel ist es eine Beschwerdezunahme zu vermeiden.

- Die Einnahme von Thioctsäure (Alpha-Liponsäure) reaktiviert der fehlenden Multienzymkomplex, was evtl. diabetische Ketone bindet.

- Die Einnahme von Nervenvitaminen (Neutrope Vitamine, spez. Vitamin B6 + B12) ist üblich, teilweise jedoch umstritten. Zu hohe Dosen können auch schädlich sein und eine Polyneuropathie selbst induzieren.

- physikalische Maßnahmen: Warme oder kalte Wickel, Wechselbäder, Kneipp`sche Güsse, oberflächliche Kältebehandlung, T.E.N.S., …

- Medikamentöse Schmerztherapie: Wie bei allen Nervenscherzen sind die Erfolge mit herkömmlichen Schmerzmitteln eher bescheiden. Ein Ansatz ist das Antidepressivum Duloxetin (Cymbalta®), mit seiner schmerzdistanzierenden Wirkung. Ansonsten wirken am besten Antiepileptika, z. B. Gabapentin (Neurontin®), Pregabalin (Lyrica®) oder Carbamazepin (z.B. Tegretal®).

Für Details zu möglichen medikamentösen Therapien wenden Sie sich bitte an den kostenlosen Beratungsservice von DoctorHelp.

2.) Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik

In einer Schmerzklinik werden Methoden aus dem Bereich der sog. „speziellen Schmerztherapie“ eingesetzt. Die optimale Therapie chronischer Schmerzen, und damit die Behandlung einer diabetischen Polyneuropathie, erfordert immer eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie. Die Methoden einer Schmerzklinik im Einzelnen sind:

● Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade). Als führende Therapieform, gerade speziell bei der diabetischen Polyneuropathie, gilt heute die sog. „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“, eine minimal-invasive und nebenwirkungsarme Betäubung schmerzleitender Nerven, die mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden. Gerade diese „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“ kann bei Nervenschmerzen, und damit bei der diabetischen Polyneuropathie, zum Teil erstaunliche Erfolge aufweisen. Des weiteren bewirkt die Methode eine (lokale) Durchblutungssteigerung, wodurch eine Regeneration der betroffenen Nerven, und damit eine Beschwerdelinderung der diabetischen Polyneuropathie insgesamt erfolgen kann.

● Analgetikatestung

Zu Beginn eines stationären Aufenthaltes sollte (wenn möglich) eine sog. Analgetikatestung durchgeführt werden. Die Problematik bei Nervenschmerzen besteht ja u. a. darin, daß medikamentöse Therapien oft keine oder zu geringe Wirkung zeigen. Mit Hilfe dieser Maßnahme besteht aber zumindest für den Patienten die Chance, sollte ein Bedarfsfall doch nochmals eintreten, wenigstens auf ein wirkendes Medikament zurückgreifen zu können.

● Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden bei Nervenschmerzen sonst allerdings nicht ausreichend. Diese Methoden, speziell bei der diabetischen Polyneuropathie sind:

- Hochtontherapie
- Spezielle Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen)
- Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson
- Schmerzbewältigungstraining
- Spezielle Schmerzakupunktur

Wenn chronische Schmerzen längerfristig bestehen, wird normalerweise ein Chronifizierungsgrad II oder III erreicht (Mainzer Stadieneinteilung). In diesen Fällen ist eine rein körperliche Behandlung kaum noch ausreichend, sondern es sollten in Ergänzung psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.





Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Nervenschmerzen:
Neuropathische Schmerzen, Nerveneigenschmerzen, neuropathisches Schmerzsyndrom

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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