24. Juni 2017

Top6 Themen: vaskuläre Kopfschmerzen - Kopfschmerzen

vaskuläre Kopfschmerzen

Kopfschmerzen Themen und Krankheit doctorhelp.de
Beim vaskulären Kopfschmerz handelt es sich um Kopfschmerzen, die von Blutgefäßen ausgehen und häufig den Schläfenbereich betreffen.

Der Schläfenbereich umfasst den seitlichen Kopfbereich zwischen Ohr und Stirn. Erkrankungen bei denen ein vaskulärer Kopfschmerz vorliegt sind die Migräne, Arteriitis temporalis und der Cluster-Kopfschmerz.


Ursachen:

- Migräne

Grundsätzlich unterscheidet man bei der Migräne zwei Arten und zwar die Migräne mit und ohne Aura. Die Migräne geht typischerweise mit anfallsartigen, halbseitigen, vaskulären Kopfschmerzen auf, welche manchmal nur den Schläfenbereich betreffen. Begleitsymptome können Übelkeit, Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit, sowie Nerven- und Sehstörungen sein. Die Schmerzqualität wird meist als pulsierend, hämmernd und pochend angegeben.
Die Krankheitsursache und Krankheitsentwicklung sind noch nicht sicher geklärt.


- Arteriitis temporalis

Die Arteriitis temporalis wird durch eine Entzündung der Schlagadern im Schläfenbereich verursacht, welcher eine Riesenzellenarteriitis, die vorwiegend die A. temporalis, A. carotis externa und A. centralis retinae betrifft, zugrunde liegt. Symptome sind anhaltend bohrende Kopfschmerzen im Schläfenbereich, welche in ihrer Intensität wechseln. Neben einem allgemeinen Krankheitsgefühl bestehen häufig auch Muskel- und Gelenkschmerzen. Ist die Kaumuskulatur betroffen tritt die typische Claudicatio masticatoria (Kaumuskelschwäche) auf. Auch die Blutsenkgeschwindigkeit ist oftmals stark erhöht.
Bei Verdacht auf eine Arteriitis temporalis, muss wegen der Gefahr der Erblindung, eine sofortige Kortisonbehandlung begonnen werden.


- Cluster-Kopfschmerzen


Bei dieser Erkrankung ist sich die Fachliteratur nicht einig, ob ein vaskulärer Kopfschmerz vorliegt. Symptome sind ein streng einseitiger Kopfschmerz, welcher in der Regel um das Auge herum oder im Stirn-/Schläfenbereich auftritt. Die Schmerzen sind häufig von unerträglicher Intensität, treten meist in nächtlichen Attacken auf und dauern bis zu wenigen Stunden. Der Kopfschmerzcharakter wird vorwiegend als bohrend oder brennend beschrieben. Begleiterscheinungen können Tränenfluss, Rötung des Auges, Engstellung der Pupille, Verengung der Lidspalte (partielles Horner-Syndrom) und Nasenträufeln sein. Durch die selten auftretende Übelkeit und den Brechreiz kann es zu einer Verwechslung mit der Migräne kommen.



Therapie:

Bei der Therapie von vaskulären Kopfschmerzen kommen im ersten Schritt allgemeine Therapieansätze zum Einsatz. Zeigen diese zu wenig Wirkung, oder werden die Beschwerden chronisch (Schmerzen länger als 3-6 Monate) sind Konzepte der „speziellen Schmerztherapie“ bzw. weiterführende multimodale Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik gefragt. Dabei gilt generell: „Je früher, desto besser“.

Details:

1. Allgemeine Therapien


a) Medikamentöse Therapie:

- Ergotamin, allerdings nur bei längerer Anwendungsdauer
- Einatmung von reinem Sauerstoff
- nasale Instillation von Lidocain (Xylocain®)
- Dihydroergotamin (Hydergin®), evtl. kombiniert mit 1g Metamizol (z.B. Novalgin®)
- Die Migränemittel Sumatriptan (Imigran®), Zolmitriptan (AscoTop 2,5®), Naratriptan (Naramig®, als Formigran® rezeptfrei), Rizatriptan (Maxalt®), Almotriptan (Almogran®), Frovatriptan (Allegro®) und Eletriptan (Relpax®)
- Zur Prophylaxe: Verapamil, Lithium (z.B. Hypnorex®, Quilonum®), Kortikoide (z.B. Prednisolon®), Serotonin-Antagonist Methysergid (Deseril ret.®) oder Ergotamin

b) Medikamentöse Schmerztherapie:

Bei akuten (plötzlich einsetzenden, heftigen) und subakuten (eher schleichend verlaufenden) Schmerzen können zunächst bzw. vorwiegend peripher wirkende Schmerzmittel (Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden. Insbesondere sind hier sog. nicht steroidale Antirheumatika (= „Rheumamittel“) zu erwähnen, aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende, zum Beispiel Mobec®. Sehr magenschonend und zudem auch entzündungshemmend sind sog. COX-2 Inhibitoren ((z. B. Parecoxib (Dynastat®) o. Etoricoxib (Arcoxia®)). Muskelrelaxanzien (Mittel zur Muskelentspannung) wie Baclofen (z. B. Lioresal®) können als Ergänzung ebenfalls hilfreich sein. Schwere Schmerzen sind manchmal dagegen nur durch zentral (im Gehirn / Rückenmark) wirkende Analgetika (z. B. Tramadol, Valoron N®) zu lindern. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten. Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch z. T. bei Schmerzen wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen.

c) Akupunktur

d) Physikalische Therapie - z. B.: T.E.N.S., Wärme, Kälte, Krankengymnastik,..



2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie von vaskulären Kopfschmerzen erfordert meistens eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie – dieses Konzept bezeichnet man heute als multimodal. Diese Therapie, v. a. der gezielte Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, kann allerdings optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines mehrwöchigen Aufenthalts in einer Schmerzklinik durchgeführt werden. Die einzelnen Methoden einer Schmerzklinik sind:

a) Ausführliche Information(en)

b) Analgetikatestung

c) Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade).

Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden. Gerade diese „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“ kann zum Teil erstaunliche Erfolge aufweisen, auch deshalb, weil sie parallel auch eine deutliche lokale Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse) ermöglicht.

d) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden bei vaskulären Kopfschmerzen ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend.
Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur
- Hochtontherapie
- Biofeedback (Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale)
- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen):
Allgemeine Maßnahmen werden in jeder Schmerzklinik bei Bedarf angewendet. Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie sind sie in direkter Kombination zu anderen Therapieverfahren eine gute Ergänzung.
- Wärme/ Kälte
- Entspannungsverfahren oder Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, so daß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

Leider sind solche Behandlungen ambulant kaum möglich, da nur ganz wenige, niedergelassene Psychologen über eine entsprechende Weiterbildung (spezielle Schmerzpsychotherapie) verfügen.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Daß die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, daß diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.
Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Kopfschmerzen:
Cephalgie, chronische Kopfschmerzen, Kopfbeschwerden, primärer Kopfschmerz, sekundärer Kopfschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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