3. September 2014

Top6 Themen: Verwachsungsbauch - Bauchschmerzen

Verwachsungsbauch

Verwachsungsbauch Bauchschmerzen Themen und Krankheit
Beim so genannten Verwachsungsbauch handelt es sich um Verwachsungen von Gewebe oder Organen die normalerweise nicht miteinander verbunden sind.

Es werden drei verschiedene Arten die zu einem Verwachsungsbauch führen können unterschieden:

- Adhäsion: eine flächenhafte oder strangförmige Verwachsung aneinanderliegenden, mit einer Hüllschicht überzogener Organe, welche durch Entzündungen bedingt ist.

- Accretio: durch Entzündungen bedingte Verwachsung frei nebeneinander liegender Organe.

- Concretio: flächenhafte Verwachsung benachbarter Häute.

Einem Verwachsungsbauch gehen meist mehrere, in machen Fällen auch nur eine, Bauchoperationen voran. Häufige Ursachen für solche chirurgische Eingriffe sind unter anderem:

- Morbus Crohn, eine chronisch entzündliche Erkrankung des Magen-Darm-Traktes, bei der häufig eine operative Entfernung des Dick- oder Enddarms vorgenommen wird.

- Kolitis ulcerosa, eine chronisch entzündliche Erkrankung der Dickdarmschleimhaut.

- Tumore.

Der Verwachsungsbauch geht mit chronischen, d.h. länger als sechs Monaten anhaltenden, Bauchschmerzen einher.
Hingegen können akute, also frisch aufgetretene, Bauchschmerzen viele Ursachen haben, z.B. Erkrankungen von Bauchraumorganen, wie des Magens, des Darms, der Galle, der Bauchspeicheldrüse oder der Gebärmutter.


Therapie

Bei der Therapie des Verwachsungsbauchs steht v. a. die reine Schmerztherapie im Vordergrund. Da meistens bereits (schwere) chronische Beschwerden bestehen, sollte eine Therapie immer in Absprache mit einem Schmerztherapeuten erfolgen. In vielen Fällen ist es aber sehr zu empfehlen sich direkt an eine erfahrene Schmerzklinik zu wenden. Dabei gilt grundsätzlich: „Je früher desto besser“.

Man unterscheidet:

I. Allgemeine Schmerztherapeutische Ansätze

II. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik


Details:

I. Allgemein Schmerztherapeutische Ansätze

Kausale Ansätze: Eine kausale Therapie richtet sich generell nach der verursachenden Grunderkrankung. Mögliche Therapien sind z. B. medikamentöse Therapien, Umstellung der Ernährungs- bzw. Trinkgewohnheiten, Darmsanierungen (z. B. bei Parasitenbefall). In der Regel sind diese aber bereits ausgeschöpft, so daß sich die Therapie v.a. auf die direkte Linderung der bestehenden Schmerzen konzentriert.

Zur medikamentösen Schmerztherapie eignen sich hauptsächlich sog. Spasmolytika, das sind Mittel gegen Krampfzustände, so z. B. Buscopan®.
Sog. nicht steroidale Antirheumatika (Rheumamittel) werden eher schlechter vertragen. Schwere Schmerzen sind manchmal dagegen nur durch zentral (im Gehirn / Rückenmark) wirkenden Analgetika (z. B. Tramadol, Valoron N®) zu lindern. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten.
Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch bei diesen Schmerzen wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen.

Ansonsten können Akupunktur, physikalische/physiotherapeutische Ansätze (z. B. Wärme in Form einer Wärmflasche, Darmmassagen) oder auch bestimmte Getränke (z. B. warmer Kräutertee bei Magenbeschwerden) eine Linderung der Bauchschmerzen ermöglichen.

II. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie bei chronischen Bauchschmerzen, und somit auch bei einem Verwachsungsbauch, erfordert oftmals eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie, v. a. aber den gezielten Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, welche optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines stationären Aufenthalts zum Einsatz kommen kann.

a) Ausführliche Information(en)

b) Analgetikatestung (Methode zur Auswahl des optimalen Medikaments, auf welches ein Patient auch in einem evtl. später noch einmal auftretenden Bedarfsfalls zurückgreifen kann). Neben „klassischen“ Analgetika stehen hier noch Spasmolytika (Mittel gegen Krampfzustände) und schmerzlindernde Psychopharmaka (auch als Infusionen, individuell ausgetestet) zur Verfügung.

c) Therapeutische Lokalanästhesie

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht – bei Bauchschmerzen in dem Abschnitt zwischen Becken und Brustkorb. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt.

Die einfachste Methode ist eine wiederholte Triggerpunkt-Behandlung. Dabei werden schmerzhafte Reizpunkte in der entsprechenden Head Zone (= eine über das zugehörige Rückenmarksegment laufende Querverbindung zu dem zugeordneten inneren Organ) am Bauch infiltriert, wodurch es neben der erwünschten Schmerzstillung zu einer Entkrampfung und damit Durchblutungssteigerung der zugehörigen Eingeweide kommt.

Im nächsten Schritt, mit einer deutlich größeren Effektivität, steht die kontinuierliche epidurale (rückenmarknahe) Blockade mit Katheter* zur Verfügung. Diese Methode hat neben der Schmerzlinderung v. a. den vorteilhaften (Neben-)Effekt einer Durchblutungsförderung durch parallele Betäubung des sog. Grenzstrangs (paarige Nervenstränge des unwillkürlichen Nervensystems neben der Wirbelsäule). Das ist bei jeder entzündlichen Schmerzursache (Morbus Crohn, Kolitis ulcerosa, Gastritis, Adhäsionen, etc.) von großem Vorteil. Dieser fast schon kausale Ansatz kann nämlich, z. B. in vielen Fällen bei Morbus Crohn, eine Operation verhindern bzw. zeitlich erheblich hinauszögern (Der Nachweis wurde über eine englische Studie erbracht).

Auch tumorbedingte, abdominale Schmerzen können mit dieser Methode behandelt werden, allerdings setzt man dann eine Morphin-Lösung anstelle eines Lokalanästhetikums ein, da hier eine durchblutungsfördernde Gefäßerweiterung nicht gewünscht ist, weil diese eine weitere Streuung der Krebszellen begünstigen könnte.

d) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur
- Hochtontherapie/ „Transkutane Nervenstimulation“ (TENS)
- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen): Allgemeine Maßnahmen werden in jeder Schmerzklinik bei Bedarf angewendet. Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie sind sie in direkter Kombination zu anderen Therapieverfahren eine gute Ergänzung (z. B. gezielte Kolonmassagen).
- Wärme/ Kälte
- Entspannungsverfahren oder Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.
- diätetische Maßnahmen

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, sodaß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko relativ gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird dabei stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Dass die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.





Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim und Schmerzklinik am Arkauwald.


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Verwandte Suchbegriffe zu Bauchschmerzen:
Bauchbeschwerden, Abdominale Schmerzen, Abdominelle Schmerzen, viszerale Schmerzen, Abdomen, Oberbauchschmerz, Unterbauchschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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