27. April 2018

Top6 Themen: Hallux valgus - Fuss-und-Sprunggelenkchirurgie

Hallux valgus

Hallux valgus Fuss-und-Sprunggelenkchirurgie Themen und Krankheit
Eine der meisten orthopädischen Fußfehlstellungen ist der sogenannte „Großzehenballen“, der in der Medizin Hallux valgus (Hallux = lat. große Zehe; valgus = lat. nach auswärts) genannt wird. Frauen sind im Gegensatz zu Männern 10mal häufiger von einem Hallux valgus betroffen. Die moderne Orthopädie ist heute in der Lage durch operative Eingriffe diese Fehlstellung zu korrigieren – die Therapieerfolge sind sehr gut, sofern der Eingriff von erfahrenen Spezialisten durchgeführt wird.


Symptome (Krankheitszeichen)


Ein gesunder Fuß ist dadurch gekennzeichnet, dass sämtliche Zehenknochen gerade ausgerichtet sind. Bei einem Hallux valgus wölbt sich das Basisgelenk des großen Zehs deutlich nach außen. In der Folge wird auch optisch am betroffenen Fuß eine Wölbung nach außen sichtbar, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Des Weiteren dreht sich die Zehe nach innen.

Dieser Prozess kann mit der Zeit (immer stärker werdende) Symptome hervorrufen.

- Zuerst findet eine optisch sichtbare Verbreiterung des Vorderfußes statt.
- Zehenschmerzen, vor allem der mittleren Zehen können folgen.
- Oftmals wird die Bildung von Hornhaut an der Unterseite des Fußes verstärkt.
- Schwielen und Hühneraugen sind ebenfalls möglich.
- Am Schluss wölbt sich die Zehe auch optisch nach außen, jetzt ist der Halux valgus unverkennbar sichtbar.

Je stärker der Halux valgus ausgeprägt ist, desto stärker wird die natürliche Funktionalität des Fußes reduziert. Abgesehen von dem kosmetischen Aspekt, bringt die Fehlstellung auch gesundheitliche Nachteile mit sich. Die Fußballen können schnell röten, und schwellen öfters an. Die Wahrscheinlichkeit für Entzündungen erhöht sich deutlich. Am Ende können dauerhafte Zehenschmerzen die Folge sein, die auch chronisch werden können.

Grundsätzlich zur Behandlung gilt: Sobald Schmerzen im Zehenbereich mehr als einmalig auftreten sollte man sich in fachärztliche Hände begeben, sprich in die Hände eines erfahrenen Orthopäden.


Ursachen


In den meisten Fällen liegt bei einem Hallux valgus eine genetische Ursache vor. Ein Blick in die Familiengeschichte bestätigt dieses oft.

Des Weiteren können zahlreiche äußere Faktoren das Risiko erhöhen:

- Highheels (vor allem wenn sie zu oft beziehungsweise zu lange getragen werden)
- zu enge Schuhe
- Schwäche des Bindegewebes
- Übergewicht
- Rheuma
- Zu vieles Stehen beziehungsweise zu weniges Sitzen


Diagnose


Die Diagnose „Hallux valgus“ wird vom Arzt gestellt. Sie ist in den meisten Fällen einfach, da die Fehlstellung bereits optisch erkennbar (siehe oben) und für den Arzt auch erfühlbar ist.

Differentialdiagnostisch sind Krallenzehen, der sogenannte „Knickplattfuß“ und/oder andere Verschleißerkrankungen auszuschließen. Dazu ist eine umfassende Untersuchung des Fußes unerlässlich, auch unter dem Aspekt, dass der Fuß immer als eine biomechanische Einheit zu betrachten ist. Zur genauen Untersuchung dienen deshalb Röntgenaufnahmen (u. a. auch eine Röntgenaufnahme des belasteten Fußes) sowie die Pedographie (computergestützte Fußdruckanalyse). Die Untersuchungen ermöglichen schließlich auch dem Arzt festzustellen, ob und inwieweit das Großzehengelenk bereits verändert ist, und ob und inwieweit eine Achsfehlstellung vorliegt.


Operationsmöglichkeiten beim Hallux valgus


Ab einem bestimmten Punkt des Krankheitsverlaufs beziehungsweise wenn die Beschwerden zu stark oder Gefahr laufen chronisch zu werden ist eine operative Behandlung des Hallux valgus zu empfehlen. Denn ein ausgeprägter Hallux valgus bzw. die Deformation des Fußgelenks kann nur über eine gezielte Fuß-OP behoben werden.

Hierzu stehen verschiedene Operationsmethoden zur Auswahl. Welche Methode die richtige ist hängt stark vom Einzelfall ab. Wichtig ist, dass zur Entscheidung sämtliche zur Diagnosestellung berücksichtigten Befunde mit einbezogen werden. Auch die Lebensgewohnheiten und (beruflichen) Anforderungen an den Fuß sind zu bedenken. Welche Operationsmethode in Ihrem Fall geeignet ist, darüber entscheiden Ihre spezielle Diagnose und nicht zuletzt Ihre Bedürfnisse und Lebensgewohnheiten.

