15. August 2018

Top6 Themen: Brennschmerzen - Nervenschmerzen

Brennschmerzen

Brennschmerzen Nervenschmerzen Themen und Krankheit
Gewöhnlich denkt man beim Hören des Wortes "Brennschmerz" an zwei Schmerzen:

- Schmerzen nach einer Verbrennung, auch in Form eines Sonnenbrandes
- Schmerzen, die durch Schürfwunden entstehen



Heilt die betroffene Haut ab, hört diese Art Brennschmerz auch prompt wieder auf.

Es existieren aber noch weitere Brennschmerzen, die in der Regel chronische Formen annehmen (chronisch = länger als 3 Monate anhaltend oder wiederkehrend). Ein Brennschmerz ist hier ein typischer Nervenschmerz, d. h. der betroffene Nerv bzw. die betroffenen Nerven schmerzen „selbst“ – in Form eines Brennens.

Folgende Krankheitsbilder können mit einem Brennschmerz einhergehen:

Kausalgie (CRPS Typ II) - (Informationen: Kausalgie CRPS Typ II Kausalgie CRPS Typ II)

Morbus Sudeck (CRPS Typ I) - (Informationen: Morbus Sudeck Morbus Sudeck)

Herpes Zoster - Postzosterische Neuralgie (Zoster-Neuralgie).
Bei einem Herpes Zoster klagen die meisten Patienten über akute und heftige Brennschmerzen. Diese hören i. d. R. auf, wenn die akute Krankheitsphase vorüber ist. Bleiben sie allerdings bestehen ist die Erkrankung in die postzosterische Neuralgie übergegangen – und die Brennschmerzen können chronisch werden.
(Informationen: Herpes Zoster Herpes Zoster | Postzosterische Neuralgie Postzosterische Neuralgie)

Polyneuropathie
(Informationen: Polyneuropathie Polyneuropathie)

Phantomschmerzen
(Informationen: Phantomschmerzen Phantomschmerzen)

Thalamusschmerz
(Informationen: Thalamusschmerz Thalamusschmerz)

Deafferenzierungsschmerz / Schmerzen nach einer Querschnittslähmung
(Informationen: Deafferenzierungsschmerz Deafferenzierungsschmerz)


Details zu den einzelnen Krankheitsbildern finden Sie in der entsprechenden Rubrik bei doctorhelp.de.


Therapie

Es gibt zwei Ansätze einen Brennschmerz zu behandeln:

1.) Allgemeine Therapien

2.) Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik


Prinzipiell lassen sich akute Brennschmerzen durch allgemeine Therapie (ambulant) behandeln. Die Therapie von chronischen Brennschmerzen ist dagegen i. d. R. sehr schwierig und oft auch für erfahrene Schmerztherapeuten eine Herausforderung. Aus diesem Grund sollte man sich hier grundsätzlich an eine erfahrene Schmerzklinik wenden.

1.) Allgemeine Therapien

Akute Brennschmerzen als Begleitsymptom einer Verletzung oder Verbrennung können im Notfall medikamentös sehr gut behandelt werden. Hier steht die im Prinzip die gesamt Palette der Analgetika zur Verfügung, von leicht (z. B. Paracetamol), über stärker (z. B. Ibuprofen) bis hin zu stark (z. B. zentral wirkende Analgetika). Auf jeden Fall sollten aber auch sog. Antikonvulsiva (eigentlich Mittel gegen die Fallsucht, aber auch gegen diese Schmerzen sehr wirksam) versucht werden (Carbamazepin, Pregabalin, Gabapentin).

Ansonsten, d. h. bei Brennschmerzen, die durch eine der o. g. Erkrankungen hervorgerufen werden, beginnt bereits hier die Problematik einer Akut-Therapie, da es größtenteils fast keine zufrieden stellenden, allgemeinen Therapiemöglichkeiten gibt. Bei einigen Formen kann eine medikamentöse Therapie versucht werden. Die Wahl des Medikaments richtet sich nach der Ursache (Details s. entsprechende Rubrik bei Doctorhelp, z. B. „Kausalgie/ CRPS I)

2.) Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik

Zur weiterführenden Therapie werden in einer Schmerzklinik Verfahren der sog. „speziellen Schmerztherapie“ eingesetzt. Dabei gilt generell das Motto: Je früher desto besser.

