15. August 2018

Top6 Themen: Arthritis urica (Harnsäuregicht) - Gelenkschmerzen

Arthritis urica (Harnsäuregicht)

Arthritis urica (Harnsäuregicht) Gelenkschmerzen Themen und Krankheit
Der Begriff "Arthritis" bedeutet Gelenksentzündung, "urica" wird abgeleitet von dem Wort Urat. Es bezeichnet das Kristall der Harnsäure.
Bei der Arthritis urica handelt es sich um die so genannte Harnsäuregicht, die oft auch einfach nur Gicht genannt wird.

Von der Arthritis urica (Harnsäuregicht) sind zu 95% Männer betroffen. Die Erkrankung tritt bei entsprechender Veranlagung schon ab dem 35. Lebensjahr auf. Frauen sind seltener und häufig erst ab dem 50. Lebensjahr betroffen.


Ursachen

Die Arthritis urica beruht auf einer Störung des Harnsäurestoffwechsels und entsteht durch die Ablagerung von Urat-Kristallen (Harnsäurekristallen) in den Gelenken bei einer Übersättigung des Blutes mit Harnsäure.


Formen

Grundsätzlich kann man einen akuten Gichtanfall von der chronischen Form, die sich nach mehreren Anfällen entwickelt, unterscheiden. In der chronischen Form wird die Harnsäuregicht dann als Arthritis urica bezeichnet. Diese geht mit Gelenkveränderungen einher.

Nach der Art ihrer Entstehung kann man zudem zwei Formen unterscheiden:

1. Die primäre Arthritis urica ist eine erbliche Störung des Purinstoffwechsels. Purinen sind Stoffe, deren Abbauprodukt die Harnsäure ist. Es handelt sich um organische Verbindungen, die sich in den Kernen tierischer und pflanzlicher Zellen befinden und entweder beim Zellabbau im Körper (endogen) anfallen oder dem Körper (exogen) über die Nahrung zugeführt werden.
Bei der primären Arthritis urica liegt meist ein genetischer Defekt vor, der eine verminderte Ausscheidung von Harnsäure mit sich bringt. Seltener kann eine vermehrte Bildung von Harnsäure der Grund für eine primäre Arthritis urica sein, wie beim Lesch-Nyhan-Syndrom. In beiden Fällen übersteigt die Harnsäureentstehung die Ausscheidung.

2. Die sekundäre Arthritis urica (Harnsäuregicht) ist die Folge einer Grunderkrankung. Kommt es beispielsweise im Körper zu erhöhtem Zellzerfall (z. B. bei Leukämie) fällt endogen mehr Harnsäure an. Außerdem können Krankheiten, die mit Nierenfunktionsstörungen einhergehen, durch eine verminderte Ausscheidung von Harnsäure die Ursachen für eine Arthritis urica sein.

Beiden Formen ist aber gemeinsam, dass die Harnsäure ab einer bestimmten Konzentration im Blut, d. h. im Falle einer Übersättigung, ausfällt. Es kommt zur Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken.


Symptome

Die (unbehandelte) Gicht verläuft in vier Phasen:

Asymptomatische Phase
diese Phase ist gekennzeichnet durch die Ansammlung von Harnsäure im Körper. Sie verläuft symptomlos und kann über mehrere Jahre andauern

Phase der Erstmanifestation (akuter Gichtanfall)
hat die Harnsäurekonzentration einen kritischen Wert erreicht, kommt es zu einem ersten, plötzlich auftretenden Gichtanfall. Das Gelenk, das meistens zuerst betroffen ist, ist das Großzehengrundgelenk, der Gichtanfall wird auch als Podagra bezeichnet. Seltener sind Mittelfuß -, Sprung- oder Kniegelenk als erstes betroffen Die Krankheitszeichen zeigen sich oft nach einer sehr umfangreichen Mahlzeit oder nach erhöhtem Alkoholkonsum, sie treten aber auch nach einem Infekt, nach einer Verletzung (Trauma) oder nach Streßsituationen auf.
Meist tritt der Schmerz nachts auf und kann über Stunden, Tage oder Wochen andauern. Das Gelenk ist dabei rot verfärbt und geschwollen, Berührungen sind hochschmerzhaft.

Interkritische Phase
an den akuten Gichtanfall schließt sich erneut eine Phase an, in der die Patienten schmerzfrei sind. Diese Phase dauert bis zum nächsten Gichtanfall. Mit dem Fortschreiten der Krankheit verkürzen sich die Zeitabstände zwischen den Anfällen und es treten dauerhafte Schmerzen auf. Das ist der Übergang zur chronischen Form.