Zur Operation selbst stehen heute schonende Operationsverfahren zur Verfügung. Auch die begleitende Schmerztherapie hat sich deutlich weiterentwickelt. In der Summe hat die OP des Hallux valgus deshalb heute ihren Schrecken verloren. Deshalb sollte sie so früh wie möglich zum Einsatz kommen, auch um einer eventuellen Bildung einer Arthrose vorzubeugen, die oftmals Folge der Gelenkfehlstellung des Fußes sein kann. Die Operation des Hallux valgus läuft heute weitestgehend schmerzfrei und ohne Komplikationen. Zur OP selbst ist eine Vollnarkose nötig. Vor der Operation sind Aufklärungsgespräche wichtig, oftmals werden auch eine Pedographie sowie eine Röntgenaufnahme des belasteten Gelenks unmittelbar vor der Operation wiederholt.

Die einzelnen OP-Möglichkeiten sind:

a. Reverdin-Umstellungsoperation

Die häufigste Form der OP ist die subkapitale Korrekturoperation nach Reverdin (Reverdin-Osteotomie). Diese wird dabei mit einem komplexen Weichteileingriff kombiniert. Das Verfahren reicht aus, um leichte bis mittlere Fehlstellungen zu korrigieren. Zudem erhält es das Gelenk vollumfänglich. Zur Fixierung der Knochen wird dabei ein bioresorbierbares Implantat verwendet. Der Einsatz von Metallimplantaten und deren spätere Entfernung entfällt. Die anschließende Mobilisation kann vereinfacht durchgeführt werden (Therapieschuh ohne Unterarmgehstützen). Das Verfahren ist der bekannten Chevron-Osteotomie (Austin) ähnlich, aber mit einigen Vorteilen.

b. Basisnahe Umstellungsoperation

Stärkere Fehlstellungen erfordern die basisnahe Umstellungsoperation. Sie wird ebenfalls mit einem Weichteileingriff kombiniert. Hierbei kommt eine winkelstabile Titanplatte als Prothese zum Einsatz. Auch dieses Verfahren erlaubt im Rahmen der Mobilisation eine sofortige Belastung, im Therapieschuh. und ist dabei ebenfalls gelenkerhaltend. In besonderen Fällen kann es sogar mit der Reverdin-Osteotomie kombiniert werden.

c. Lapidus-Arthrodese

Extreme Fehlstellungen gehen meist mit einer parallelen Instabilität des Übergangs zwischen der Fußwurzel und des Mittelfußes einher. In diesen Fällen ist eine Stabilisierung des ersten Fußwurzelgelenks nach Lapidus die richtige Wahl. Auch dieses Verfahren wird wieder mit einem Weichteileingriff kombiniert. Diese Methode erlaubt auch extreme Fehlstellungen operativ sicher zu korrigieren. Eine Kombination mit einer Reverdin-Osteotomie ist auch hier machbar und teilweise sinnvoll. Das Verfahren erzielt sehr gute Erfolge wodurch die biomechanische Wiederbelastbarkeit des kompletten Fußes ermöglicht wird.

d. Akin-Osteotomie

In vielen Fällen besteht neben einem Hallux valgus eine sogenannte „Hallux interphalangeus“. Dabei handelt es sich um eine weitere Fehlstellung , die die Verkrümmung der Großzehe nach innen auf der Höhe des Grundglieds beschreibt). In solchen Fällen reichen die zuvor genannten OP-Verfahren nicht aus, sondern hier kommt die sogenannte Akin-Osteotomie zum Einsatz. Bei der Akin-Osteotomie wird ein Keil aus dem Grundglied entfernt wodurch die Fehlstellung komplett korrigiert werden kann. Bei der Fixation wird ein bioresorbierbarer, das heißt ein selbstauflösender, Faden verwendet. Eine Kombination mit den zuvor genannten Verfahren ist möglich.

Nachbehandlung:

Bei allen Operationen werden im Rahmen der Nachsorge eine spezielle Schmerztherapie, Krankengymnastik, Lymphdrainage und physikalische Anwendungen eingesetzt. Diese Kombination ermöglicht zum einen Schmerzfreiheit und zum anderen eine schnelle Wiederherstellung der Mobilität.

Eine ambulante Nachbetreuung mit einem persönlichen Orthopäden vor Ort ist zu empfehlen. In der Regel sind enge Abstimmungen zwischen Operateur und dem Orthopäden vor Ort zur Nachkontrolle sinnvoll.



Die hier beschriebene Therapie wird in folgender Klinik angeboten:
Privatklinik Orthoparc Köln - Orthopädie auf höchstem Niveau


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Verwandte Suchbegriffe zu Fuss-und-Sprunggelenkchirurgie:
Fußchirurgie, Sprunggelenkchirurgie, Fuß-OP, Sprunggelenk-OP, Operation am Fuß, Operation am Sprunggelenk

Autor: Dr. med. André Morawe

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