20. August 2014

Top6 Themen: Magenschmerzen - Bauchschmerzen

Magenschmerzen

Magenschmerzen Bauchschmerzen Themen und Krankheit
Magenschmerzen, oder auch als Gastralgie oder Gastrodynie bezeichnet, sind Schmerzen die vom Magen ausgehen. Der Magen (Gaster) ist ein Teil des Verdauungstraktes, der sich zwischen Speiseröhre und Zwölffingerdarm befindet. Er ist ein sehr muskulöses Hohlorgan.


Ursachen

Magenschmerzen können eine Vielzahl von Ursachen haben:

- Magengeschwür (Ulcus ventriculi): Meist befindet es sich im Bereich der Magenstraße und am Magenpförtner (Pylorus). Es kann allerdings bei längerem Bestehen tiefer werden und auch Nachbarorgane befallen (Ulcus penetrans) oder in die Bauchhöhle Durchbrechen (Ulcus perforans). Ein Faktor zur Entstehung eines Magengeschwürs können gramnegative Stäbchenbakterien sein (Helicobacter pylori). Komplikationen dieser Erkrankung sind eine Magenblutung, ein Magendurchbruch, eine Magenverengung und evtl. ein Magenkarzinom.

- Dyspepsie: dies ist ein Begriff für eine Vielzahl von Oberbauchbeschwerden: - Magenschleimhautentzündung (Gastritis),
- Refluxösophagitis (Entzündung der Speiseröhre durch Magen- oder Zwölffingerdarmsaft),
- Störungen im Bewegungsablauf von Magen und Darm (Motilitätsstörungen),
- Magen-, Zwölffingerdarmgeschwür (Ulcera ventriculi et duodeni),
- peptische Stenose (magensaftbedingte Enge),
- Sklerodermie (chronische Erkrankung mit bindegewebigen Verhärtungen),
- Achalasie (Erkrankung durch Erschlaffung der Magen/Darm-Muskulatur).

- Gastrospasmus: hierbei handelt es sich um einen Dauerkrampf des Magens, der z.B. durch ein Magengeschwür, einen Tumor, eine Magenschleimhautentzündung oder psychisch verursacht ist.

- Chronische Gastritis (Magenschleimhautentzündung): diese häufigste Ursache wird meist durch einen Befall der Magenschleimhaut mit dem Bakterium Helicobacter pylori verursacht. Weitere Ursachen sind Medikamente (z.B. Schmerzmittel), übermäßiger Alkohol- und Nikotingenuß oder eine Autoimmunerkrankung. Man unterscheidet außerdem eine granulomatöse (mit knötchenartigen Veränderungen) und eosinophile Magenschleimhautentzündung,

- Tumore.


Symptome

Magenschmerzen können verschiedene Formen annehmen (z. B. Magenkrämpfe, etc..) und von einer Reihe anderer Symptome begleitet werden. Je nach der ursächlichen Grunderkrankung kann sich so ein eigenes Bild ergeben, so z. B. bei:

- Ulcus ventriculi: die Schmerzen sind scharf umschrieben, nicht wie bei anderen Magenerkrankungen eher diffus.

- Dyspepsie: neben den Schmerzen kommt es bei dieser Erkrankung häufig zu Übelkeit, Völlegefühl und Sodbrennen.

- Chronische Gastritis: auch hier kommt es neben den Schmerzen zu Blähungen, Völlegefühl oder Aufstoßen nach Mahlzeiten.

- Tumore: hier kommt es zu anhaltenden Magenschmerzen.


Therapie

Zur Behandlung von Magenschmerzen gibt es folgende Möglichkeiten:

I. Kausale Therapien

II. (begleitende) Allgemein-schmerztherapeutische Ansätze

III. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik


Im Rahmen einer gegen die Ursache gerichtet, kausalen Therapie wird der behandelnde Arzt bzw. Facharzt immer versuchen, die ursächliche Grunderkrankung erfolgreich anzugehen. Parallel bestehende Magenschmerzen können dabei grundsätzlich durch begleitende, allgemeine schmerztherapeutische Ansätze behandelt werden.

