15. August 2018

Top6 Themen: Wechseloperation Hüfte - Endoprothetik

Wechseloperation Hüfte

Wechseloperation Hüfte Endoprothetik Themen und Krankheit
Von einer Wechseloperation im Bereich der Hüfte spricht man, wenn man ein (lockeres) künstliches Hüftgelenk gegen ein neues austauscht. Diese OP ist leider wesentlich aufwändiger als der ursprüngliche Einsatz des ersten künstlichen Gelenks.


Gründe


Es existieren zahlreiche Ursachen die zu einer Lockerung eines künstlichen Hüftgelenks führen können.

Der mit Abstand meiste Grund für eine „Wechseloperation Hüfte“ ist ein bereits bestehendes künstliches Hüftgelenk, das sich gelockert hat. Das Lockern kann septisch (infektiös) oder aseptisch (nicht-infektiös) bedingt sein, Letzteres kommt häufiger vor.

Für die nicht-infektiöse Lockerung gibt es verschiedene Ursachen. Zum Beispiel können Fehlbelastungen zu einem stärkeren Abrieb der sogenannten „Gleitpartner“ führen, welcher dann eine Lockerung der einzelnen Prothesenelemente verursacht. Auch Veränderungen im Gewebe, Durchblutungsstörungen und/oder mechanische Belastungen können eine Ursache bilden. Leider bilden manchmal auch Behandlungsfehler bei der ursprünglichen primären OP des künstlichen Hüftgelenks eine Ursache. In diesen Fällen hatten die verantwortlichen Operateure in der Regel keine ausreichende Erfahrung.

Die infektiöse Lockerung wird durch Bakterien verursacht. Das Gewebe und die Knochen in der Nähe des künstlichen Hüftgelenks sind dann durch Entzündungen beschädigt, eine Lockerung der Prothese kann die Folge sein. Differentialdiagnostisch sind bei parallel Leisten-, Hüft- oder Beinschmerzen zudem andere Erkrankungen als Ursache auszuschließen.

In zahlreichen Fällen lässt sich aber auch gar keine Ursache für eine Lockerung der Prothese finden.


Die OPs für die Wechseloperation Hüfte


Es existieren grundsätzlich zwei verschiedene Arten für eine Wechseloperation im Bereich der Hüfte:

1. Zementfreier Prothesenwechsel

Die häufigste Form ist der sogenannte „zementfreie Prothesenwechsel“. Diese Methode erlaubt dem Knochen die Möglichkeit zum natürlichen Wiederaufbau.

Vorbereitung der OP

Durch Röntgenaufnahmen wird bestimmt, inwieweit welche Knochen beschädigt sind. Ferner lässt sich so festlegen, welche Art der Prothese und in welcher Größe der richtige Ersatz ist. Des Weiteren stehen auf Abruf zahlreiche Spezialimplantate zur Verfügung, welche im Bedarfsfall während der OP (zusätzlich) zum Einsatz kommen – ob dies der Fall ist, lässt sich immer erst während der Operation sagen.

Die Operation

Der Zugang zum Hüftgelenk erfolgt analog zu einer Standardprothesenimplantation im Bereich der Hüfte. Die Operation erfolgt dann in mehreren Schritten:

Schritt 1: Entfernung der Gelenkschleimhaut.
Schritt 2: Überprüfung des Prothesenschafts auf Festigkeit. Bei Anzeichen einer Lockerung wird dieser vollständig entfernt, eventuell Knochenzement ebenfalls.
Schritt 3: Selbiges geschieht nun mit der Hüftpfanne.
Schritt 4: Sofern Knochendefekte am Schaft oder an der Pfanne entdeckt wurden, müssen diese ausgeglichen werden. Hierbei kommen Spezialimplantate, eigener Knochen, Spenderknochen oder Knochenzement zum Einsatz. Sofern erforderlich können durch spezielle Verschraubungen die Stabilität und die anatomische Form der Pfanne wiederhergestellt werden. Zum Ausgleich von Defekten am Prothesenschaft werden Standardimplantate oder modulare Prothesen eingesetzt.
Schritt 5: Einsetzen des neuen Implantats und Testung der Gelenkfunktion.
Schritt 6: Fixierung des neuen Implantats.
Schritt 7: Finale Röntgenuntersuchung, noch während der OP.
Schritt 8: Schichtweise Schließung der Operationswunde.

