16. November 2018

Top6 Themen: Postspinale Kopfschmerzen - Kopfschmerzen

Postspinale Kopfschmerzen

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Bei postspinalen Kopfschmerzen, auch postspinales Kopfschmerzsyndrom genannt, handelt es sich um ein Schmerzsyndrom, welches nach Punktionen der Dura mater spinalis bzw. des Liquorraumes auftreten.

Völlig gleichgültig ist dabei, ob die Punktion in diagnostischer oder therapeutischer Absicht erfolgte.


Ursachen: Postspinale Kopfschmerzen

Zu den postspinalen Kopfschmerzen kommt es dadurch, da sich das iatrogen entstandene Loch nicht schließt, Nervenwasser daraus austritt und dadurch ein Unterdruck entsteht, welchen das Gehirn durch eine Weitstellung der Gefäße kompensieren will. Des Weiteren kommt es zu einer Gehirnverlagerung nach unten, wodurch es zu einem Zug auf schmerzempfindliche Strukturen, wie Nerven, Gefäße und Hirnhaut kommt, welche den Kopfschmerz provozieren.


Symptome: Postspinale Kopfschmerzen

Postspinale Kopfschmerzen entstehen meist innerhalb von fünf Tagen und verstärken sich nach dem Aufrichten des Körpers aus liegender Position, bessern sich aber nach dem Hinlegen wieder. Begleiterscheinungen können sein:

- Tinnitus (Ohrgeräusche)

- Hypakusis (Schwerhörigkeit)

- Photophobie (Lichtscheu)

- Übelkeit

Es lässt sich aber kein einheitliches Muster erkennen. Meist klingen die postspinalen Kopfschmerzen spontan innerhalb einer Woche wieder ab.


Therapie: Postspinale Kopfschmerzen

Bei der Therapie von postspinalen Kopfschmerzen kommen im ersten Schritt allgemeine Therapieansätze zum Einsatz. Zeigen diese zu wenig Wirkung, oder werden die Beschwerden chronisch (Schmerzen länger als 3-6 Monate) sind Konzepte der „speziellen Schmerztherapie“ bzw. weiterführende multimodale Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik gefragt. Dabei gilt generell: „Je früher, desto besser“.

Details:

1. Allgemeine Therapien

a) Falls sich das Dura-Leck nicht von selbst wieder verschließt kann eine sog. epidurale Eigenblutinjektion versucht werden. Dabei wird Eigenblut in den rückwärtigen Epiduralraum auf Höhe der Punktion eingebracht. Kurze Zeit später gerinnt das Blut und verschließt das Leck.

b) Medikamentöse Therapie:
- 3 x 200 mg Coffein pro Tag
- 3 x 350 mg Theophyllin pro Tag

c) Bettruhe

d) Medikamentöse Schmerztherapie:

Bei akuten (plötzlich einsetzenden, heftigen) und subakuten (eher schleichend verlaufenden) Schmerzen können zunächst bzw. vorwiegend peripher wirkende Schmerzmittel (Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden. Insbesondere sind hier sog. nicht steroidale Antirheumatika (= „Rheumamittel“) zu erwähnen, aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende, zum Beispiel Mobec®. Sehr magenschonend und zudem auch entzündungshemmend sind sog. COX-2 Inhibitoren ((z. B. Parecoxib (Dynastat®) o. Etoricoxib (Arcoxia®)). Schwere Schmerzen sind manchmal dagegen nur durch zentral (im Gehirn / Rückenmark) wirkende Analgetika (z. B. Tramadol, Valoron N®) zu lindern. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten. Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch z. T. bei Schmerzen wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen.

e) Akupunktur


2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie von postspinalen Kopfschmerzen erfordert meistens eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie – dieses Konzept bezeichnet man heute als multimodal. Diese Therapie, v. a. der gezielte Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, kann allerdings optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines mehrwöchigen Aufenthalts in einer Schmerzklinik durchgeführt werden. Die einzelnen Methoden einer Schmerzklinik sind:

a) Ausführliche Information(en)

b) Analgetikatestung

c) Therapeutische Lokalanästhesie


Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade).

d) Ergänzende Methoden

Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur
- Hochtontherapie
- Biofeedback (Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale)
- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen): Allgemeine Maßnahmen werden in jeder Schmerzklinik bei Bedarf angewendet. Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie sind sie in direkter Kombination zu anderen Therapieverfahren eine gute Ergänzung.
- Wärme/ Kälte
- Entspannungsverfahren oder Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, so daß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

Leider sind solche Behandlungen ambulant kaum möglich, da nur ganz wenige, niedergelassene Psychologen über eine entsprechende Weiterbildung (spezielle Schmerzpsychotherapie) verfügen.
Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Kopfschmerzen:
Cephalgie, chronische Kopfschmerzen, Kopfbeschwerden, primärer Kopfschmerz, sekundärer Kopfschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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