I. Kausale Therapien

Eine kausale Therapie richtet sich generell nach der verursachenden Grunderkrankung. Mögliche Therapien bei Magenschmerzen sind:

- Medikamentöse Therapien
- Umstellung der Ernährungs- bzw. Trinkgewohnheiten
- Diät(en), je nach Ursache
- Darmsanierungen (z. B. bei Parasitenbefall)
- Operative Maßnahmen
- Gezielte psychotherapeutische Ansätze

Welche Therapie bzw. welche Therapien im Einzelfall die richtige bzw. richtigen sind muß jeweils genau abgewogen werden. Empfehlenswert ist grundsätzlich, v. a. vor der Durchführung von Operationen, sich die Meinung von mehreren (Fach-)Ärzten einzuholen.

Wichtiger Hinweis: Bei entzündlich bedingten, chronischen Magenschmerzen (chronische Gastritis), stellt die sog. kontinuierliche, epidurale (nahe am Rückenmark) Blockade mit Katheter (Methode der speziellen Schmerztherapie einer Schmerzklinik) eine fast kausale Therapie dar, da sie eine mangelhafte Durchblutung (wieder) in Gang bringt. In manchen Fällen kann sie eine OP verhindern oder lange hinauszögern

II. (begleitende) Allgemein-schmerztherapeutische Ansätze

- Medikamentösen Schmerztherapie: Hier eignen sich hauptsächlich sog. Spasmolytika, das sind Mittel gegen Krampfzustände, so z. B. Buscopan®. Sog. nicht steroidale Antirheumatika (Rheumamittel) werden eher schlechter vertragen. Schwere Magenschmerzen sind manchmal dagegen nur durch zentral (im Gehirn / Rückenmark) wirkenden Analgetika (z. B. Tramadol, Valoron N®) zu lindern. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten.
Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch bei diesen Schmerzen wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen.

- Akupunktur
- physikalische Ansätze z. B. Wärme (in Form einer Wärmflasche) oder T.E.N.S.
- bestimmte Getränke (z. B. warmer Kräutertee bei Magenbeschwerden)
- gezielte Physiotherapie (nur in manchen Fällen)

Bleiben Magenschmerzen nach kausalen und allgemein-schmerztherapeutischen Ansätzen weiterhin bestehen, sind weiterführende Konzepte einer Schmerzklinik gefragt.

III. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie bei chronischen Magenschmerzen erfordert oftmals eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie, v. a. aber den gezielten Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, welche optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines stationären Aufenthalts zum Einsatz kommen kann.

a) Ausführliche Information(en)

b) Analgetikatestung (Methode zur Auswahl des optimalen Medikaments, auf welches ein Patient auch in einem evtl. später noch einmal auftretenden Bedarfsfalls zurückgreifen kann.). Neben „klassischen“ Analgetika stehen hier noch Spasmolytika (Mittel gegen Krampfzustände) und schmerzlindernde Psychopharmaka (auch als Infusionen, individuell ausgetestet) zur Verfügung.

c) Therapeutische Lokalanästhesie

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt.

Die einfachste Methode ist eine wiederholte Triggerpunkt-Behandlung. Dabei werden schmerzhafte Reizpunkte in der entsprechenden Head Zone (= eine über das zugehörige Rückenmarksegment laufende Querverbindung zu dem zugeordneten inneren Organ) am Bauch infiltriert, wodurch es neben der erwünschten Schmerzstillung zu einer Entkrampfung und damit Durchblutungssteigerung der zugehörigen Eingeweide kommt.

