22. September 2018

Top6 Themen: Künstliches Hüftgelenk - Endoprothetik

Künstliches Hüftgelenk

Künstliches Hüftgelenk Endoprothetik Themen und Krankheit
Ein künstliches Hüftgelenk ist ein Implantat, als Ersatz für ein krankes bzw. defektes menschliches, natürliches Hüftgelenk. Es ist das bekannteste Implantat überhaupt, denn mehr als fünf Millionen Deutsche sind betroffen.

Über neunzig Prozent der über 65-jährigen Rentner leiden an einer Hüftgelenksarthrose, und sind damit von einem Verschleiß des Hüftgelenks betroffen (häufigste Arthrose). Die Medizin ist allerdings heute derart fortgeschritten, dass durch moderne OP-Verfahren und hochentwickelte Implantat-Technologie ein künstliches Hüftgelenk in den meisten Fällen ohne nennenswerte Komplikationen eingesetzt werden kann – und das meistens (fast) schmerzfrei. Wichtig ist lediglich, dass der behandelnde Arzt bzw. die behandelnde Klinik über ausreichende Erfahrung verfügt.


Ab wann sollte man über ein künstliches Hüftgelenk nachdenken?


Zahlreiche (Therapie-)Methoden sind heute in der Lage die Abnutzung des Hüftgelenks deutlich zu verlangsamen. Zudem stehen zur Schmerzlinderung zahlreiche Medikamente zur Verfügung (s. Beiträge „Schmerztherapie“), und gezielte Physiotherapie ermöglicht den Erhalt der Bewegungsfähigkeit. Dennoch stoßen diese Möglichkeiten irgendwann an ihre Grenzen, und hier eröffnet sich dann die Frage nach einer Alternative – ein neues (künstliches) Hüftgelenk.

Bei einer Hüftgelenksarthrose werden im Laufe der Zeit die Gelenkknorpel immer dünner. Deren Aufgabe ist es, ein reibungsloses Gleiten der Knochenoberflächen aufeinander im Rahmen jeder einzelnen Hüftbewegung zu ermöglichen. Im Zuge der Abnutzung verändert sich die Gelenkflüssigkeit, sie verliert ihre „Schmiereigenschaft“, und am Ende reibt Knochen auf Knochen. Schmerzen und Entzündungen folgen im nächsten Schritt.

Bei folgenden Symptomen sollte man umgehend einen Orthopäden oder eine erfahrene orthopädische Fachklinik kontaktieren:
- Bewegungsschmerzen in der Hüft- oder Leistengegend
- Anlaufschmerzen am Morgen haben
- knirschende Geräusche beim Gehen
- Einschränkung der Drehbewegung des Hüftgelenks nach innen


Arten


Es stehen heute verschiedene künstliche Hüftgelenke zur Verfügung, man unterscheidet vier Grundtypen:

• zementierte Hüftendoprothesen
• zementfreie Hüftendoprothesen
• Oberflächenersatzprothesen (nach McMinn)
• Kurzschaftprothesen (hohe Wahrscheinlichkeit einer Komplikation)

Welches Gelenk das für den Patienten das Richtige und das Beste ist, sollte von einem orthopädischen Chirurgen entschieden werden, der auf Endoprothetik (Einsetzen von Endoprothesen) spezialisiert ist. Zudem sollte die Person sehr viel Erfahrung besitzen. Der Grad der Abnutzung des Gelenks bzw. der Grad der Arthrose, sowie die individuellen Lebensumstände spielen ebenfalls eine Rolle.


a. Zementiertes künstliches Hüftgelenk

Bei einem zementierten künstlichen Hüftgelenk wird eine sog. „Hüfttotalendoprothese“ mit Hilfe von Knochenzement befestigt, und zwar im Becken und im Oberschenkel direkt.

