22. August 2017

Top6 Themen: Kolitis ulcerosa - Bauchschmerzen

Kolitis ulcerosa

Kolitis ulcerosa Bauchschmerzen Themen und Krankheit
Eine Kolitis (Dickdarmentzündung) ulcerosa, oder auch Colitis ulcerosa, ist eine entzündliche Erkrankung der Dickdarmschleimhaut.

Schätzungen zufolge leiden rund 35 000 – 45 000 Bürger der BRD an einer Kolitis ulcerosa, von denen wiederum ein Drittel Kinder und Jugendliche sind. Und jährlich kommen ca. 2 – 10 Neuerkrankungen pro 100 000 Einwohner hinzu.

Weitere Kolitis-Formen sind:

- Kolitis diverticulosa: hier liegen meist sackförmige Ausstülpungen der Dickdarmwand vor. - Kolitis cystica: mit Bildung schleimhaltiger Gewebehohlräume (Zysten).
- Kolitis infectiosa: diese Erkrankung wird durch Bakterien oder Viren hervorgerufen und tritt meist im Rahmen einer Enterokolitis auf.
- Kolitis regionalis: sie ist eine unspezifische Dickdarmerkrankung, welche der Kolitis ulcerosa sehr ähnlich ist und mit Ödemen einhergeht.
- Kolitis spastica: auch Kolon irritable genannt ist eine mit Krämpfen einhergehende Schleimhautentzündung des Dickdarms.


Ursachen

Wie es zu einer Kolitis ulcerosa kommt ist noch nicht ganz geklärt. Es wird aber vermutet, dass das Immunsystem und auch Umweltfaktoren eine entscheidende Rolle spielen. Außerdem scheinen auch psychosomatische Faktoren als Ursache in Frage zu kommen.


Symptome

Die Symptome einer Kolitis ulcerosa sind:

- Bauchschmerzen,
- Rektale Blutungen,
- Durchfall,
- Sehschwäche,
- Schmerzhafte Hautveränderungen an den Unterschenkeln,
- Gelenkentzündungen.

Man unterscheidet des Weiteren folgende Verlaufsformen:

- rezidivierender Typ, der immer wiederkehrt,
- chronischer Typ, der anhält,
- und fulminanter Typ, der blitzartig einsetzt und bei dem es zu einer Perforation (Durchbruch) oder einem toxischem Megakolon kommen kann.


Differentialdiagnose

Häufig handelt es sich bei einem Vorliegen der genannten Symptome nicht um eine Kolitis ulcerosa. Folgende Krankheiten können außerdem dahinter stecken:

- Morbus Crohn,
- Ischämische Kolitis (Dickdarmentzündung infolge einer Durchblutungsstörung),
- Strahlenenteritis (strahlenbedingte Dünndarmentzündung),
- Infektiöse Enteritiden (ansteckende Dünndarmentzündung).


Therapie

Für die Therapie einer Kolitis ulcerosa gibt es zwei Ansätze:

1. Allgemeine Therapien
2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik

1. Allgemeine Therapien

a) Umstellung der Ess- und Trinkgewohnheiten

- reichliche Flüssigkeitszufuhr,
- Vermeidung von Alkohol, Nikotin, Kaffee und starken Gewürzen,
- Kleinere Essportionen, dafür häufigere Nahrungszufuhr,
- Professionelle Ernährungsberatung.

b) (Medikamentöse) Behandlung mit:
Behandlung mit 5-Aminosalicylsäure, Sulfasalazin und Glucocorticoiden.
- bei Krämpfen: Spasmolytika (Mittel gegen Krampfzustände),
- bei Verstopfung: Abführmittel das stuhlerweichend wirkt,
- bei Durchfall: Quellmittel und stuhlganghemmende Medikamente.

c) Darmsanierungen (z. B. bei Parasitenbefall)

d) Medikamentöse Schmerztherapie: Zur medikamentösen Schmerztherapie eignen sich hauptsächlich die in Punkt b) bereits erwähnten sog. Spasmolytika, das sind Mittel gegen Krampfzustände, so z. B. Buscopan®. Sog. nicht steroidale Antirheumatika (Rheumamittel) werden eher schlechter vertragen. Schwere Schmerzen sind manchmal dagegen nur durch zentral (im Gehirn / Rückenmark) wirkenden Analgetika (z. B. Tramadol, Valoron N®) zu lindern. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten.
Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch bei diesen Schmerzen wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen.

e) Akupunktur

f) Gezielte psychotherapeutische Ansätze (bei psychosomatischen Hintergründen)

g) Wärme, T.E.N.S.

h) Operative Maßnahmen, z.B. eine Entfernung des Dickdarms (Kolektomie).

Zeigen die Ansätze zu wenig Wirkung, so daß die Beschwerden der Kolitis ulcerosa bestehen bleiben und chronisch werden, sind Methoden von erfahrenen Schmerztherapeuten gefragt. In einigen Fällen ist es auch empfehlenswert sich direkt an eine Schmerzklinik zu wenden. Hier gilt generell: Bauchschmerzen führen auf Dauer zu einer Art Überreizung - dies kann wiederum zu Dauerschmerzen führen, was wiederum eine Überreizung beinhaltet, und ein Teufelskreis beginnt. Die Methoden der sog. „speziellen Schmerztherapie“ können dem entgegnen. Dabei gilt grundsätzlich: „Je früher desto besser“.

