20. Januar 2018

Top6 Themen: Hüftgelenksarthrose - Gelenkschmerzen

Hüftgelenksarthrose

Hüftgelenksarthrose Gelenkschmerzen Themen und Krankheit
Bei der Hüftgelenkarthrose handelt es sich um die degenerative (abnutzungsbedingte) Erkrankung des Hüftgelenks zwischen dem Oberschenkelknochen und dem Becken. Das Hüftgelenk ist von Bändern gestützt und ermöglicht seitliche und Kreiselbewegungen des Beines, sowie solche nach vorne und hinten.


Formen

Man unterscheidet zwei Formen der Hüftgelenksarthrose:

- primär - hier handelt es sich um eine anlagebedingte Minderwertigkeit des Gelenkknorpels des Hüftgelenks.

- symptomatisch - hier tritt die Hüftgelenksarthrose als Symptom einer anderen Krankheit auf: z.B. bei rheumatischer Arthritis (Gelenkentzündung), bei kongenitalen Hüftluxationen (angeborene Hüftgelenkausrenkungen), Schenkelhalsbrüchen, idiopathischen (ohne erkennbare Ursache entstandene) Nekrosen (örtlicher Gewebstod) des Hüftkopfes.


Ursachen

Eine Hüftgelenksarthrose resultiert aus dem Mißverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit des Gelenkknorpels, wobei folgende Faktoren die Ausbildung einer Hüftgelenkarthrose und die damit einhergehenden Schmerzen begünstigen können:

- Überlastungen

- Vorschädigungen nach Unfällen

- Gelenksentzündungen (Koxitis, Coxitis)

Noch eine häufige Ursache für die Entstehung einer Hüftgelenksarthrose ist Überlastung infolge Fehlstellungen (z.B. X- oder O-Beine). Deswegen ist im Sinne der Vorbeugung einer Hüftgelenksarthrose die Beseitigung dieser Fehlbildungen wichtig.


Symptome

Hier sind die Symptome aufgelistet, die bei einer Hüftgelenksarthrose auftreten können, wobei sie in der Reihenfolge aufgeschrieben sind, in der sie auch im Laufe der Krankheit auftreten:
- schmerzhafte Bewegungseinschränkung beim Einwärtsdrehen des Beines, zuerst nur zu Beginn der Bewegung (sog. Anlaufschmerzen)
- Leistenschmerzen mit möglichen Ausstrahlungen über die innere und vordere Seite des Oberschenkels bis zum Knie
- Begleitsynovialitis (Begleitsynovitis - begleitende Entzündung der Gelenkinnenhaut)
- Kontrakturen (unwillkürliche Dauerverkürzung von Muskeln)
- Gelenkergüsse ( krankhafte Flüssigkeitsansammlung im Gelenk)
- Gelenkkapselverdickungen
- Veränderung des Ganges - der Patient verlagert das Körpergewicht auf die gesunde Seite, um das kranke Gelenk zu schonen und weniger Schmerzen zu empfinden


Therapie

1. Prävention

Grundsätzlich sollten dauerhafte Überbelastungen und Fehlhaltungen mit unphysiologischer Gelenkbelastung (z.B. durch Beckenschiefstand oder schmerzbedingter einseitiger Gewichtsverlagerung) vermieden werden. Des Weiteren ist es heute erwiesen, dass Menschen mit einem zu niedrigen Selen-Spiegel eher an einer Arthrose erkranken als andere. In solchen Fällen kann also die gezielte Einnahme von Selen eine Arthrose zumindest verzögern.

Für die Therapie einer Arthrose stehen heute zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung. Dabei sollte grundsätzlich sehr gut abgewogen werden, welche Therapie die passende ist. Operative Maßnahmen, so gut manche auch sind, sind leider zum Teil auch mit erheblichen Risiken verbunden.
Wichtiger Hinweis: Gerade die spezielle Schmerztherapie einiger Schmerzkliniken bietet heute eine nebenwirkungsarme Alternative, die grundsätzlich vor jeder OP in Erwägung gezogen werden sollte.

2. Allgemeine Therapien

a) Operative Maßnahmen:

- Synovektomie: Hierbei wird die Innenhaut der Gelenkkapsel entfernt, sollte diese sich (immer wieder) entzünden und Gelenksergüsse herbeiführen.

