20. Januar 2018

Top6 Themen: Künstliches Kniegelenk - Endoprothetik

Künstliches Kniegelenk

Künstliches Kniegelenk Endoprothetik Themen und Krankheit
Bei einer Arthrose des Kniegelenks kann ein künstliches Kniegelenk erforderlich werden, und zwar dann, wenn zu starke Schmerzen und/oder Bewegungseinschränkungen die Lebensqualität mindern.

Der Einsatz eines künstlichen Kniegelenks (Knieprothese) zählt in der BRD zu den am öftesten vorgenommenen (orthopädischen) Operationen. Dank modernster Technik lassen sich dabei heute in der Regel sehr gute Ergebnisse erzielen.


Ursachen und Symptome einer Arthrose des Kniegelenks


Die Oberflächen der Enden der Knochen am Knie sind mit einer Knorpelmasse überzogen, welche eine Art Gleitfilm zur Verfügung stellt. Das verringert Reibung innerhalb des Gelenks. In Ergänzung mit dem Meniskus werden zudem Stöße abgefedert.

Angeborene oder erworbene Fehlstellungen, Unfälle, Überbelastungen, Verletzungen oder Verschleiß im Alter schädigen die Knorpelschicht. Am Ende entsteht eine Arthrose des Kniegelenks, die sog. Gonarthrose.

Typische Symptome der Kniegelenksarthrose sind Anlaufschmerzen und dauerhafte Belastungsschmerzen. Die Beschwerden erfolgen oft in Schüben. Hinzu können Überhitzung und/oder Schwellungen auftreten, von der Dauer von Tagen bis hin zu Wochen.

Dabei entwickeln sich die Beschwerden in einer Art Teufelskreis: Durch die Reibung der Knochen aufeinander werden die Symptome verstärkt, gleichzeitig nimmt die Bewegungsfähigkeit ab. Der reduzierte Gebrauch des Gelenks bewirkt Vernarbungen und bzw. oder Verkürzungen der umliegenden Bereiche (Kapseln, Bänder, Muskeln, Sehnen,..). Dies schränkt die Bewegung weiter ein, der Teufelskreis nimmt seinen Lauf.

Klassische Therapien zeigen deshalb ab einem bestimmten Punkt der Beschwerden kaum oder gar keine Wirkung mehr. Hier hilft nur noch eine OP.


Künstliches Kniegelenk als Kniegelenkersatz


Zur Operation und Implementierung eines künstlichen Kniegelenks sind sehr spezielle Techniken notwendig. Internationale Studien belegen, dass die Berücksichtigung individueller Faktoren (Alter, Gewicht, Geschlecht, sportliche Aktivitäten, …) nebst entsprechender OP-Erfahrung des behandelnden Arztes bessere Ergebnisse erzielt als eine rein computergesteuerte Operation. Denn das wichtigste bei einer solchen Knie-OP ist zum einen die exakte Platzierung des neuen künstlichen Gelenks und zum anderen die (Wieder-) Herstellung der korrekten Achsverhältnisse und Bandspannungen zueinander.

Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Implantate:

1. Ungekoppelter Oberfächenersatz

Das Standardimplantat für einen künstlichen Ersatz des Kniegelenks ist die sog. „ungekoppelte Oberflächenersatzprothese“ – mit Erhalt der eigenen Bänder. Denn in den meisten Fällen ist eine ausreichende Stabilität des (neuen) Kniegelenks durch die eigenen natürlichen Bänder gegeben.

Vor der OP

Im Vorfeld der Operation wird eine exakte Beinvermessung mit Beinganzaufnahmen zur Planung der Achskorrektur und Größenbestimmung der Prothese vorgenommen.

Die OP

Die Operation erfolgt gewebeschonend ohne den Einsatz von Drainagen und Bluttransfusionen in folgenden Schritten:

• Schritt 1: Durch einen minimalen Hautschnitt in der Mitte über der Kniescheibe wird das Gelenk geöffnet.
• Schritt 2: Evtl. Entfernung der Gelenkschleimhaut (nur bei dem Vorliegen von Entzündungen u. ä.).
• Schritt 3: Ausrichtung der Kniescheibe gemäß der eigentlichen Ur-Anatomie.
• Schritt 4: Vorbereitung der Einpassung der Prothese.
• Schritt 5: Präzise Lehren ermöglichen die optimale Präparation des Lagers für die Prothese. Die normalen anatomischen Verhältnisse (Beinachse, Bandspannung, Muskelfunktion, Kniescheibenführung) werden wiederhergestellt.
• Schritt 6: Funktionstest des neuen Gelenks.
• Schritt 7: Die Prothese wird zur Sicherheit mit einer zusätzlichen Klebeschicht aus Zement auf dem Knochen fest verankert.
• Schritt 8: Örtliche Betäubung zur Schmerzlinderung nach der OP.
• Schritt 9: Schichtweiser Verschluß der OP-Wunde. Gelenk schichtweise verschlossen.