2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie bei chronischen Bauchschmerzen im Zusammenhang mit einer Kolitis ulcerosa erfordert oftmals eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie, v. a. aber den gezielten Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, welche optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines stationären Aufenthalts zum Einsatz kommen kann.

a) Ausführliche Information(en)

b) Analgetikatestung (Methode zur Auswahl des optimalen Medikaments, auf welches ein Patient auch in einem evtl. später noch einmal auftretenden Bedarfsfalls zurückgreifen kann.). Neben „klassischen“ Analgetika stehen hier noch spezielle Spasmolytika (Mittel gegen Krampfzustände) und schmerzlindernde Psychopharmaka (auch als Infusionen, individuell ausgetestet) zur Verfügung.

c) Therapeutische Lokalanästhesie

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt.

Die einfachste Methode ist eine wiederholte Triggerpunkt-Behandlung. Dabei werden schmerzhafte Reizpunkte in der entsprechenden Head Zone (= eine über das zugehörige Rückenmarksegment laufende Querverbindung zu dem zugeordneten inneren Organ) am Bauch infiltriert, wodurch es neben der erwünschten Schmerzstillung zu einer Entkrampfung und damit Durchblutungssteigerung der zugehörigen Eingeweide kommt.

Im nächsten Schritt, mit einer deutlich größeren Effektivität, steht die kontinuierliche epidurale (rückenmarknahe) Blockade mit Katheter* zur Verfügung. Diese Methode hat neben der Schmerzlinderung v. a. den vorteilhaften (Neben-)Effekt einer Durchblutungsförderung durch parallele Betäubung des sog. Grenzstrangs (paarige Nervenstränge des unwillkürlichen Nervensystems neben der Wirbelsäule). Das ist bei jeder entzündlichen Schmerzursache (z. B. auch bei einer Kolitis ulcerosa) von großem Vorteil.

Wichtiger Hinweis: Bei entzündlich bedingten Bauchschmerzen, u. a. speziell bei einer Kolitis ulcerosa, stellt diese kontinuierliche, epidurale (= nahe am Rückenmark) Blockade mit Katheter eine fast kausale Therapie dar. In manchen Fällen kann sie eine OP verhindern oder lange hinauszögern (Details s. u.).

d) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden bei einer Kolitis ulcerosa ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur
- Hochtontherapie/ „Transkutane Nervenstimulation“ (TENS)
- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen): Allgemeine Maßnahmen werden in jeder Schmerzklinik bei Bedarf angewendet. Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie sind sie in direkter Kombination zu anderen Therapieverfahren eine gute Ergänzung (z. B. gezielte Kolonmassagen).
- Wärme/ Kälte
- Entspannungsverfahren oder Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.
- diätetische Maßnahmen

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, sodaß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird dabei stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Dass die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.





Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


Bauchschmerzen Krankheit   Bauchschmerzen Home

Verwandte Suchbegriffe zu Bauchschmerzen:
Bauchbeschwerden, Abdominale Schmerzen, Abdominelle Schmerzen, viszerale Schmerzen, Abdomen, Oberbauchschmerz, Unterbauchschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

Verwandte Schmerz-Themen von Bauchschmerzen

Bauchschmerzen Top6 Krankheiten

Krankheiten von Bauchschmerzen A-Z:

Sponsorenbereich
Anzeige

Anzeige
Aktuelle Gesundheitsnachrichten

Leitfaden "DMP erfolgreich umsetzen: Diabetes mellitus Typ 2 und Koronare Herzkrankheit" aktualisiert
(22.08.17) Die AOK hat den Leitfaden für Praxisteams zur erfolgreichen Umsetzung der Disease-Management-Programme (DMP) für Typ-2-Diabetiker und Patienten mit Koronarer Herzkrankheit (KHK) aktualisiert. Die Inhalte des Leitfadens orientieren sich an den Qualitätszielen des DMP Diabetes mellitus Typ 2 und des DMP Koronare Herzkrankheit. Der Leitfaden steht ab sofort zum kostenlosen herunterladen bereit.
Artikel lesen...

Weniger freiheitsentziehende Maßnahmen in der Pflege
(21.08.17) Die Zahl gerichtlich angeordneter freiheitsentziehender Maßnahmen (FEM) in Pflegeeinrichtungen geht zurück. Genehmigten Gerichte im Jahr 2010 in Betreuungsverfahren bundesweit noch über 98.000 FEM, waren es 2015 nach Angaben der Bundesregierung knapp 60.000. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hervor.
Artikel lesen...

Ärzte erzielen über 70 Prozent ihrer Einnahmen aus der GKV
(18.08.17) Arztpraxen in Deutschland verdienen fast drei Viertel ihrer Einnahmen mit Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Nur ein Viertel erfolgt aus Privatabrechnungen. Das hat das Statistische Bundesamt (Destatis) jetzt mitgeteilt. 2015 entfiele n 70,4 Prozent der Praxis-Einnahmen auf Kassenabrechnungen, 26,3 Prozent auf Privatabrechnungen und 3,3 Prozent auf sonstige selbstständige ärztliche Tätigkeiten.
Artikel lesen...

Weiterführende Links
Beliebte Suchworte



Anzeige