Als führende Therapieform, gerade speziell bei Nervenschmerzen, gilt heute die sog. „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“, eine minimal-invasive und nebenwirkungsarme Betäubung schmerzleitender Nerven. Dabei kann diese Methodik in einer Schmerzklinik durch Kombination mit anderen Verfahren der speziellen Schmerztherapie noch verfeinert werden. Dieses Behandlungskonzept bezeichnet man heute als multimodal, d. h., daß verschiedene Therapien aufeinander abgestimmt werden um so das Problem der Krankheit ganz individuell und gezielt anzugehen.

Die weiter unten aufgeführten multimodalen Methoden, spez. die therapeutische Lokalanästhesie, setzen eine sehr gründliche fachärztliche Ausbildung voraus, weshalb sie nur in spezialisierten Einrichtungen angeboten werden können. Die Methoden sind am effektivsten wenn sie mehrmals täglich angewendet werden, die „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“ sollte grundsätzlich nur in Rahmen eines stationären, mehrwöchigen Aufenthalts erfolgen.

Die Methoden einer Schmerzklinik im Einzelnen sind:

a) Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z.B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade). Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden. Gerade diese „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“ kann bei Nervenschmerzen zum Teil erstaunliche Erfolge aufweisen.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird dabei stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich, sowie begleitend krankengymnastische Übungen. Dass die schmerzlindernde Wirkung, bis auf wenige Ausnahmen, über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.

b) Analgetikatestung

Zu Beginn eines stationären Aufenthaltes sollte (wenn möglich) eine sog. Analgetikatestung durchgeführt werden. Die Problematik bei Nervenschmerzen besteht ja u. a. darin, dass medikamentöse Therapie oft keine oder zu geringe Wirkung zeigen. Mit Hilfe dieser Maßnahme besteht aber zumindest für den Patienten die Chance, sollte ein Bedarfsfall doch nochmals eintreten, wenigstens auf ein wirkendes Medikament zurückgreifen zu können.

c) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden bei Nervenschmerzen sonst allerdings nicht ausreichend. Diese Methoden, speziell bei Nervenschmerzen sind:

- Akupunktur
- Hochtontherapie/ „Transkutane Nervenstimulation“ (TENS)
- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen) bei Funktionseinbußen
- Psychologische Therapieverfahren (bes. Entspannungsverfahren und Schmerzbewältigungstraining)

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, sodaß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

Details zur stationären Schmerztherapie über die einzelnen, ursächlichen Krankheitsbilder von chronischen Brennschmerzen finden Sie in der entsprechenden Rubrik bei Doctorhelp.



Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


Nervenschmerzen Krankheit   Nervenschmerzen Home

Verwandte Suchbegriffe zu Nervenschmerzen:
Neuropathische Schmerzen, Nerveneigenschmerzen, neuropathisches Schmerzsyndrom

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

Verwandte Schmerz-Themen von Nervenschmerzen

Nervenschmerzen Top6 Krankheiten

Krankheiten von Nervenschmerzen A-Z:

Sponsorenbereich
Anzeige

Anzeige
Aktuelle Gesundheitsnachrichten

Rund 3.800 Medikamente ohne Zuzahlung
(15.08.18) Für rund 3.800 Arzneimittel müssen gesetzlich Versicherte zurzeit keine Zuzahlung leisten. Der Beitrag zum rezeptpflichtigen Medikament kann entfallen, wenn der Preis mindestens 30 Prozent unter dem jeweiligen Festbetrag liegt, den die Kassen übernehmen. Die Liste enthält Generika ebenso wie patentgeschützte Wirkstoffe.
Artikel lesen...

ADHS: Teilnehmer für Studie gesucht
(13.08.18) Mütter und Väter von Kindern mit der Diagnose ADHS sind oft erschöpft und nicht selten der Verzweiflung nahe. Der "ADHS-Elterntrainer" ist ein Hilfsangebot für betroffene Eltern. Das Online-Programm bietet ihnen seit 2016 umfassende und kostenlose Unterstützung.
Artikel lesen...

Mehr Patienten verursachen weniger Belegungstage
(10.08.18) Knapp 19,5 Millionen Patienten wurden 2017 stationär im Krankenhaus behandelt. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl um 0,4 Prozent zurück. Das geht aus den vorläufigen Ergebnissen der Krankenhausstatistik hervor, die das Statistische Bundesamt jetzt veröffentlicht hat.
Artikel lesen...

Weiterführende Links