29. März 2017

Top6 Themen: Zervikobrachialgie - Kopfschmerzen

Zervikobrachialgie

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Die Zervikobrachialgie steht als Sammelbegriff für Störungen verschiedenster Ursachen im Bereich des Halses, des Schultergürtels und des Armes.

Die Wirbelsäule ist als statisches Achsorgan in seiner Funktion großen Belastungen ausgesetzt. Entsprechend häufig treten Verschleißerscheinungen auf, die über die normale Abnutzung hinausgehen und deshalb Beschwerden verursachen. Das ist allerdings kein Muß. Das Vorhandensein abnutzungsbedingter Veränderungen, die theoretisch die Beschwerden verursachen können, darf auch nicht dazu führen, weitergehende Maßnahmen zur Erkennung des Krankheitsbildes zu vernachlässigen. D. h. eine umfassende Untersuchung ist sehr zu empfehlen.

Bei einer Zervikobrachialgie klagen Patienten über Nackenschmerzen, die in Schulter und Arme ausstrahlen. Meist ist die Muskulatur neben der Wirbelsäule verhärtet, häufig verbunden mit einer schmerzhaft eingeschränkten Kopfbeweglichkeit. Häufig bestehen auch Schmerzen beim Abklopfen der Dornfortsätzen der Halswirbelsäule.

Die mit Abstand häufigste Ursache einer Zervikobrachialgie sind von der Halswirbelsäule ausgehende Störungen, hauptsächlich im Bereich der gelenkigen Wirbelverbindungen, was man (auch) als Wirbelblockierung bezeichnet.


Weitere wirbelsäulenbedingte Ursachen einer Zervikobrachialgie sind:

•   Durch Abnutzung hervorgerufene Veränderungen:
-  Bandscheibenschäden, wie Vorfall oder Vorwölbung
-  Funktionsstörungen der Haltebänder
-  Störungen der gelenkigen Wirbelverbindungen
-  knöcherne Veränderungen, wie Knochenwulste, usw.

•   Missbildungen, wie:
-  angeborene, z.B. Block- oder Keilwirbel
-  Wachstumsstörungen, z.B. Skoliose oder Scheuermann Erkrankung

•   Entzündliche Erkrankungen:
-  Rheumatischer Formenkreis, z.B. Morbus Bechterew, Polymyalgia

Morbus Bechterew Informationen: Morbus Bechterew

-  Infektionen, z.B. Spondylitis

•   Skeletterkrankungen:
-   Osteoporose

•   Tumore an der Wirbelsäule
•   Verletzungen (Traumen): Schleudertrauma der HWS, Frakturen, …
•   Defekte (nicht verletzungsbedingte, z. B. Spondylolyse, Spondylolisthesis)

Um auszuschließen daß ein die Nervenwurzeln betreffendes Krankheitsgeschehen vorliegt (radikuläre Symptomatik) bedarf es grundsätzlich einer fachlichen Abklärung (Neurologie, Radiologie).


Therapie

1. Allgemeine Therapieansätze:

- Medikamentöse Schmerztherapie.

Die Mittel erster Wahl sind peripher wirkende Analgetika (Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken), spez. sog. nicht steroidale Antirheumatika (Rheumamittel), hierbei möglichst langwirkende und magenschonende, z. B. Mobec®. Bei starken, schmerzhaften Muskelverspannungen können ergänzend Muskelrelaxanzien (Mittel zur Muskelentspannung) (z. B. Norflex®, Mydocalm®) eine Lösung sein. Schwere Schmerzen sind manchmal dagegen nur durch zentral (im Gehirn / Rückenmark) wirkenden Analgetika (z. B. Tramadol, Valoron N®) zu lindern. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten.
Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch bei Zervikobrachialgie wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen.

-   Physikalische Therapie (Massagen, Wärme, Krankengymnastik,…)
-   Akupunktur
-   Magnetfeld
-   Chirotherapie



2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Zeigen allgemeine Therapieansätze zu wenig Wirkung und/oder treten chronische (länger als 3 Monate andauernde) Schmerzen auf sollte man sich in Absprache mit dem Hausarzt unbedingt an eine erfahrene Schmerzklinik wenden.

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie länger bestehender, vertebragener (wirbelsäulenbedingter) Schmerzen erfordert je nach Ursache eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie. Dieses Behandlungskonzept bezeichnet man heute als multimodal, d. h., daß verschiedene Therapien aufeinander abgestimmt werden um so das Schmerzproblem ganz gezielt anzugehen. Die weiter unten einzeln aufgeführten multimodalen Methoden, spez. die therapeutische Lokalanästhesie, setzen eine sehr gründliche fachärztliche Ausbildung voraus, weshalb sie nur in spezialisierten Einrichtungen angeboten werden können. Die Methoden im Einzelnen sind:

a) Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z.B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade).

Neben Blockaden der sog. „segmentaler Reflexkreise“ bzw. einem Angehen der direkten Schmerzausstrahlungen eignen sich bei Schmerzausstrahlungen in den Schulter-Arm-Bereich auch wiederholte Blockaden des Plexus brachialis nach Winnie (Betäubung des Armnervengeflechts im seitlichen Halsbereich) an. Technisch risikoärmer und oft noch besser wirksam ist jedoch die kontinuierliche, retrograd hohe Plexus brachialis-Blockade mit Katheter.

b) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur
- Hochtontherapie/ „Transkutane Nervenstimulation“ (TENS)
- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen): Die oben beschriebenen allgemein physiotherapeutischen Maßnahmen werden auch in jeder Schmerzklinik bei Bedarf angewendet. Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie bei der Behandlung einer Zervikobrachialgie ist die sog. „heilgymnastische Therapie“ unverzichtbar.
- Wärme/ Kälte
- Gezielte Chirotherapie
- Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, so daß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.
Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Kopfschmerzen:
Cephalgie, chronische Kopfschmerzen, Kopfbeschwerden, primärer Kopfschmerz, sekundärer Kopfschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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