24. November 2017

Top6 Themen: Analgetikakopfschmerz - Migräne

Analgetikakopfschmerz

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Mit dem Begriff Analgetikakopfschmerz werden heute zwei Krankheitsbilder beschrieben:

1. Ein Kopfschmerz, der durch die andauernde bzw. längerfristige (regelmäßige) Einnahme von Schmerzmitteln (Analgetika) verursacht wird.
2. Ein Kopfschmerz, der beim Absetzen einer Schmerzmittel-Dauermedikation entsteht (wird teilweise auch als Analgetikaentzugskopfschmerz bezeichnet.

Zu der zweiten Form kommt es bei einem totalen Absetzen von Schmerzmedikamenten. Diese hält meistens zwischen 3 und 10 Tagen, und stellt ein sehr großes Problem dar, speziell im Rahmen einer ambulanten Schmerztherapie. Typische (vegetative) Begleitsymptome sind Schwindel, Übelkeit, Schlaflosigkeit oder innere Unruhe.

Man schätzt, daß über 100 000 Deutsche an einem Analgetikakopfschmerz leiden, Frauen fünf bis zehnmal häufiger als Männer. Damit ist der analgetikainduzierte Kopfschmerz die wohl häufigste Art eines Dauerkopfschmerzes. Die Kopfschmerzen werden in beiden Kopfhälften wechselnd oder auch gleichzeitig wahrgenommen, und zwar dumpf-drückend bis stechend. Die Schmerzen sind den ganzen Tag präsent und werden bei körperlicher Belastung stärker. Weitere Begleitsymptome können oftmals in Form von Lärm- und Lichtempfindlichkeit, sowie ein Flimmern vor den Augen hinzutreten.

Die Diagnose „Analgetikakopfschmerz“ ist selbst für einen Arzt nicht einfach zu stellen, denn hinter der Symptomatik könnte sich auch eine Migräne, ein Kopfschmerz vom Spannungstyp oder ein Kombinationskopfschmerz verbergen.

Wie entsteht ein Analgetikakopfschmerz?

Patienten, die unter (ständigen) Kopfschmerzen leiden, und deshalb regelmäßig Schmerzmittel einnehmen, können in einen Teufelskreis geraten. Einerseits neigen manche Menschen dazu, die Dosis immer weiter zu erhöhen, falls die Schmerzen nicht wie gewünscht nachlassen, andererseits greifen viele „provisorisch“ bzw. „prinzipiell“ zum Analgetikum, aus Angst vor weiteren Attacken und bzw. oder einer möglichen Arbeits- bzw. Leistungsunfähigkeit. Dieses Verhalten entspricht aber bereits einem (unwissentlichen) Medikamentenmissbrauch – ein Suchtverhalten, das die Schmerzen nur steigert und am Ende zu chronischen Dauerschmerzen führt (chronisch werden die Schmerzen nach täglicher Einnahme min. einer Substanz über min. 3 Monate hinweg).

Theoretisch können natürlich auch Patienten einen Analgetikakopfschmerz entwickeln, die Schmerzmittel zur Bekämpfung einer anderen (chronischen) Schmerzkrankheit nehmen (z. B. chronische Knieschmerzen). Die Praxis allerdings zeigt, daß interessanterweise aber gerade Kopfschmerz-Patienten zum Analgetikakopfschmerz neigen – kurioserweise also genau das Symptom entwickeln bzw. verstärken, das sie eigentlich bekämpfen wollten.

Folgende Wirkstoffe in Schmerzmitteln können besonders „leicht“ einen Analgetikakopfschmerz bewirken:

- Coffein
- Phenacetin
- Ergotamin

Besonders „gefährlich“ ist die regelmäßige Einnahme von Ergotamin. Der daraus resultierende Analgetikakopfschmerz wird deshalb eigenständig auch als Ergotaminkopfschmerz bezeichnet. Weitere Details s. „Ergotaminkopfschmerz“ bei Doctorhelp.

Des Weiteren wird vermutet, daß Kombinationspräparate (Mittel mit mehreren analgetischen Wirkstoffen) bzw. die Kombination verschiedener, meist frei verkäuflicher, Schmerzmittel einen Schmerzmittel-Kopfschmerz hervorrufen können.

Prävention

An erster Stelle steht eine fundierte Aufklärung, d. h. ein Patient muß von seinem behandelnden Arzt detailliert über das Zusammenspiel von Schmerzmitteleinnahme und einem (möglichen) Schmerzmittelkopfschmerz aufgeklärt werden – nur so ist eine optimale Prävention möglich. Das Beste ist immer, einen Analgetikakopfschmerz von vornherein zu vermeiden. Analgetika sollten deshalb generell höchstens 7-10 mal im Monat, und max. drei Tage hintereinander eingenommen werden.

Therapie

Versuche, im Rahmen der ambulanten Arztpraxis die den Analgetikakopfschmerz auslösende Schmerzmittel-Dosis nach und nach zu reduzieren, schlagen regelmäßig fehl, und führen nur zu einer beiderseitigen Frustration (Arzt und Patient).

Daher besteht die einzige sinnvolle Therapie hier in einem sofortigen, 100%-igen Schmerzmittelentzug – also in einem kompletten Absetzen des Analgetikums.

Das Problem sind dabei aber v. a. auftretende Entzugserscheinungen, besonders der typische Entzugskopfschmerz, welcher allerdings nur max. 3 - 10 Tage auftritt (es gibt keinen länger anhaltenden Entzugskopfschmerz).

Während dieser Phase ist z. T. oftmals eine intensive ärztliche Interventionen zu empfehlen bzw. nötig, am besten mit Methoden der speziellen Schmerztherapie. Optimal kann hier eine Betreuung bzw. Begleitung allerdings nur im Rahmen einer erfahrenen Schmerzklinik erfolgen, da es ja wenig Sinn macht, hier parallel wieder auf andere Schmerzmittel zur Linderung der Entzugssymptome zurückzugreifen.

In einer Schmerzklinik kommen dabei folgende Methoden zum Einsatz:

Als alternative Behandlung zur Linderung von Entzugskopfschmerzen eignet sich besonders die therapeutische Lokalanästhesie. Dabei werden während der Entzugsphase 2-3 täglich (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z.B. Bupivacain) an bestimmten Stellen am Kopf eingebracht (Infiltrationen des Schmerzbereichs, sog. Blockaden der den Kopf versorgenden Nerven an ihren Austrittsstellen). Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt.

Parallel kann zur Abschirmung möglicherweise auftretender vegetativer Entzugserscheinungen (innere Unruhe, Schwitzen, Zittern, ..) Trimipramin (Stangyl®), initial evtl. i.v. (in die Blutader) verabreicht werden. Ein evtl. gleichzeitig bestehender Benzodiazepin-Abusus (Beruhigungsmittel-Mißbrauch) kann durch einen parallelen Entzug direkt mit angegangen werden (langsam ausschleichende Absetzung). Auftretende Entzugserscheinungen können mit Carbamazepin (Mittel gegen die Fallsucht, aber auch bei Schmerzmittelentzug einsetzbar) oder Valproinsäure behandelt werden.

Ergänzend kann eine flankierende, schmerzpsychologische Betreuung einen Patienten (psychisch) stabilisieren.

Prognose

Bei konsequenter Durchführung einer Entzugsbehandlung im Rahmen einer Schmerzklinik gelingt der Entzug, und damit das Aufhören (Sistieren) des Analgetikakopfschmerzes, in über 90% der Fälle.
Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Migräne:
Migräneaura, Migränekopfschmerz, Migränetherapie, Migräneprophylaxe, Migräneanfall

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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