16. November 2018

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Orofaziales Syndrom

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Das orofaziale Syndrom, auch orofacial pain oder kurz „OFP“ genannt, ist ein Sammelbegriff für Schmerzen im Bereich des Gesichts, der Nase, der Ohren und des Kiefergelenks. Von manchen Autoren wird auch noch die Halswirbelsäule dazu gerechnet. Hauptsächlich handelt es sich beim orofazialen Syndrom aber um Gesichts- und Kieferschmerzen.

Die Schmerzen des orofazialen Syndroms neigen zur Chronifizierung und sind häufig mit Schmerzen anderer Lokalisation vergesellschaftet.
Häufig tritt das orofaziale Syndrom in Verbindung mit Beschwerden des Kauapparats auf, so dass man diese dann als craniomandibuläre Dysfunktion, temporo-mandibuläre Dysfunktion oder Myoarthropathie des Kauapparats bezeichnet.


Symptome: Orofaziales Syndrom | Gesichtsschmerz

Je nach Ursache und Lokalisation der Schmerzen, können die Symptome des orofazialen Syndroms ganz unterschiedlich sein. Symptome die auftreten können sind:

- Kiefergelenksschmerzen

- Gesichtsschmerzen

- Schmerzen der Kaumuskulatur

- Kopfschmerzen

- Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule

- Einschränkungen der Unterkieferbeweglichkeit

- Schmerzen bei Öffnen des Mundes, oftmals mit Knackgeräuschen verbunden

- Tinnitus

- Mundbrennen (sog. Burning mouth syndrom)

- Phantomzahnschmerzen (Odontalgie)


Ursachen: Orofaziales Syndrom | Gesichtsschmerz

Die häufigste Ursache für das orofaziale Syndrom ist eine craniomandibuläre Dysfunktion. Diese kann ausgelöst werden durch:

unnatürliche Kieferstellung, Fehlbiss

- neuromuskuläre (Nerven und Muskeln betreffende) Erkrankungen, z.B. durch Fehlbelastung der Kaumuskulatur

- Traumata, beispielsweise durch langes Mundöffnen beim Zahnarzt oder ein Schleudertrauma ausgelöst

- Psychische Auslöser, wie Stress oder andere psychosoziale Belastungen

- Andere Ursachen: rheumatische Erkrankungen, Arthritis, Odontalgie (Phantomzahnschmerz), Burning mouth syndrom


Therapie: Orofaziales Syndrom | Gesichtsschmerz

Bei der Therapie des orofazialen Syndroms kommen im ersten Schritt allgemeine Therapieansätze zum Einsatz. Zeigen diese zu wenig Wirkung, oder werden die Beschwerden chronisch (Schmerzen länger als 3-6 Monate) sind Konzepte der „speziellen Schmerztherapie“ bzw. weiterführende multimodale Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik gefragt. Dabei gilt generell: „Je früher, desto besser“.

Details:

1. Allgemeine Therapien

a) Medikamentöse Schmerztherapie:

Bei akuten (plötzlich einsetzenden, heftigen) und subakuten (eher schleichend verlaufenden) Schmerzen können zunächst bzw. vorwiegend peripher wirkende Schmerzmittel (Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden. Insbesondere sind hier sog. nicht steroidale Antirheumatika (= „Rheumamittel“) zu erwähnen, aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende, zum Beispiel Mobec®. Sehr magenschonend und zudem auch entzündungshemmend sind sog. COX-2 Inhibitoren ((z. B. Parecoxib (Dynastat®) o. Etoricoxib (Arcoxia®)). Muskelrelaxanzien (Mittel zur Muskelentspannung) wie Baclofen (z. B. Lioresal®) können als Ergänzung ebenfalls hilfreich sein. Schwere Schmerzen sind manchmal dagegen nur durch zentral (im Gehirn / Rückenmark) wirkende Analgetika (z. B. Tramadol, Valoron N®) zu lindern. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten. Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch z. T. bei Schmerzen wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen.

b) Therapie mit Okklusionsschienen (Stabilisierungs- bzw. Aufbissschienen)

c) Operative Maßnahmen, sie sind allerdings nur in einem geringen Prozentsatz zu empfehlen und auf jeden Fall sollte diese Entscheidung genau abgewogen werden.

d) Akupunktur

e) Gezielte psychotherapeutische Ansätze
(bei psychosomatischen Hintergründen)

f) Physikalische Therapie - z. B.: T.E.N.S., Wärme, Kälte, Krankengymnastik,..


2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie des orofazialen Syndroms erfordert meistens eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie – dieses Konzept bezeichnet man heute als multimodal. Diese Therapie, v. a. der gezielte Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, kann allerdings optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines mehrwöchigen Aufenthalts in einer Schmerzklinik durchgeführt werden. Die einzelnen Methoden einer Schmerzklinik sind:

a) Ausführliche Information(en)

b) Analgetikatestung

c) Therapeutische Lokalanästhesie


Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade).

d) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden beim orofazialen Syndrom ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur
- Hochtontherapie
- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen): Allgemeine Maßnahmen werden in jeder Schmerzklinik bei Bedarf angewendet. Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie sind sie in direkter Kombination zu anderen Therapieverfahren eine gute Ergänzung.
- Wärme/ Kälte
- Entspannungsverfahren oder Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, so daß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

Leider sind solche Behandlungen ambulant kaum möglich, da nur ganz wenige, niedergelassene Psychologen über eine entsprechende Weiterbildung (spezielle Schmerzpsychotherapie) verfügen.



Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Gesichtsschmerzen:
Atypischer Gesichtsschmerz, Trigeminusneuralgie, Gesichtsbeschwerden, chronische Gesichtsschmerzen

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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