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Gesichtsrose

Gesichtsrose Herpes-Zoster Themen und Krankheit
Mit dem Begriff Gesichtsrose bzw. Kopfrose werden im Allgemeinen zwei Erkrankungen bezeichnet. In medizinischen Lexika wird die Gesichtsrose als eine flächenhafte, mit hohem Fieber einhergehende Hautinfektion durch Streptokokken, dem so genannte Erysipel, definiert.

Umgangssprachlich versteht man darunter aber auch eine Herpes Zoster-Infektion, also eine Gürtelrose, im Gesicht. Im Folgenden wird weiter auf die Gürtelrose eingegangen.


Symptome: Gesichtsrose (Kopfrose)

Die Gesichtsrose beginnt meist mit brennenden bis juckenden Schmerzen und Sensibilitätsstörungen im Bereich des betroffenen Nervensegments (meist von Ästen des Nervus trigeminus). Selbst das Berühren der Haut im betroffenen Segment verursacht starke Schmerzen (Allodynie).
Später bilden sich noch Hauterscheinungen, wie beispielsweise Pusteln, Papeln und Flecken aus, welche in der Regel nach 2 – 4 Wochen abheilen und auch die Schmerzen verschwinden normalerweise wieder.
Halten die Gesichtschmerzen auch nach dem Abheilen der Hauterscheinungen an, so ist die Erkrankung in eine so genannte postzosterische Neuralgie übergegangen. Diese geht häufig mit bohrenden Dauerschmerzen einher, welche einer unterschiedlichen Intensität im Tagesverlauf unterliegen. Es können auch Dysästhesien bestehen und die Abheilung ist oftmals typisch narbig. Betrifft die Gesichtsrose die Augen, so handelt es sich um einen Zoster ophthalmicus, sind die Ohren und evtl. der Gaumen betroffen, so spricht man von einem Zoster oticus.


Ursachen: Gesichtsrose (Kopfrose)

Die Gesichts- bzw. Gürtelrose ist eine neurodermale Infektionskrankheit, welche durch den Herpes-Varizellen-Virus verursacht wird. Der Erstkontakt mit dem Virus erfolgt meist über Tröpfcheninfektion in der Kindheit und führt zu der harmlosen Kinderkrankheit Windpocken. Das Virus kann dann über Jahrzehnte im Nervensystem überleben, ohne dass es zu Symptomen kommt. Bei einer Schwächung des Immunsystems wird das Virus allerdings wieder reaktiviert und es erreicht über sensible Nervenbahnen die Haut, so dass es zur Gesichts- oder Gürtelrose kommt.


Therapie: Gesichtsrose (Kopfrose)

Bei der Therapie einer Gesichtsrose kommen im ersten Schritt allgemeine Therapieansätze zum Einsatz.
Zeigen diese zu wenig Wirkung, oder werden die Beschwerden chronisch (Schmerzen länger als 3-6 Monate) sind Konzepte der „speziellen Schmerztherapie“ bzw. weiterführende multimodale Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik gefragt. Dabei gilt generell: „Je früher, desto besser“.

Details:

1. Allgemeine Therapien

a) (Medikamentöse) Behandlung mit:

- Aciclovir
- Idoxuridin
- Desoxyuridin
- Vidarabin Salbe
- Injektionen mit Glukokortikosteroiden

b) Medikamentöse Schmerztherapie:

Am besten wirken hier sog. Antikonvulsiva, z. B. Gabapentin (Neurontin®), Pregabalin (Lyrica®) oder Carbamazepin (z.B. Tegretal®).
Opioide oder Opiate (morphinähnliche Schmerzmittel) sind die nächste Stufe. Sie sind allerdings sehr stark und sollten von daher eher zurückhaltend verordnet werden. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten.
Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch z. T. bei Schmerzen wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen.

c) Akupunktur

d) Gezielte psychotherapeutische Ansätze (bei psychosomatischen Hintergründen)

e) Physikalische Therapie - z. B.: T.E.N.S., Wärme, Kälte,..


2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie einer Gesichtsrose erfordert meistens eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie – dieses Konzept bezeichnet man heute als multimodal. Diese Therapie, v. a. der gezielte Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, kann allerdings optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines mehrwöchigen Aufenthalts in einer Schmerzklinik durchgeführt werden. Die einzelnen Methoden einer Schmerzklinik sind:

a) Ausführliche Information(en)

b) Analgetikatestung

c) Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade). Falls hpts. die Stirn schmerzhaft ist, kann als nächst höhere Therapiestufe eine kontinuierliche Blockade (N. supraorbitalis) mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden. Gerade diese „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“ kann zum Teil erstaunliche Erfolge aufweisen, auch deshalb, weil sie parallel auch eine deutliche lokale Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse) ermöglicht.

d) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden bei einer Gesichtsrose ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur
- Hochtontherapie
- Wärme/ Kälte
- Entspannungsverfahren oder Hypnoide
(bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, so daß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

Leider sind solche Behandlungen ambulant kaum möglich, da nur ganz wenige, niedergelassene Psychologen über eine entsprechende Weiterbildung (spezielle Schmerzpsychotherapie) verfügen.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Daß die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, daß diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.
Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim und Schmerzklinik am Arkauwald.


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Verwandte Suchbegriffe zu Herpes-Zoster:
Zoster, Zoster-Krankheit, Herpes, Gürtelrose, Herpes Zoster-Krankheit, Zosterschmerz, Zosterneuralgie, postzosterische Neuralgie, Gesichtsrose

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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