Chronische Phase
diese Phase ist gekennzeichnet durch dauerhafte Gelenkschmerzen, die durch Gelenkveränderungen hervorgerufen werden. Oft bilden sich in Gelenknähe unter der Haut sog. Gichtknoten (Gichttophi), schmerzlose, derbe Knötchen, die mit Urat-Kristallen gefüllt sind. Zu finden sind diese häufig am Ohrknorpel oder am Großzehengrundgelenk


Diagnose

Die Diagnose einer Arthritis urica (Harnsäuregicht) erfolgt über die Beschreibung der Art und Lokalisation der Schmerzen und die Untersuchung der Gelenke. Auch die gründliche Erfragung der Krankheitsvorgeschichte kann Hinweise liefern. Eine Bestimmung des Harnsäurespiegels im Blut zeigt im Krankheitsfall Werte über 7 mg% bei Männern und über 6 mg% bei Frauen. Zusätzlich können Gelenkveränderungen über Röntgen-Aufnahmen nachgewiesen werden.


Therapie

Bei der Therapie der Arthritis urica kommen im ersten Schritt allgemeine Therapieansätze zum Einsatz. Dabei sollte eine kausale, d. h. auf die Ursache ausgerichtete Therapie im Vordergrund stehen.

Zeigen diese allgemeinen Therapieansätze zu wenig Wirkung, oder werden die Beschwerden chronisch (Schmerzen länger als 3-6 Monate) sind Konzepte der „speziellen Schmerztherapie“ bzw. weiterführende multimodale Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik gefragt. Dabei gilt generell: „Je früher, desto besser“.

a) Kausale Therapie

Wichtige Aspekte der kausalen, auf die Ursache ausgerichteten Therapie sind:

- Umstellung der Ess- und Trinkgewohnheiten:

- purinarme Diät
- reichliche Flüssigkeitszufuhr - Vermeidung von Alkohol, Nikotin, Kaffee und starken Gewürzen
- Kleinere Essportionen, dafür häufigere Nahrungszufuhr
- Professionelle Ernährungsberatung


- Medikamentöse Therapie:

Als Basistherapie werden Medikamente eingesetzt, die die Harnsäuresynthese im Körper hemmen (Urikostatika, z. B. Allopurinol). Daneben werden Medikamente verwendet, welche die Ausscheidung der Harnsäure über die Niere erhöhen (Urikosurika, z. B. Benzbromaron).

b) Allgemeine schmerzlindernde Maßnahmen

- Medikamentöse Schmerztherapie:

Bei akuten (plötzlich einsetzenden, heftigen) und subakuten (eher schleichend verlaufenden) Schmerzen können zunächst bzw. vorwiegend peripher wirkende Schmerzmittel (Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden. Sehr magenschonend und zudem auch entzündungshemmend sind sog. COX-2 Inhibitoren ((z. B. Parecoxib (Dynastat®) o. Etoricoxib (Arcoxia®)). Weiterhin kann der Entzündungshemmer Colchizin eingesetzt werden. (nach Rössler/Rüther; Orthopädie; Urban&Fischer Verlag).

Jedoch gibt es auch Patienten mit chronischer Arthritis urica, die nahezu ständig unter Schmerzen leiden bei entsprechenden bleibenden Gelenkveränderungen.

- Physikalische Maßnahmen (Wärme, Kälte, Krankengymnastik, T.E.N.S.)




2. Weitere Behandlungskonzepte einer Fachklinik

<?  Therapie & Behandlungskonzepte bei Arthritis urica (Harnsäuregicht)



Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


Gelenkschmerzen Krankheit   Gelenkschmerzen Home

Verwandte Suchbegriffe zu Gelenkschmerzen:
schmerzende Gelenke, Schmerzgelenk, Schmerzen im Gelenk, Rheuma, Arthrose, Arthritis, Polyarthritis, PCP, primär chronische Polyarthritis, Gelenkentzündung

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

Verwandte Schmerz-Themen von Gelenkschmerzen

Gelenkschmerzen Top6 Krankheiten

Weitere Themen zu Gelenkschmerzen A-Z:

Sponsorenbereich
Anzeige

Anzeige
Aktuelle Gesundheitsnachrichten

Rund 3.800 Medikamente ohne Zuzahlung
(15.08.18) Für rund 3.800 Arzneimittel müssen gesetzlich Versicherte zurzeit keine Zuzahlung leisten. Der Beitrag zum rezeptpflichtigen Medikament kann entfallen, wenn der Preis mindestens 30 Prozent unter dem jeweiligen Festbetrag liegt, den die Kassen übernehmen. Die Liste enthält Generika ebenso wie patentgeschützte Wirkstoffe.
Artikel lesen...

ADHS: Teilnehmer für Studie gesucht
(13.08.18) Mütter und Väter von Kindern mit der Diagnose ADHS sind oft erschöpft und nicht selten der Verzweiflung nahe. Der "ADHS-Elterntrainer" ist ein Hilfsangebot für betroffene Eltern. Das Online-Programm bietet ihnen seit 2016 umfassende und kostenlose Unterstützung.
Artikel lesen...

Mehr Patienten verursachen weniger Belegungstage
(10.08.18) Knapp 19,5 Millionen Patienten wurden 2017 stationär im Krankenhaus behandelt. Im Vergleich zum Vorjahr ging die Zahl um 0,4 Prozent zurück. Das geht aus den vorläufigen Ergebnissen der Krankenhausstatistik hervor, die das Statistische Bundesamt jetzt veröffentlicht hat.
Artikel lesen...

Weiterführende Links