Im nächsten Schritt, mit einer deutlich größeren Effektivität, steht die kontinuierliche epidurale (rückenmarknahe) Blockade mit Katheter* zur Verfügung. Diese Methode hat neben der Schmerzlinderung v. a. den vorteilhaften (Neben-)Effekt einer Durchblutungsförderung durch parallele Betäubung des sog. Grenzstrangs (paarige Nervenstränge des unwillkürlichen Nervensystems neben der Wirbelsäule). Das ist bei jeder entzündlichen Schmerzursache (z. B. chronische Gastritis, etc.) von großem Vorteil (speziell zur Vermeidung/ Hinauszögerung von OP-Maßnahmen, s. o.). br>
Auch tumorbedingte, abdominale Schmerzen können mit dieser Methode behandelt werden, allerdings setzt man dann eine Morphin-Lösung anstelle eines Lokalanästhetikums ein, da hier eine durchblutungsfördernde Gefäßerweiterung nicht gewünscht ist, weil diese eine weitere Streuung der Krebszellen begünstigen würde.

d) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur
- Hochtontherapie/ „Transkutane Nervenstimulation“ (TENS)
- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen): Allgemeine Maßnahmen werden in jeder Schmerzklinik bei Bedarf angewendet. Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie sind sie in direkter Kombination zu anderen Therapieverfahren eine gute Ergänzung (z. B. gezielte Kolonmassagen).
- Wärme/ Kälte
- Entspannungsverfahren oder Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.
- diätetische Maßnahmen

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, sodaß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird dabei stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Dass die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.





Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim und Schmerzklinik am Arkauwald.


Bauchschmerzen Krankheit   Bauchschmerzen Home

Verwandte Suchbegriffe zu Bauchschmerzen:
Bauchbeschwerden, Abdominale Schmerzen, Abdominelle Schmerzen, viszerale Schmerzen, Abdomen, Oberbauchschmerz, Unterbauchschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

Verwandte Schmerz-Themen von Bauchschmerzen

Bauchschmerzen Top6 Krankheiten

Krankheiten von Bauchschmerzen A-Z:

Sponsorenbereich
Anzeige

Anzeige
Aktuelle Gesundheitsnachrichten

Notfallversorgung: Ressourcen besser bündeln
(18.08.14) Drohender Personalmangel, steigende Einsatzzahlen beim Rettungsdienst und überfüllte Notaufnahmen ? so sieht derzeit vielerorts die Notfallversorgung aus. Einfach so weitermachen wie bisher, wäre fatal, meint der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen in seinem jüngsten Gutachten und rät dazu, die bestehenden Strukturen zu reformieren.
Artikel lesen...

AOK-Arztapp jetzt auch mit Express-Dolmetscher und Medizinwörterbuch
(18.08.14) Die kostenlose AOK-Arztapp hat jetzt noch mehr Funktionen. Ab sofort bietet die Anwendung auch einen Express-Dolmetscher und ein Medizinwörterbuch. Über 25 Piktogramme sind die wichtigsten medizinischen Themen abrufbar. Die Infos lassen sich in sieben Sprachen übersetzen. Mit der Erweiterung reagiert die AOK auf einen wachsenden Bedarf. Nach einer vom AOK-Bundesverband in Auftrag gegebenen Befragung, nutzt bereits jeder Vierte Online-Übersetzungshilfen bei Verständigungsschwierigkeiten im Ausland.
Artikel lesen...

Ab 2015 gilt nur noch die eGK
(18.08.14) Die "alte" Krankenversicherungskarte verliert am 31. Dezember ihre Gültigkeit. Darauf haben sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) und der GKV-Spitzenverband jetzt geeinigt. Die verlängerte Übergangsreg elung erlaubt es niedergelassenen Ärzten und Zahnärzten, Leistungen noch bis Jahresende über die alte Karte abrechnen. Ursprünglich sollte bereits zum Ende des dritten Quartals Schluss sein. Ab 1. Januar 2015 gilt ausschließlich die elektronische Gesundheitskarte (eGK) als Berechtigungsnachweis für die Inanspruchnahme von Leistungen.
Artikel lesen...

Weiterführende Links
Beliebte Suchworte



Anzeige