Vorteile

- sicherste Methode für ältere Patienten, v. a. im Alter von über 75 Jahren
- konstante Weiterentwicklung seit 50 Jahren
- OP mit geringer Blutungsneigung
- sofortige uneingeschränkte Stabilität (auch bei nicht guten Knocheneigenschaften (Altersknochen, Osteoporose, …)
- Laut weltweiten Statistiken genauso haltbar wie zementfreie Implantate

Die OP

Die Planung der OP zur Einsetzung eines zementierten künstlichen Hüftgelenks erfolgt mit Hilfe von standardisierten Röntgenaufnahmen und speziellen Computersoftwares. Dies ist notwendig zur Sicherung der richtigen Beinlänge und ggfs. der Wiederherstellung dieser. Spezielle Röntgentechniken dienen zum Erhalt der sog. „Biomechanik“ des Hüftgelenks. Auch kann man durch sie die Größe der Prothese genau festlegen.

Die OP erfolgt unter einer Vollnarkose. Die OP erfolgt dabei insgesamt derart minimal und „sanft“, dass keine Muskeln durchtrennt werden. Drainagen oder Bluttransfusionen sind nicht nötig. Die Operation selbst läuft dann wie folgt ab:

• Schritt 1: Eindringen in den Hüftbereich. Der kranke Hüftkopf wird entfernt.
• Schritt 2: Vorbereitung der Hüftpfanne für die Prothese.
• Schritt 3: Reinigung des Pfannenlagers durch maschinelle Säuberung. Danach wird der Oberschenkelschaft millimetergenau auf die Größe des Prothesenschaftes aufgeraspelt. Anschließend wird die Funktion des Gelenks getestet.
• Schritt 4: Entfernung von Blutkoagel und Markraumfett. Durch spezielle Techniken kann heute auch das sog. Fettemboliesyndrom verhindert werden, und Blutbahnen werden nicht gequetscht.
• Schritt 5: Anpassung und Positionierung eines Markraumstoppers im Knochen. Der Stopper wirkt dem Entweichen des Zements entgegen und unterstützt dessen Härtung.
• Schritt 6: Anrühren des (vorgekühltern) Zements (unter Vakuum), nochmalige div. Reinigungen.
• Schritt 7: Einspritzung des Zements in den Markkanal. Dabei wird der Prothesenschaft in die exakte Position ausgerichtet.
• Schritt 8: Aushärtung des Zements mit anschließender Platzierung des Keramikkopfes und Ausrichtung des Gelenks.
• Schritt 9: Durchführung einer lokalen Schmerztherapie. Diese ermöglicht das schmerzfreie –arme Aufwachen aus der Narkose.
• Schritt 10: Verschließung der Wunde. Optimalerweise erfolgt dies durch eine kosmetischen, intrakutanen Hautnaht, bei der am Ende keine Einstichlöcher der Fäden zu sehen sind (die Fäden verlaufen unsichtbar unter der Haut). Abschließend Anbringen eines Kompressionsverbands.


b. Zementfreies künstliches Hüftgelenk

Bei dieser Therapie wird ein künstliches Hüftgelenk ohne Zement direkt in den Knochen integriert.

Vorteile

- Die zementfreien Hüftendoprothesen eignen sich am besten für Patienten zwischen 60 bis 75 Jahren.
- Bewährt hat sich in den letzten 20 Jahren der sog. „Taperloc Prothesenschaft“ aus Titan.
- Ein sog. „Twin-Cup“ (Schraubring aus Titan) bildet die Gelenkpfanne, die Gleitpartner sind aus Keramik (Hüftkopf und Pfannen-Inlay).
- Die e. g. Technologie erzeugt den geringsten Abrieb.
- Die Pfannen und Keramikköpfe halten länger als 20 Jahre, die Funktion liegt auch nach 10 Jahren noch bei 99%, nach 15 Jahren noch bei 97%.
- Der Knochen wird nicht durch Polyäthylen beschädigt.

