6. August 2020

Therapie-Möglichkeiten einer Fachklinik bei Omalgie

Weiterführende Therapiemöglichkeiten bei Omalgie

Gelenkschmerzen Therapie Fachkliniken
2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie einer Omalgie erfordert eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie, v. a. aber den gezielten Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, welche optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines stationären Aufenthalts zum Einsatz kommen kann. Obwohl es unterschiedliche Ursachen für eine Omalgie gibt, ähneln sich die jeweils eingesetzten schmerztherapeutischen Methoden. Der Grund liegt einfach darin, dass, unabhängig von einer auslösenden Grunderkrankung, der schmerzleitende Nerv und damit der Schmerz direkt angegangen wird. Die Methoden im Einzelnen sind:

a) Ausführliche Information(en)

b) Analgetikatestung (Methode zur Auswahl des optimalen Medikaments, auf welches ein Patient in einem evtl. später noch einmal auftretenden Bedarfsfalls zurückgreifen kann.)

c) Therapeutische Lokalanästhesie

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade). Das örtliche Betäubungsmittel wird dabei so verdünnt, dass die Muskelkraft erhalten bleibt.

Bei einer Omalgie wird das Schultergelenk wiederholt (stationär zweimal täglich) großzügig perikapsulär (um die Gelenkkapsel herum) infiltriert. Es kann auch mit "Zeel" umspritzt werden, was Patienten mit "homöopathischer" Grundeinstellung meistens sehr entgegen kommt. Des Weiteren ist die gezielte Infiltration von Triggerpunkten (kleine Reizzonen, hauptsächlich in der Muskulatur) im Schulterbereich möglich, nach vorheriger Identifizierung derselben.
Als nächst höhere Therapiestufe werden wiederholte Blockaden des Nervus suprascapularis in der Incisura suprascapularis (kleine Kerbe am Oberrand des Schulterblattes) durchgeführt. Dieser Nerv ist für die Fortleitung der Schmerzempfindungen aus dem Schulterbereich verantwortlich. In besonders hartnäckigen und schweren Fällen steht noch die sog. kontinuierliche, retrograd hohe Betäubung des Plexus brachialis (Armnervengeflecht) mit Katheter* zur Verfügung, eine Methode die sich im Laufe der Jahre immer wieder sehr gut bewährt hat. Bei Omalgie kann auch die kontinuierliche, interskalenäre (zwischen Muskeln im seitlichen, unteren Halsbereich) Blockade des Plexus brachialis durchgeführt werden, allerdings ist diese Methode mit einem etwas größeren Risiko behaftet. d) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur
- Hochtontherapie/ „Transkutane Nervenstimulation“ (TENS)
- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen): Allgemeine Maßnahmen werden in jeder Schmerzklinik bei Bedarf angewendet. Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie sind sie in direkter Kombination zu anderen Therapieverfahren eine hervorragende Ergänzung. Nahezu unverzichtbar ist in diesem Zusammenhang die heilgymnastische Therapie, da meist nur diese Therapieform auf Dauer geeignet ist, die Gelenkfunktionen (wieder) zu fördern bzw. zu erhalten.
- Wärme/ Kälte
- Bei Beteiligung der Wirbelsäule auch Chirotherapie
- Entspannungsverfahren oder Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, sodaß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird dabei stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Dass die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.



Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


Omalgie   Omalgie

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Verwandte Suchbegriffe zu Gelenkschmerzen:
schmerzende Gelenke, Schmerzgelenk, Schmerzen im Gelenk, Rheuma, Arthrose, Arthritis, Polyarthritis, PCP, primär chronische Polyarthritis, Gelenkentzündung

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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