23. August 2017

Top6 Themen: Deafferenzierungsschmerz - Nervenschmerzen

Deafferenzierungsschmerz

Deafferenzierungsschmerz Nervenschmerzen Themen und Krankheit
Als Deafferenzierungsschmerz bezeichnet man Schmerzen, die auftreten obwohl der den Schmerzimpuls übertragende Nerv eigentlich ausgeschaltet bzw. durchtrennt ist.

Werden z. B. durch eine Operation die Nerven eines Fingers durchtrennt und verursacht dieser Finger später trotzdem Schmerzen, so liegt ein Deafferenzierungsschmerz vor. Im Prinzip könnte man hier auch von einem Phantomschmerz sprechen, dieser Begriff wird aber eigentlich nur im Zusammenhang mit dem Verlust eines Körperteils verwendet.

Ein Deafferenzierungsschmerz kann nach jeder Nervendurchtrennung entstehen. Diese kann verursacht werden durch:

- Unfall
- Ärztliche Einwirkung(en)


Im Zusammenhang mit den Folgen von ärztlichen Einwirkungen sind insbesondere zwei Methoden zu nennen, die Alkohol- oder Thermoneurolyse sowie die Exhairese. Bei der Alkohol- oder Thermoneurolyse wird Nervensubstanz mit Hilfe von Alkohol oder Hitze aufgelöst. Durch eine Exhairese wird dagegen ein Nervenstamm gezielt „herausgezogen“. Beide Methoden können Deafferenzierungsschmerzen nach sich ziehen und sollten deshalb nur in absoluten Ausnahmefällen eingesetzt werden. Jeder Patient, dem diese Methoden angeboten werden, sollte sich unbedingt zwecks einer unverbindlichen Beratung alternativ mit einem erfahrenen Schmerztherapeuten in Verbindung setzen.

Deafferenzierungsschmerzen treten hauptsächlich an den Armen und Beinen auf, z. B. im Zusammenhang mit einem Plexusabriß (Abriß bzw. Durchtrennung des Armnervengeflechts). Seltener sind Deafferenzierungsschmerzen im Gesichtsbereich. Ein gefürchtetes Beispiel ist die Anaesthesia dolorosa nach einer Trigeminusdurchtrennung. Des Weiteren gibt es manchmal Deafferenzierungsschmerzen in Zusammenhang mit einer Querschnittslähmung (Lähmung aufgrund der vollständigen Durchtrennung der Wirbelsäule). Die Schmerzen tauchen dann im gelähmten Körperbereich auf (Querschnittssyndrom).

Zur Therapie von Deafferenzierungsschmerzen können im ersten Schritt allgemeine Maßnahmen versucht werden. In der Regel sollten Phantomschmerzen allerdings von einem erfahrenen Schmerzspezialisten behandelt werden, in vielen Fällen ist dazu sogar ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer Schmerzklinik notwendig.

1. Allgemeine Therapie(n):

- Medikamentöse Schmerztherapie:

- Physikalische Maßnahmen: T.E.N.S.

Für Details zu möglichen medikamentösen Schmerztherapien wenden Sie sich bitte an den kostenlosen Beratungsservice von DoctorHelp.

2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

In einer Schmerzklinik werden Methoden aus dem Bereich der sog. „speziellen Schmerztherapie“ eingesetzt. Die optimale Therapie von Deafferenzierungsschmerzen erfordert teilweise die Kombination von verschiedenen Verfahren. Dieses Behandlungskonzept bezeichnet man heute als multimodal, d. h., daß verschiedene Therapien aufeinander abgestimmt werden um so das Schmerzproblem ganz gezielt anzugehen. In vielen Fällen besteht bei Patienten durch falsche Behandlung im Vorfeld bereits eine Schmerzmittelabhängigkeit, sodaß zuerst ein Schmerzmittelentzug stattfinden muß. Auch hierfür finden sich in einer Schmerzklinik ideale Voraussetzungen, da dieser Entzug selbst wiederum starke Schmerzen auslösen kann. Für einen optimalen Therapieerfolg ist in der Regel dazu ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer Schmerzklinik notwendig. Die Methoden einer Schmerzklinik im Einzelnen sind:

● Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen im Bereich des Rückens eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade). Speziell im Rahmen einer stationären Behandlung in einer Schmerzklinik ist es möglich, über mehrere Wochen diese Therapie täglich mehrfach durchzuführen. Wird die Methode dagegen nur alle paar Tage ambulant durchgeführt, bleibt der gewünschte Erfolg in aller Regel aus.

Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden. Gerade diese „kontinuierliche Blockade mit Katheter“ kann z. B. bei Deafferenzierungsschmerzen zum Teil erstaunliche Erfolge aufweisen. Die Einpflanzung des Katheters muß aber zentralwärts (in Richtung Rückenmark) der Läsionsstelle erfolgen. Inzwischen haben Forscher herausgefunden, daß die nach Amputationen gefürchteten Phantomschmerzen (dies gilt natürlich gleichermaßen für Deafferenzierungsschmerzen) wohl vorwiegend direkt im betroffenen Nerv entstehen und nicht wie bislang vermutet fast ausschließlich im zentralen Nervensystem (Journal of Neurophysiology, die deutsche Beschreibung finden Sie hier: http://www.wissenschaft.de/wissen/news/266039.html).

● Analgetikatestung

● Ergänzende Methoden

- Hochtontherapie
- Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson. Zudem ist gerade bei (chronischen) Schmerzen meistens auch ein Schmerzbewältigungstraining sinnvoll.
- Spezielle Schmerz-Akupunktur

Wenn chronische Schmerzen längerfristig bestehen, wird normalerweise ein Chronifizierungsgrad II oder III erreicht (Mainzer Stadieneinteilung). In diesen Fällen ist eine rein körperliche Behandlung kaum noch ausreichend, sondern es sollten in Ergänzung psychologisch/ psychotherapeutische Interventionen erfolgen.





Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Nervenschmerzen:
Neuropathische Schmerzen, Nerveneigenschmerzen, neuropathisches Schmerzsyndrom

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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