24. Juni 2018

Top6 Themen: Multiple Sklerose - Fibromyalgie

Multiple Sklerose

Multiple Sklerose Fibromyalgie Themen und Krankheit
Die Multiple Sklerose (MS) steht als Begriff für eine chronisch entzündliche Erkrankung des Rückenmarks und des Gehirns. Die Krankheit führt zu einer Entmarkung (Demyelinisation) der fetthaltigen Schicht (Myelin) bestimmter Nervenfasern, was zu zahlreichen neurologischen Symptomen führen kann.

Die Multiple Sklerose gilt als häufigste neurologische Erkrankung in Europa. Allein in Deutschland leben etwa 100.000 bis 120.000 Betroffene. Die Krankheit tritt vorwiegend zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr auf. Trotz zahlreicher Theorien ist die Ursache bis heute unbekannt.

Mögliche Symptome der MS sind:

● pseudoneurasthenisches (ähnlich wie eine Schwäche, Erschöpfung des zentralen Nervensystems) oder rheumatisches Prodromalstadium (Vorläuferstadium)
● Sehstörungen, Augenmuskellähmung
● spastische (krampfartige) Lähmungen
● Hirnnervenausfälle
● Kleinhirnsymptome (Störung der Bewegungsabläufe an Rumpf und Beinen, Falltendenz)
● skandierende (abgehackte, schleppende) Sprache
● Sensibilitätsstörungen (Empfindungsstörungen)
● Blasen- und Mastdarmstörungen
● Euphorie und später Demenz (Verlust erworbener intellektueller Fähigkeiten)
● Lähmungen (z. B. der Beine)
● Schmerzen

Die Krankheit ist fortschreitend und verläuft in Schüben mit Remissionen (vorübergehende Besserung). Es gibt viele milde Fälle, mit kaum spürbaren Symptomen, aber leider auch sehr schwere Fälle, die zur eigenständigen Lebensunfähigkeit führen können. In manchen, wenigen Fällen kann im Zusammenhang mit einer MS auch eine Trigeminusneuralgie auftreten (Details s. „Trigeminusneuralgie“ bei Doctorhelp).

Die Multiple Sklerose gilt als nicht heilbar. Dafür gibt es aber zahlreiche Möglichkeiten die Symptome zu lindern. Eine besondere Rolle spielt dabei auch die Behandlung der mit der Erkrankung verbunden Schmerzen, die etwa bei 40% der MS-Patienten auftauchen. Hier gibt es allgemeine Ansätze zur Linderung, aber eben auch weiterführende Konzepte einer Schmerzklinik, falls die Schmerzen mit konventionellen Methoden nicht in den Griff zu bekommen sind, oder man auf die Einnahme von Schmerzmitteln verzichten möchte. Gerade Multiple Sklerose-Patienten haben, im Rahmen einer Reha, auch Anspruch auf eine solche schmerztherapeutische Unterstützung in einer Schmerzklinik.

1. Allgemeine Therapie der Multiplen Sklerose:

- Medikamentöse Therapie(n): Gegen die akuten Schübe hilft Kortison (oder Abkömmlinge), i. d. R. durch Infusionen verabreicht. Bei besonders schweren Schüben kann auch die Plasmapherese, eine besondere Form der Blutwäsche, probiert werden. Gegen die einzelnen (neurologischen) Störungen gibt es zahlreiche Medikamente, z. B. Medikamente zur Muskelentspannung, Mittel gegen Blasenstörungen, etc.. Des Weiteren existieren zahlreiche Möglichkeiten das Immunsystem zu unterstützen, z. B. durch Beta-Interferone und Glatiramer, oder auch Azathioprin und Immunglobuline. Es empfiehlt sich Maßnahmen zur Förderung des Immunsystems so früh als möglich einzusetzen.

- Medikamentöse Schmerztherapie: „Normale“, sprich peripher wirkende Schmerzmittel sind bei der MS i. d. R. zu schwach, so daß oft auf Opioide (morphinähnliche, im Gehirn/Rückenmark wirkende Schmerzmittel) zurückgegriffen werden muß. Ansonsten sind auch hier Muskelrelaxanzien (im Gehirn/Rückenmark wirkendes Mittel zur Muskelentspannung) wie Baclofen (z. B. Lioresal®) eine weitere Variante, oder schmerzdistanzierende Antidepressiva (z. B. Doxepin, Maprotilin).