- Umstellungsosteotomie: Dies ist die operative Beseitigung von Fehlstellungen.

- Gelenkersatz: D. h. Endoprothesen aus Metall oder Kunststoff.

b) Medikamentöse Schmerztherapie: Als erstes Mittel gelten hier peripher wirkende Analgetika, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (Rheumamittel). Dabei sollte auf möglichst langwirkende und magenschonende zurückgegriffen werden, z. B. Mobec®. Beim Auftreten von schmerzhaften Muskelverspannungen sind Muskelrelaxanzien eine Lösung (z. B. Norflex® oder Mydocalm®). In manchen, schweren Fällen helfen allerdings nur noch zentralwirkende Analgetika, z. B. Tramadol oder Valoron N®, oder sogar Morphin. Wegen der großen Gefahr einer Schmerzmittelabhängigkeit sollte aber grundsätzlich eine längerfristige Einnahme vermieden werden.

c) Physikalische Maßnahmen: Wärme, Kälte, T.E.N.S., Heilgymnastische Therapie, etc.

d) Akupunktur

2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

In einer Schmerzklinik werden Methoden aus dem Bereich der sog. „Speziellen Schmerztherapie“ eingesetzt. Wie oben bereits erwähnt wird die Arthrose durch eine mangelhafte Durchblutung begünstigt. Die unten aufgeführte, therapeutische Lokalanästhesie besitzt sehr starke, durchblutungsfördernde Eigenschaften, was gerade im Zusammenhang mit der Behandlung einer Arthrose zu z. T. erstaunlichen und anhaltenden Resultaten führen kann. Zudem werden die sehr oft schmerzhaften gelenkführenden Muskeln und Bänder entspannt und schmerzarm gemacht. Die optimale Therapie erfordert dabei die ergänzende Kombination mit anderen Verfahren. Dieses Behandlungskonzept bezeichnet man heute als multimodal, d. h., daß verschiedene Therapien aufeinander abgestimmt werden um so das Schmerzproblem ganz gezielt anzugehen. Des weiteren besteht in vielen Fällen bei Arthrose-Patienten durch falsche Behandlung im Vorfeld bereits eine Schmerzmittelabhängigkeit, so daß zuerst ein Schmerzmittelentzug stattfinden muß. Auch hierfür finden sich in einer Schmerzklinik ideale Voraussetzungen, da dieser Entzug wiederum starke Schmerzen auslösen kann. Für einen optimalen Therapieerfolg ist in der Regel dazu ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer Schmerzklinik notwendig. Die Methoden einer Schmerzklinik im Einzelnen sind:

a) Ausführliche Information(en)

b) Analgetikatestung (Methode zur Auswahl des optimalen Medikaments, auf welches ein Patient auch in einem evtl. später noch einmal auftretenden Bedarfsfalls zurückgreifen kann.).

c) Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Die therapeutische Lokalanästhesie ist eine sehr wirksame, stark durchblutungsfördernde Methode. Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv (Nervenblockade) oder an schmerzleitende Nervenstrukturen (z. B. Rückenmark) gespritzt. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Speziell im Rahmen einer stationären Behandlung in einer Schmerzklinik ist es möglich, über mehrere Wochen diese Therapie täglich mehrfach durchzuführen. Wird die Methode dagegen nur alle paar Tage ambulant durchgeführt, bleibt der gewünschte Erfolg in aller Regel aus.

Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden* mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden.

d) Ergänzende Methoden

- Hochtontherapie
- Spezielle heilgymnastische Therapie, zur gezielten Förderung der Gelenkfunktionen
- Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson. Zudem ist gerade bei (chronischen) Schmerzen meistens auch ein Schmerzbewältigungstraining sinnvoll.
- Spezielle Schmerz-Akupunktur

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, so daß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

Leider sind solche Behandlungen ambulant kaum möglich, da nur ganz wenige, niedergelassene Psychologen über eine entsprechende Weiterbildung (spezielle Schmerzpsychotherapie) verfügen..

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Daß die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, daß diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.



Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Gelenkschmerzen:
schmerzende Gelenke, Schmerzgelenk, Schmerzen im Gelenk, Rheuma, Arthrose, Arthritis, Polyarthritis, PCP, primär chronische Polyarthritis, Gelenkentzündung

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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