27. April 2018

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Reizmagen

Reizmagen Bauchschmerzen Themen und Krankheit
Unter dem Begriff Reizmagen, oder auch funktionelle Dyspepsie, wird eine Reihe von Beschwerden des Oberbauchs zusammengefasst, denen keine erkennbare organische Störung zugrunde liegt und die mit Verdauungsbeschwerden einhergehen.

In einigen Fällen tritt ein Reizmagen auch zusammen mit anderen Erkrankungen des Verdauungstrakts auf, wie z.B. dem Reizdarm (Colon irritable).



Ursachen

Die genauen Ursachen für einen Reizmagen sind bislang noch nicht bekannt, es wird allerdings vermutet, dass folgende Faktoren eine Rolle spielen können:

- falsche Ernährung (z.B. zu viel Alkohol, Kaffee, Fett, Zucker, usw.)

- Medikamente (z.B. Acetylsalicylsäure)

- psychische Faktoren (v. a. Stress)

- Magenschleimhautentzündung (Gastritis), durch das Bakterium Helicobacter pylori

- Refluxerkrankung (durch aufsteigenden Magensaft)

- Erhöhte Empfindlichkeit des Magens gegenüber Magensäure und Gallenflüssigkeit

- Störungen der Magenentleerung

- Bewegungsstörungen (Peristaltikstörungen) des Magens bzw. Dünndarms



Symptome

Häufige Symptome eines Reizmagens sind:

- Schmerzen sowie ein Druck im Oberbauch

- Völlegefühl

- Übelkeit und Erbrechen

- Aufstoßen und Sodbrennen

- Eßstörungen, wie Appetitlosigkeit und Abneigung gegen bestimmte Nahrungsmittel

- Blähungen

- Stuhlgangbeschwerden

- Vegetative Beschwerden (z. B. Kreislaufprobleme)



Diagnostik

Um die Diagnose Reizmagen stellen zu können, muss der Arzt alle anderen Erkrankungen ausschließen können. Hierzu stehen folgende Untersuchungen zur Verfügung:

- genaue Anamnese (Erhebung der Krankengeschichte)

- Blutuntersuchung

- Ultraschall

- Magenspiegelung



Therapie

Zur Behandlung eines Reizmagens (funktionelle Dyspepsie) gibt es folgende Möglichkeiten:

1. Allgemeine Therapien
2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik


Details:

1. Allgemeine Therapien

a) Umstellen der Essgewohnheiten

- reichliche Flüssigkeitszufuhr (z. B. auch bestimmte Getränke wie warmer Kräutertee)

- Vermeidung von Alkohol, Nikotin, Kaffee und starken Gewürzen

- Kleinere Essportionen, dafür häufigere Nahrungszufuhr

- Professionelle Ernährungsberatung (Diät(en))

b) Medikamentös, je nach Ursache z.B. mit Antibiotika bei Infektion mit Helicobacter pylori, Säurehemmer zur Regulation der Magensäurebildung, oder Mobilitätsregulatoren, zur Behandlung von Peristaltikstörungen des Magens

c) Änderung des Lebensstils (Vermeidung von Stress, …)

d) Bei Unverträglichkeit bestimmter Medikamente bzw. von Schmerzmitteln Umstellung auf andere Präparate oder ergänzende Therapien, um eben auf diese nach Möglichkeit verzichten zu können.

e) Medikamentösen Schmerztherapie: Hier eignen sich hauptsächlich sog. Spasmolytika, das sind Mittel gegen Krampfzustände, so z. B. Buscopan®. Sog. nicht steroidale Antirheumatika (Rheumamittel) werden eher schlechter vertragen. Schwere Magenschmerzen sind manchmal dagegen nur durch zentral (im Gehirn / Rückenmark) wirkenden Analgetika (z. B. Tramadol, Valoron N®) zu lindern. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten.
Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch bei diesen Schmerzen wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen.

f) Gezielte psychotherapeutische Ansätze

g) Akupunktur

h) physikalische Ansätze z. B. Wärme (in Form einer Wärmflasche) oder T.E.N.S.

Wenn die Beschwerden bzw. Schmerzen bei einem Reizmagen nicht in den Griff bekommen werden, sind weiterführende Konzepte einer Schmerzklinik gefragt.


2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie bei chronischen Magenbeschwerden bzw. einem Reizmagen erfordert oftmals eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie, v. a. aber den gezielten Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, welche optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines stationären Aufenthalts zum Einsatz kommen kann.

a) Ausführliche Information(en)

b) Analgetikatestung (Methode zur Auswahl des optimalen Medikaments, auf welches ein Patient auch in einem evtl. später noch einmal auftretenden Bedarfsfalls zurückgreifen kann.). Neben „klassischen“ Analgetika stehen hier noch Spasmolytika (Mittel gegen Krampfzustände) und schmerzlindernde Psychopharmaka (auch als Infusionen, individuell ausgetestet) zur Verfügung.

b) Therapeutische Lokalanästhesie

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt.

Die einfachste Methode ist eine wiederholte Triggerpunkt-Behandlung. Dabei werden schmerzhafte Reizpunkte in der entsprechenden Head Zone (= eine über das zugehörige Rückenmarksegment laufende Querverbindung zu dem zugeordneten inneren Organ) am Bauch infiltriert, wodurch es neben der erwünschten Schmerzstillung zu einer Entkrampfung und damit Durchblutungssteigerung der zugehörigen Eingeweide kommt.

Im nächsten Schritt, mit einer größeren Effektivität, steht die kontinuierliche epidurale (rückenmarknahe) Blockade mit Katheter* zur Verfügung. Diese Methode hat neben der Schmerzlinderung v. a. den vorteilhaften (Neben-)Effekt einer Durchblutungsförderung durch parallele Betäubung des sog. Grenzstrangs (paarige Nervenstränge des unwillkürlichen Nervensystems neben der Wirbelsäule). Das ist bei jeder entzündlichen Schmerzursache (z. B. chronische Gastritis) von großem Vorteil.

c) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur
- Hochtontherapie/ „Transkutane Nervenstimulation“ (TENS)
- Wärme/ Kälte
- Entspannungsverfahren oder Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.
- Besondere diätetische Maßnahmen

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, so daß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

Leider sind solche Behandlungen ambulant kaum möglich, da nur ganz wenige, niedergelassene Psychologen über eine entsprechende Weiterbildung (spezielle Schmerzpsychotherapie) verfügen..

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird dabei stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Dass die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.





Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Bauchschmerzen:
Bauchbeschwerden, Abdominale Schmerzen, Abdominelle Schmerzen, viszerale Schmerzen, Abdomen, Oberbauchschmerz, Unterbauchschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

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