22. September 2018

Top6 Themen: Schuppenflechtenarthritis - Gelenkschmerzen

Schuppenflechtenarthritis

Schuppenflechtenarthritis Gelenkschmerzen Themen und Krankheit
Bei der Arthritis psoriatica, zu Deutsch Schuppenflechtenarthritis, handelt es sich um eine Gelenkentzündung welche im Rahmen einer Schuppenflechte auftritt.

Bei 10% der an Schuppenflechte Erkrankten kommt es zur Ausbildung dieser Erkrankung, die meist zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auftritt und an der Frauen gleichermaßen wie Männer leiden.



Ursachen Arthritis psoriatica (Gelenkentzündung)

Die Schuppenflechte (Psoriasis) ist vererblich und es spielen viele genetische Faktoren (polygene Vererbung) sowie auslösende Faktoren (multifaktorielle Vererbung) eine Rolle. Auslösende Faktoren können z.B. sein:


- fieberhafte Infekte, z.B. Angina, Masern

- Verletzungen

- Bestimmte Arzneimittel

- Schwangerschaft

- Stress

- HIV-Infektion



Symptome Arthritis psoriatica (Gelenkentzündung)

Außer den Symptomen einer Schuppenflechte, wie rötliche, mit Schuppen bedeckte Hautveränderungen und Juckreiz, kommt es bei einer Arthritis psoriatica außerdem zu Schwellung der Gelenke und zu Schmerzen.

Die Symptome ähneln der rheumatischen Arthritis. Meist ist nur ein Gelenk betroffen, oft aber auch mehrere Gelenke. Dabei kann der Befall der Gelenke asymmetrisch, unregelmäßig sein, charakteristisch ist aber auch ein strahlenartiger Befall von Zehen- und Fingergelenken, aber auch von Kiefergelenk, Sternoklavikulargelenk und Iliosakralgelenk.
Ist das Iliosakralgelenk befallen, so kommt es zu tiefsitzenden Kreuzschmerzen und Steifheit, was vor allem morgens auftritt. Die Symptome treten schubartig auf und es kann auch zu symptomfreien Intervallen von mehreren Jahren kommen. Und auch ein Wechsel der befallenen Gelenke ist möglich.

Begleitend können Insertionstendopathien und Parasyndesmophyten auftreten. Sind die Fingergelenke betroffen, so kommt es oft zu einer Beteiligung der Fingernägel, den sogenannten Tüpfelnägel (napfförmige Einziehungen) oder zu Ölflecken (gelbliche Verfärbung des Nagelbettes).

In ca. 5% der Fälle kommt es zu der Arthritis vor der Hautbeteiligung der Psoriasis.



Diagnostik

Da die Arthritis psoriatica vor allem im Frühstadium sehr schwer nachweisbar ist, ist es schwer eine Diagnose zu stellen. Folgende diagnostische Verfahren können durchgeführt werden:

- Anamnese

- Blutuntersuchung (weiße Blutkörperchen, CRP, BSG, HLA-B27)

- Röntgenuntersuchung

- Szintigraphie

- Ultraschall

- MRT



Therapie Arthritis psoriatica (Gelenkentzündung)

Bei der Therapie einer Arthritis psoriatica kommen im ersten Schritt allgemeine Therapieansätze zum Einsatz. Zeigen diese zu wenig Wirkung, oder werden die Beschwerden chronisch (Schmerzen länger als 3-6 Monate) sind Konzepte der „speziellen Schmerztherapie“ bzw. weiterführende multimodale Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik gefragt. Dabei gilt generell: „Je früher, desto besser“.

Details:


1. Allgemeine Therapien


a) Umstellung der Ess- und Trinkgewohnheiten


- Diät

- reichliche Flüssigkeitszufuhr

- Vermeidung von Alkohol, Nikotin, Kaffee und starken Gewürzen

- Kleinere Essportionen, dafür häufigere Nahrungszufuhr

- Professionelle Ernährungsberatung


b) Medikamentöse Schmerztherapie:


Das Mittel der ersten Wahl sind peripher wirkende Schmerzmittel (Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken).

Insbesondere sind hier sog. nicht steroidale Antirheumatika (= „Rheumamittel“) zu erwähnen, aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende, zum Beispiel Mobec®. Sehr magenschonend und zudem auch entzündungshemmend sind sog. COX-2 Inhibitoren ((z. B. Parecoxib (Dynastat®) o. Etoricoxib (Arcoxia®)).


Außerdem können folgende Medikamente Linderung verschaffen:

- Methotrexat
- Kortison (wird allerdings nur in schweren Fällen eingesetzt)
- Retinoide, Fumarate und Ciclosporin
- TNFa-Blocker
- Etanercept
- Adalimumab
- Naturmittel wie Theraflax® oder weihrauchhaltige Medikamente wie H15 Gufic®


c) Akupunktur

d) Physikalische Therapie - z. B.: T.E.N.S., Wärme, Kälte, Massagen, Krankengymnastik,..

e) Eine völlig andere Therapie ist die Radiosynoviothese, bei der Radioaktivität in niedriger Dosierung in das Gelenk injiziert wird.


2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie einer Arthritis psoriatica erfordert meistens eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie – dieses Konzept bezeichnet man heute als multimodal. Diese Therapie, v. a. der gezielte Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, kann allerdings optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines mehrwöchigen Aufenthalts in einer Schmerzklinik durchgeführt werden. Die einzelnen Methoden einer Schmerzklinik sind:

a) Ausführliche Information(en)

b) Analgetikatestung

c) Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade). Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden. Gerade diese „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“ kann zum Teil erstaunliche Erfolge aufweisen, auch deshalb, weil sie parallel auch eine deutliche lokale Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse) ermöglicht.

d) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden bei einer Arthritis psoriatica ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur

- Hochtontherapie

- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen): Allgemeine Maßnahmen werden in jeder Schmerzklinik bei Bedarf angewendet. Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie sind sie in direkter Kombination zu anderen Therapieverfahren eine gute Ergänzung.

- Wärme/ Kälte

- Entspannungsverfahren oder Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.

- diätetische Maßnahmen


Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, so daß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

Leider sind solche Behandlungen ambulant kaum möglich, da nur ganz wenige, niedergelassene Psychologen über eine entsprechende Weiterbildung (spezielle Schmerzpsychotherapie) verfügen.

Leider sind solche Behandlungen ambulant kaum möglich, da nur ganz wenige, niedergelassene Psychologen über eine entsprechende Weiterbildung (spezielle Schmerzpsychotherapie) verfügen.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Daß die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, daß diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.



Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Gelenkschmerzen:
schmerzende Gelenke, Schmerzgelenk, Schmerzen im Gelenk, Rheuma, Arthrose, Arthritis, Polyarthritis, PCP, primär chronische Polyarthritis, Gelenkentzündung

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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