Nach der OP

Nach der Operation wird der Patient unmittelbar mobilisiert. Noch am selben Tag kann mit Unterstützung von Krankengymnasten das Bett verlassen werden. Die Mobilisierung wird in den folgenden Tagen laufend gesteigert.

Für ca. sechs Wochen sollte der Patient Unterarmgehstützen verwenden, welche das Bein entlasten.

2. Zementierter Prothesenwechsel

Diese Methode ist v. a. vor allem bei älteren Patienten empfehlenswert. Die Besonderheit: Das Gelenk kann sofort voll belastet werden.

Vorbereitung der OP

Die Vorbereitung der Operation ist mit der des zementfreien Prothesenwechsels identisch.

Die Operation

Bis einschließlich Schritt 3 ist die Operation mit der des zementfreien Prothesenwechsels identisch. Aufgrund des in der Regel höheren Alters der Patienten bei dieser Methode, ist lediglich mit einer höheren Vernarbung der Gelenkschleimhaut zu rechnen, deren Entfernung dann etwas zeitaufwendiger ist.

Im Zusammenhang mit Schritt 4 stehen bei der Methode ergänzend weitere Möglichkeiten zur Wiederherstellung des Oberschenkelknochens zur Verfügung, nämlich überlange Spezialprothesen. Diese werden hier durch moderne Zementiertechniken (Markraumstopper, Vakuumanrühren, maschinelle Pulslavage, Zementkompression) befestigt.

Der weitere Verlauf erfolgt synchron zu dem des zementfreien Prothesenwechsels.

Nach der OP

In der Regel ist das operierte Bein sofort wieder voll belastbar.


Besonderheiten


Zemententfernung

Wichtig bei einer Prothesenwechseloperation, ist die sanfte Entfernung der beschädigten bzw. nicht mehr richtig arbeitenden Prothese sowie die komplette Entfernung des Zements.

Die Langzeitergebnisse können deutlich gesteigert werden, je besser gesundes Gewebe und stabile Knochen erhalten werden.
Manche Operateure haben hierfür eigene Techniken entwickelt, teilweise wird der Prozess durch spezielle endoskopische Geräte unterstützt.

Bei optimaler Knochenschonung können sogar Standardimplantate wieder eingesetzt werden. Sogenannte modulare Spezialimplantate können in Ergänzung die richtigen anatomischen Verhältnisse reproduzieren.

Verknöcherungen

Verknöcherungen sind generell zu beseitigen. Allerdings können Muskelschäden resultieren, sodass die Beseitigung eingeschränkt werden kann. Unterstütz werden kann dieser Prozess durch gezielte Medikamente oder eine einmalige Bestrahlung.

Knochendefekte

Bei einem Defekt der Knochen können körpereigener Knochen oder Spenderknochen verwendet werden. Auch der Einsatz von sehr speziellen Implantaten ist möglich. In schwierigen Fällen empfiehlt sich eine Kombination aus allen Varianten.

Septische Lockerungen

Bei einer Lockerung der Prothese die durch eine Entzündung verursacht wurde muss zunächst diese beseitigt werden. Eine sogenannte Punktion kann vor der OP den ursächlichen Keim lokalisieren, welcher dann mit Antibiotika therapiert wird. Bei Erfolg wird im Rahmen der Wechseloperation lediglich präventiv ein antibiotikahaltiger Zement verwendet. Bei (zunächst) resistenten Erregern oder schweren Fällen erfolgt ein sogenannter „zweizeitiger Prothesenwechsel“. In einer ersten OP wird die defekte Prothese entnommen, das gesamte Gewebe gesäubert und ein provisorischer Platzhalter aus anitbiotikahaltigem Knochenzement implantiert. Ca. 10 Wochen später wird im Rahmen einer zweiten OP der Platzhalter entfernt und die finale Prothese eingesetzt.

Weichteilschäden

Stabile Muskeln sind Voraussetzung für die optimale Funktion einer Prothese. Sind Defekte an den Muskeln vorhanden können diese durch Spezialtechniken mit dem Knochen (wieder) verbunden werden. Die Werkzeuge sind hierbei Spezialimplantate und diverse Techniken (Spezialpfannen, Kopfverlängerung, Großkopftechnologie).



Die hier beschriebene Therapie wird in folgender Klinik angeboten:
Privatklinik Orthoparc Köln - Orthopädie auf höchstem Niveau


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Verwandte Suchbegriffe zu Endoprothetik:
Endoprothese, endoprothetische OP, künstliches Gelenk, künstlicher Gelenkersatz

Autor: Prof. Dr. med. Joachim Schmidt

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