20. Juni 2018

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Eitrige Gelenkentzündung

Eitrige Gelenkentzündung Gelenkschmerzen Themen und Krankheit
Eine Gelenkentzündung wird in der Medizin mit dem Begriff „Arthritis“ bezeichnet. Es gibt verschiedene Formen der Arthritis. Die eitrige Gelenkentzündung gehört zur Gruppe der infektiösen, d. h. der durch Erreger verursachten und durch Ansteckung übertragen Arthritiden.

Die eitrige Gelenkentzündung wird auch als Arthritis purulenta oder septische Arthritis bezeichnet.

Betrifft die Entzündung nur ein Gelenk, spricht man von einer Monarthritis, sind mehrere Gelenke betroffen wird dies als Oligoarthritis bezeichnet. Sind fast alle Gelenke entzündet bezeichnet man das als Polyarthritis.


Ursachen

In den meisten Fällen (ca. 50%) wird eine eitrige Arthritis durch das Bakterium Staphylococcus aureus verursacht, gefolgt von Streptokokken (ca. 25%) und gramnegativen Stäbchen (ca. 15%).

Bei folgenden Erkrankungen kann auch begleitend eine eitrige (septische) Gelenkentzündung auftreten:

Tripper (Gonorrhoe)
Akute Hirnhautentzündung (Meningokokkensepsis).
Eine Infektion mit Meningokokken kann neben einer akuten Hirnhautentzündung auch zu einer postinfektiösen oder reaktiven, indirekten Gelenkentzündung führen.
Brucellose
Die Brucellose ist eine Infektionskrankheit, die durch verschiedene Bakterien der Gattung Brucella hervorgerufen wird. Es handelt sich um eine so genannte Anthropozoonose, da die Erkrankung bei Mensch und Tieren auftritt. Je nach beteiligter Brucellaart wird die Erkrankung als Morbus Bang (Bang Krankheit) oder Maltafieber bezeichnet.
Tuberkulose
Lepra (= Aussatz)
Typhus abdominalis oder Paratyphus

Eine eitrige (septische) Gelenkentzündung betrifft vorwiegend die Gelenke der Arme und Beine (Extremitäten). Diese Form der Arthritis wird teilweise auch als direkte Gelenkentzündung bezeichnet, da sich die Erreger direkt im Gelenk befinden. Bei der indirekten Arthritis dagegen entsteht die Gelenkentzündung lediglich als Reaktion auf eine (entfernte) Infektion, im Gelenk selbst sind deshalb keine Erreger nachweisbar.


Symptome (Krankheitszeichen)

Die eitrige Gelenkentzündung tritt meist sehr plötzlich und mit allen Krankheitszeichen einer akuten Gelenkentzündung auf. Der Betroffene hat meist Fieber. Zudem ist das betroffene Gelenk geschwollen, überwärmt und evtl. gerötet. Die Beweglichkeit des Gelenks ist oft eingeschränkt und schmerzhaft und es kann zu Eiteransammlung im Gelenk kommen (Gelenkempyem bzw. Pyarthros).
Besteht eine Arthritis über einen längeren Zeitraum und wird chronisch, tritt als Spätfolge meist der Funktionsverlust des Gelenkes auf, es kommt zu einer Zerstörung (Destruktion) bestimmter Gelenksbestandteile, z. B. des Gelenkknorpels. Durch die veränderte Geometrie des Gelenks entstehen Fehlstellungen und Verkürzungen (Kontrakturen) bestimmter das Gelenk umgebender Weichteilstrukturen. Dies führt zu Bewegungseinschränkungen bis hin zur Gelenkversteifung (Ankylose).
(Quellen: Pschyrembel, 258. Auflage; Gesundheitpro.de).


Details

Für eine Übertragung der Erreger gibt es drei verschiedene Möglichkeiten:

Direkte Keimeinschleppung ins Gelenk
z. B. bei Verletzungen, bei Injektionen ins Gelenk oder auch bei Operationen
Einbruch ins Gelenk
infolge einer in der Nachbarschaft ablaufenden Entzündung, z. B. bei einer Knochenentzündung (Osteomyelitis) oder einer eitrigen Entzündung des Weichteilgewebes (Phlegmone)
Auf dem Blutweg
Von einem Streuherd (Mittelohrentzündung, Furunkel, Angina, Katheterspitze, usw.) ausgehend werden die Keime über den Blutweg verbreitet und dringen in das Gelenk ein, wo sie eine Entzündung verursachen

Folgende Faktoren stellen eine Prädisposition dar und begünstigen die Entstehung einer eitrigen Arthritis:

Gelenkvorschädigungen
Immunsuppression
z. B. eine künstliche Unterdrückung der Immunreaktion, z. B. nach einer Transplantation, oder im Falle einer Autoimmunkrankheit durch Immunsuppressiva oder Strahlentherapie (lokale, selektive oder Ganzkörper-Bestrahlung nach Roche)
Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)


Diagnose

Aus dem Gelenk wird mittels Punktion Flüssigkeit gewonnen, die anschließend mikrobiologisch (Erregeranzüchtung und Antibiotikaaustestung) untersucht wird. Besteht der Verdacht auf Syphilis, Brucellose oder Borreliose erfolgen serologische Testungen, wobei Antikörper nachgewiesen werden.