Die OP

Die Vorbereitung der Operation ist nahezu identisch mit der bei einem zementierten künstlichen Hüftgelenk. Auch hier erfolgt die OP unter Vollnarkose, mit einem derart minimalen Eingriff, dass Bluttransfusionen und/oder Drainagen nicht nötig sind. Die OP selbst erfolgt in folgenden Schritten:

• Schritt 1: Entfernung der Gelenkschleimhaut, sofern nötig.
• Schritt 2: Entfernung des alten, erkrankten Hüftkopfs.
• Schritt 3: Eine sog. „Titanpfanne“ wird mit Hilfe eines Schraubgewindes in ein speziell präpariertes Pfannenlager eingedreht. Im Anschluss wird ein sog. „Keramikinlay“ befestigt.
• Schritt 4: Der Oberschenkelschaft wird passgenau für die Prothese geraspelt, danach wird die Originalprothese in dem Knochen fixiert.
• Schritt 5: Abschluss der OP wie bei der OP für ein zementiertes künstliches Hüftgelenk (lokale Schmerztherapie und kosmetischer Verschluss der Wunde).


c. Oberflächenersatz (nach McMinn)

Diese Operation hat die Zielsetzung den natürlichen Hüftkopf zu erhalten. Dies erfolgt durch gezieltes Entfernen der beschädigten Oberfläche des Gelenks, welche durch eine sog. „Hüftkopfkappe“ ersetzt wird. Zudem wird in die Knochenpfanne durch Pressung eine Metallpfanne eingesetzt. Die Hüftkopfkappe wird dann verklebt, und die Pfanne im Knochen des Beckens fixiert.

Vorteile

- ideal für junge aktive und sportliche Patienten unter 60 Jahren.

Die OP

Die Vorbereitung der Operation ist nahezu identisch mit der bei einem zementierten oder zementfreien künstlichen Hüftgelenk.

Auch hier erfolgt die OP unter Vollnarkose, mit einem derart minimalen Eingriff, dass Bluttransfusionen und/oder Drainagen nicht nötig sind. Die OP selbst erfolgt in folgenden Schritten:

• Schritt 1: Entfernung der Gelenkschleimhaut (im Bedarfsfall).
• Schritt 2: Ausmessung der Hüftkopfkappengröße und genaue Positionierung der Kappenposition mit Hilfe eines 3D-Zielgeräts.
• Schritt 3: Einbringen der Kunstpfanne in das Lager, nebst Wiederherstellung der anatomischen Gelenkstruktur.
• Schritt 4: Verklebung der neuen Hüftkopfkappe. Das Gelenk wird danach in die „Normalstellung“ gebracht verschlossen.
• Schritt 5: Lokale Schmerztherapie für ein angenehmes Aufwachen aus der Narkose.

Die OP ist technisch sehr schwierig. Ein sehr erfahrener Chirurg ist aber in der Lage Komplikationen auf ein Minimum zu reduzieren.


d. Kurzschaftprothese

Wegen der hohen Komplikationsrate bei sog. Kurzschaftprothesen wird auf weitere Ausführungen an dieser Stelle verzichtet.


Heilungsverlauf nach der Hüft-OP


Für die OP eines zementierten und zementfreien künstlichen Hüftgelenks und für einen Oberflächenersatz nach McMinn gilt:

Etwa drei Stunden nach der OP kann der Patient mit Hilfe eines Krankengymnasten bereits das Bett verlassen. Das neue Gelenk kann sofort zu 100% belastet werden. Die Mobilisierung nimmt in den nächsten Tagen stetig zu. Für ca. vier Wochen sollte man zwei Unterarmgehstützen noch zur Sicherheit verwenden.

Die Methode des zementierten künstlichen Hüftgelenks ist heute sehr weit fortgeschritten. Optimierungen sind möglich durch den Einsatz modernster Zementiertechniken. Je besser diese Techniken sind, umso besser sind die Langzeitergebnisse. Hier empfiehlt es sich, sich sehr genau beraten zu lassen.





Die hier beschriebene Therapie wird in folgender Klinik angeboten:
Privatklinik Orthoparc Köln - Orthopädie auf höchstem Niveau


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Verwandte Suchbegriffe zu Endoprothetik:
Endoprothese, endoprothetische OP, künstliches Gelenk, künstlicher Gelenkersatz

Autor: Prof. Dr. med. Joachim Schmidt

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