2. Monokondyläre Schlittenprothese

Ist nur ein Teil des Kniegelenks beschädigt, ist die sog. „monokondyläre Schlittenprothese“ die richtige Lösung. Diese kann sogar minimalinvasiv eingesetzt werden.
Bei individuellen Prädispositionen wie einer Fehlstellung, Instabilität der Bänder, vorherigen OPs oder Knochendefekten helfen zudem sog. „modulare Spezialimplantate“ ein Defizit zu korrigieren.

Vor der OP

Das Bein wird exakt vermessen. Auch erfolgen komplette Beinaufnahmen. Dies dient zur Ermittlung der exakten Prothesengröße und nötigen Achskorrektur.

Die OP

Durch die minimalinvasive OP-Technik sind weder Drainagen noch Bluttransfusionen erforderlich.

• Schritt 1: An der Innenseite der Kniescheibe wird ein kleiner Hautschnitt durchgeführt. Das Gelenk wird dem Zugang eröffnet.
• Schritt 2: Prüfung der Kniescheibengleitlager und Kreuzbänder. Auch der äußere Gelenkanteil wird genau betrachtet. Dann wird das Prothesenlager am Oberschenkel und Schienbein genau vorbereitet.
• Schritt 3: Überprüfung der korrekten Funktion der Prothese. Ist diese erfüllt wird das neue künstliche Kniegelenk mit einer dünnen Knochenzementschicht mit dem Oberschenkeln und dem Schienbein verklebt.
• Schritt 4: Verschließung der Wunde.


Heilungsverlauf nach einer OP


Sowohl bei der ungekoppelten Oberflächenersatzprothese als auch bei der monokondylären Schlittenprothese ist nach der Operation eine sofortige Mobilisation des Gelenks möglich. Patienten können zudem noch am selben Tag durch Unterstützung einer Krankengymnastin das Bett verlassen.

Das neue Gelenk kann sofort komplett belastet werden. Allerdings sollten aus Sicherheitsgründen für einen Zeitraum von vier Wochen zwei Unterarmgehstützen zur Hilfe genommen werden. Diese Hilfe vermeidet stürzen und/oder stolpern.


Besonderheiten


Operationstechnische Besonderheiten beim Einsatz eines künstlichen Kniegelenkes:

Achsabweichung

Bei einer Abweichung von der anatomischen Achse werden die beschädigten Knochenteile entfernt. Im nächsten Schritt wird die korrekte Achse des Beins wiederhergestellt sowie die Bandspannung nebst Muskelfunktion in den Normbereich gebracht.

Knochendefekte

Bei einem Defekt der Knochen sind moderne Prothesen mit Metallmodulen die richtige Wahl. Sie können die normalen ursprünglichen anatomischen Verhältnisse rekonstruieren.

Schleimhautreizung

Bei einer Schleimhautreizung (die sog. „Synovialitis“) oder bei einer narbigen Veränderung der Schleimhaut wird die komplette Schleimhaut entfernt. Neue gesunde Schleimhaut produziert das Knie wieder selbst.

Rheumatische Erkrankung

Im Falle einer rheumatischen Erkrankung muss die Schleimhaut ebenfalls komplett entfernt werden. Oftmals existieren Band- oder knöcherne Defekte, wodurch der Einsatz von Spezialprothesen erforderlich wird. Unter Umständen kann in solchen Fällen mit gekoppelten Prothesen gearbeitet werden, da diese in der Lage sind die Funktion der Bänder zu ersetzen.

Fehlstellungen und -formen der Kniescheibe

Ohne Ausgleich von Fehlstellungen und Fehlformen der Kniescheibe kann eine Prothese nicht richtig arbeiten. Hierzu gibt es verschiedene Ansätze, z. B. Entfernung der Knochenvorsprünge der Kniescheibe, Lockerung und/oder Raffung von Bandstrukturen oder Entfernung von Teilen der Kniescheibe.

Das Ersetzen der Kniescheibengleitfläche wird heute meistens nicht mehr praktiziert. Ebenso ist eine vollständige Entfernung der Kniescheibe nicht mehr die Praxis.

Bandinstabilitäten

Eine Prothese kann nur richtig arbeiten, wenn die Kniebänder die richtige Spannung besitzen. Methoden hierzu sind Nähte, Versetzung und/oder Raffung der Bandansätze. Auch ist es möglich verkürzte Bänder zu verlängern. Ist dies alles nicht möglich bleibt nur der Einsatz einer gekoppelten Prothese.





Die hier beschriebene Therapie wird in folgender Klinik angeboten:
Privatklinik Orthoparc Köln - Orthopädie auf höchstem Niveau


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Verwandte Suchbegriffe zu Endoprothetik:
Endoprothese, endoprothetische OP, künstliches Gelenk, künstlicher Gelenkersatz

Autor: Prof. Dr. med. Joachim Schmidt

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