Top6 Themen: Zoster oticus - Herpes-Zoster

Zoster oticus

Zoster oticus Herpes-Zoster Themen und Krankheit
Der Zoster oticus, auch Ramsay Hunt Syndrom genannt, ist eine Sonderform der Erkrankung mit Herpes Zoster und breitet sich im Bereich der Hirnnerven aus.

Meist befällt der den N. facialis und den N. vestibulocochlearis, was zu den typischen Hör- und Gleichgewichtsbeschwerden führt. Selten sind auch der N. trigeminus, N. accessorius und der N. vagus betroffen. Nicht verwechseln sollte man den Zoster oticus mit dem Zoster ophthalmicus, welcher den Ramus ophthalmicus des N. trigeminus befällt.



Symptome bei Zoster oticus

Die Symptome des Zoster oticus sind:

- Schmerzen im Bereich des Ohrs
- blasiger Ausschlag
- Übergreifen der Symptome auf den Gaumen und die Zunge
- Hör- und Gleichgewichtsstörungen
- Geschmacksstörungen
- Fazialisparese (Lähmung der Gesichtsmuskulatur)
- Trigeminusstörungen (Gefühlsstörungen im Gesicht)


Therapie bei Zoster oticus

Bei der Therapie eines Zoster oticus kommen im ersten Schritt allgemeine Therapieansätze zum Einsatz.

Zeigen diese zu wenig Wirkung, oder werden die Beschwerden chronisch (Schmerzen länger als 3-6 Monate) sind Konzepte der „speziellen Schmerztherapie“ bzw. weiterführende multimodale Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik gefragt.
Dabei gilt generell: „Je früher, desto besser“.

Die Behandlung einer postzosterischen Neuralgie ist in der Regel sehr schwierig, aber machbar. Man sollte sich auf jeden Fall an einen erfahrenen Schmerztherapeuten wenden, in vielen Fällen ist auch ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer Schmerzklinik zu empfehlen.

Details:

1. Allgemeine Therapien

a) (Medikamentöse) Behandlung mit:

- Aciclovir
- Idoxuridin
- Desoxyuridin
- Vidarabin Salbe
- Injektionen mit Glukokortikosteroiden

b) Medikamentöse Schmerztherapie:

Am besten wirken hier sog. Antikonvulsiva, z. B. Gabapentin (Neurontin®), Pregabalin (Lyrica®) oder Carbamazepin (z.B. Tegretal®). Muskelrelaxanzien (Mittel zur Muskelentspannung) wie Baclofen (z. B. Lioresal®) können als Ergänzung ebenfalls hilfreich sein. Opioide oder Opiate (morphinähnliche Schmerzmittel) sind die nächste Stufe. Sie sind allerdings sehr stark und sollten von daher eher zurückhaltend verordnet werden. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten. Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch z. T. bei Schmerzen wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen.

c) Akupunktur

d) Gezielte psychotherapeutische Ansätze (bei psychosomatischen Hintergründen)

e) Physikalische Therapie - z. B.: T.E.N.S., Wärme, Kälte,..


2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie eines Zoster oticus erfordert meistens eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie – dieses Konzept bezeichnet man heute als multimodal. Diese Therapie, v. a. der gezielte Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, kann allerdings optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines mehrwöchigen Aufenthalts in einer Schmerzklinik durchgeführt werden. Die einzelnen Methoden einer Schmerzklinik sind:

a) Ausführliche Information(en)
b) Analgetikatestung
c) Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade). Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden. Gerade diese „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“ kann zum Teil erstaunliche Erfolge aufweisen, auch deshalb, weil sie parallel auch eine deutliche lokale Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse) ermöglicht. Beim Zoster oticus wird diesbezüglich das gleichseitige Ganglion stellatum (eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich) behandelt.

d) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden bei einem Zoster oticus ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur

- Physikalische Therapie: Wärme/ Kälte

- Entspannungsverfahren oder Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, so daß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

Leider sind solche Behandlungen ambulant kaum möglich, da nur ganz wenige, niedergelassene Psychologen über eine entsprechende Weiterbildung (spezielle Schmerzpsychotherapie) verfügen..

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Daß die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, daß diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.
Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


Herpes-Zoster Krankheit   Herpes Zoster Home

Verwandte Suchbegriffe zu Herpes-Zoster:
Zoster, Zoster-Krankheit, Herpes, Gürtelrose, Herpes Zoster-Krankheit, Zosterschmerz, Zosterneuralgie, postzosterische Neuralgie, Gesichtsrose

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

Verwandte Schmerz-Themen von Herpes-Zoster

Herpes-Zoster Top6 Krankheiten

Weitere Schmerz-Themen von Herpes-Zoster A-Z:

Sponsorenbereich
Anzeige

Anzeige
Aktuelle Gesundheitsnachrichten

Expertenstandard: Einrichtungen für Erprobung gesucht
(20.10.17) Das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) sucht Pflegeeinrichtungen, die an der Erprobung des neuen Expertenstandards "Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz" teilnehmen wollen. Sie können sich bis zum 10. November 2017 beim DNQP anmelden.
Artikel lesen...

Rahmenvorgaben für Heilmittel 2018 veröffentlicht
(19.10.17) Im Jahr 2018 werden die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Heilmittel um 3,9 Prozent steigen, das entspricht einer Summe von etwa 230 Millionen Euro. Darauf haben sich der GKV-Spitzenverband (GKV-SV) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) im Rahmen der Verhandlungen zu den überregionalen Rahmenvorgaben für Heilmittel geeinigt.
Artikel lesen...

Umstellung auf Pflegegrade war erfolgreich
(17.10.17) Die Überleitung von Pflegestufen in Pflegegrade erfolgte weitestgehend problemlos. Das geht aus einer Pressemitteilung des Bundesversicherungsamtes (BVA) hervor. Die Pflegegrade ersetzen seit Januar 2017 die bisherigen Pflegestufen bei der Bewertung der Pflegebedürftigkeit durch die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung.
Artikel lesen...

Weiterführende Links



Anzeige