- Physiotherapie: Eine MS-Therapie sollte physiotherapeutisch unterstützt werden, z. B. durch Krankengymnastik und Massagen. Körperliche Aktivitäten wie Schwimmen sind eine gute Ergänzung.

- Ernährung: Auch eine gesunde, ausgewogene Ernährung kann den Verlauf der Multiplen Sklerose positiv beeinflussen.

- psychologische Unterstützung: Nicht selten treten im Zusammenhang mit einer MS Depressionen auf, die psychologisch/ psychotherapeutisch behandelt werden sollten.

Für Details zu möglichen medikamentösen Schmerztherapien wenden Sie sich bitte an den kostenlosen Beratungsservice von DoctorHelp.

2. Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik gegen die Schmerzen bei einer MS:

In einer Schmerzklinik werden Methoden aus dem Bereich der sog. „speziellen Schmerztherapie“ eingesetzt. Die optimale Therapie von Schmerzen, gerade auch im Zusammenhang mit der MS, erfordert immer eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie. Dieses Behandlungskonzept bezeichnet man heute als multimodal, d. h., daß verschiedene Therapien aufeinander abgestimmt werden um so das Schmerzproblem ganz gezielt anzugehen. Für einen optimalen Therapieerfolg ist in der Regel dazu ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer Schmerzklinik notwendig. Die Methoden einer Schmerzklinik im Einzelnen sind:

● Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen des Körpers eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration), direkt an den schmerzleitenden Nerv (Nervenblockade) gespritzt oder auch rückenmarknahe eingebracht. Speziell im Rahmen einer stationären Behandlung in einer Schmerzklinik ist es möglich, über mehrere Wochen diese Therapie täglich mehrfach durchzuführen. Wird die Methode dagegen nur alle paar Tage ambulant durchgeführt, bleibt der gewünschte Erfolg in aller Regel aus.

Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden. Gerade diese „kontinuierlichen Blockaden mit Katheter“ können auch bei Schmerzen im Zusammenhang mit einer Multiplen Sklerose teilweise zu erstaunlichen Erfolgen führen.

● Analgetikatestung

● Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Weiterführende Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen)
- Hochtontherapie
- Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist gerade (chronischen) Schmerzen im Zusammenhang mit einer Multiplen Sklerose auch ein Schmerzbewältigungstraining sinnvoll.
- Spezielle Schmerzakupunktur

Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


Fibromyalgie Krankheit   Fibromyalgie Home

Verwandte Suchbegriffe zu Fibromyalgie:
generalisiertes myofasziales Schmerzsyndrom, Ganzkörperschmerz, Weichteilrheuma, (chronischer) Muskelschmerz, Ganzkörperschmerzsyndrom

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

Verwandte Schmerz-Themen von Fibromyalgie

Fibromyalgie Top6 Krankheiten

Weitere Schmerz-Themen von Fibromyalgie A-Z:

Sponsorenbereich
Anzeige

Anzeige
Aktuelle Gesundheitsnachrichten

Wie Telemedizin hilft, Versorgungslücken zu schließen
(22.06.18) Schneller an den Spezialisten ran: Die AOK Nordost will mit Telekonsilen die kinderfachärztliche Versorgung in Brandenburg verbessern. Doch auch in der Hauptstadt sieht sie Nachholbedarf in Sachen innovative Versorgungsformen. Die technischen Voraussetzungen sind denkbar simpel: Hausärztlich tätige Pädiater brauchen einen Rechner und eine Internetverbindung.
Artikel lesen...

Hygiene: Neue OP-Richtlinie des Robert Koch-Instituts
(21.06.18) Das Robert Koch-Institut (RKI) hat nach elf Jahren erstmals die Richtlinie zu Hygiene bei operativen Eingriffen aktualisiert. Neuerungen in den Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beziehen sich auf Desinfektionsmaßnahmen, die bauliche Trennung von septischen und aseptischen OP-Bereichen und die Reinigung kontaminierter Flächen.
Artikel lesen...

Warnhinweise für Schmerzmittel kommen
(21.06.18) Frei verkäufliche Analgetika tragen zukünftig einen deutlich sichtbaren Warnhinweis. Die Hersteller müssen auf der Verpackung über die Gefahr eines langfristigen Gebrauchs informieren. Dies sieht die Analgetika-Warnhinweis-Verordnung vor (AnalgetikaWarnHV). Der Bundesrat hat ihr vor Kurzem zugestimmt. Sie tritt nach der Veröffentlichung im Bundesgese tzblatt in Kraft.
Artikel lesen...

Weiterführende Links