Therapie (Behandlung)

1. Allgemeine Therapie

Die Therapie der eitrigen, infektiösen Gelenkentzündung erfolgt antibiotisch entsprechend der vorangegangenen Austestung. Ist die Infizierung über den Blutweg (hämatogen) erfolgt, muss der Streuherd saniert werden, d.h. der Ursprung der Keime entdeckt und dann entsprechend behandelt werden.

Begleitend können allgemeine schmerzlindernde Maßnahmen eingesetzt werden. Diese sind:

a) Medikamentöse Schmerztherapie
: Als erstes Mittel gelten hier peripher wirkende Analgetika, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (Rheumamittel). Dabei sollte auf möglichst langwirkende und magenschonende zurückgegriffen werden, z. B. Mobec®. Beim Auftreten von schmerzhaften Muskelverspannungen sind Muskelrelaxanzien eine Lösung, z. B. Norflex® oder Mydocalm®). In manchen, schweren Fällen helfen allerdings nur zentralwirkende Analgetika, z. B. Tramadol oder Valoron N®, oder sogar Morphin. Wegen der großen Gefahr einer Schmerzmittelabhängigkeit sollte aber grundsätzlich eine längerfristige Einnahme vermieden werden.

b) Physikalische Maßnahmen: Wärme, Kälte, T.E.N.S., Heilgymnastische Therapie, etc.

c) Akupunktur

Zeigen diese Maßnahmen zu wenig Wirkung und bleiben Schmerz-Beschwerden bestehen sind weiterführende Methoden einer Schmerzklinik zu empfehlen.

2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

In einer Schmerzklinik werden Methoden aus dem Bereich der sog. „Speziellen Schmerztherapie“ eingesetzt. Die optimale Therapie erfordert dabei die ergänzende Kombination mit anderen Verfahren. Dieses Behandlungskonzept bezeichnet man heute als multimodal, d. h., daß verschiedene Therapien aufeinander abgestimmt werden um so das Schmerzproblem ganz gezielt anzugehen. Für einen optimalen Therapieerfolg ist in der Regel dazu ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer Schmerzklinik notwendig. Die Methoden einer Schmerzklinik im Einzelnen sind:

● Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Die therapeutische Lokalanästhesie ist eine sehr wirksame Methode. Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration, im Falle einer Arthritis perikapsulär, also um das Gelenk herum) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv (Nervenblockade) oder an schmerzleitende Nervenstrukturen (z. B. Rückenmark) gespritzt. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Speziell im Rahmen einer stationären Behandlung in einer Schmerzklinik ist es möglich, über mehrere Wochen diese Therapie täglich mehrfach durchzuführen. Wird die Methode dagegen nur alle paar Tage ambulant durchgeführt, bleibt der gewünschte Erfolg in aller Regel aus.

Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden* mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden.

Die therapeutische Lokalanästhesie besitzt sehr starke, durchblutungsfördernde Eigenschaften, was bei einer Entzündung zu z. T. erstaunlichen und auch anhaltenden Resultaten führen kann.

● Analgetikatestung: Zu Beginn eines stationären Aufenthaltes sollte (wenn möglich) eine sog. Analgetikatestung durchgeführt werden, um ein Mittel oder eine Kombination zu finden, das/die bei möglichst geringem Verbrauch bzw. Dosierung eine größtmögliche Schmerzlinderung bringt, falls im weiteren Verlauf doch noch eine diesbezügliche Behandlung notwendig ist.

● Ergänzende Methoden
- Hochtontherapie
- Spezielle heilgymnastische Therapie, zur gezielten Förderung der Gelenkfunktionen
- Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson. Zudem ist gerade bei (chronischen) Schmerzen meistens auch ein Schmerzbewältigungstraining sinnvoll.
- Spezielle Schmerz-Akupunktur

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, so daß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

Leider sind solche Behandlungen ambulant kaum möglich, da nur ganz wenige, niedergelassene Psychologen über eine entsprechende Weiterbildung (spezielle Schmerzpsychotherapie) verfügen..

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird dabei stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Dass die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung.





Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Gelenkschmerzen:
schmerzende Gelenke, Schmerzgelenk, Schmerzen im Gelenk, Rheuma, Arthrose, Arthritis, Polyarthritis, PCP, primär chronische Polyarthritis, Gelenkentzündung

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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