Darmschmerzen werden häufig als dumpf und bei einem Verschluss (Obstruktion) als krampfartig und wellenförmig empfunden.
Folgende Erkrankungen können zu Darmschmerzen führen:
- Colon irritable (Colon spasticum), auch Reizdarm genannt, ist eine Erkrankung des Dickdarms bei der er besonders Anfällig gegenüber den verschiedensten Schädlichkeiten ist. Oft tritt sie nach einer infektiösen oder parasitären Dickdarmentzündung auf. Sie kann aber auch psychosomatische oder allergische Ursachen haben.
- Morbus Crohn ist eine chronische entzündliche Erkrankung des Magen-Darm-Traktes, die meist das untere Ende des Dünndarms und den Dickdarm betrifft.
- Kolitis ulcerosa ist ebenfalls eine chronisch entzündliche Erkrankung, allerdings der Dickdarmschleimhaut (Kolonmukosa). Die Ursachen dieser Erkrankung sind noch weitgehend unbekannt.
- Tumore oder Metastasen.
Die Krankheitszeichen der unterschiedlichen Ursachen für Darmschmerzen sind:
Colon irritable:
- Darmschmerzen,
- Funktionsstörungen des Dickdarms,
- Völlegefühl,
- Blähungen,
- Rumoren,
- Wechsel zwischen Durchfall und Verstopfung.
Morbus Crohn:
- Bauch- bzw. Darmschmerzen,
- Gewichtsverlust,
- Durchfall,
- Fieber (im akuten Schub).
Kolitis ulcerosa:
- Bauch- bzw. Darmschmerzen,
- Blutungen aus dem Enddarm,
- Durchfall.
Therapie
Zur Therapie gibt es zwei gibt es drei Möglichkeiten:
I. Kausale Therapien
II. (begleitende) Allgemein-schmerztherapeutische Ansätze
III. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik
Im Rahmen einer gegen die Ursache gerichtet, kausalen Therapie wird der behandelnde Arzt bzw. Facharzt immer versuchen, die ursächliche Grunderkrankung erfolgreich anzugehen. Parallel bestehende Darmschmerzen können dabei grundsätzlich durch begleitende, allgemeine schmerztherapeutische Ansätze behandelt werden.
Zeigen die kausalen Ansätze zu wenig Wirkung, so daß Darmschmerzen bestehen bleiben und chronisch werden, sind Methoden von erfahrenen Schmerztherapeuten gefragt. In einigen Fällen ist es auch empfehlenswert sich direkt an eine Schmerzklinik zu wenden. Dabei gilt grundsätzlich: „Je früher desto besser“.
I. Kausale Therapien
Eine kausale Therapie richtet sich generell nach der verursachenden Grunderkrankung. Behandlungen sind z. B.:
- Medikamentöse Therapien
- Umstellung der Ernährungs- bzw. Trinkgewohnheiten
- Darmsanierungen (z. B. bei Parasitenbefall)
- Operative Maßnahmen
- Akupunktur
- Gezielte psychotherapeutische Ansätze (bei psychosomatischen Hintergründen)
Welche Therapie bzw. welche Therapien im Einzelfall die richtige bzw. richtigen sind muß jeweils genau abgewägt werden. Empfehlenswert ist grundsätzlich, v. a. vor der Durchführung von Operationen, sich die Meinung von mehreren (Fach-)Ärzten einzuholen.
Wichtiger Hinweis: Bei entzündlich bedingten Bauchschmerzen, speziell bei Morbus Crohn, stellt die sog. kontinuierliche, epidurale (= nahe am Rückenmark) Blockade mit Katheter (Methode der speziellen Schmerztherapie einer Schmerzklinik) eine fast kausale Therapie dar, da sie eine mangelhafte Durchblutung (wieder) in Gang bringt. In manchen Fällen kann sie eine OP verhindern oder lange hinauszögern (Details s. u.).
II. (begleitende) Allgemein-schmerztherapeutische Ansätze
Zur medikamentösen Schmerztherapie eignen sich hauptsächlich sog. Spasmolytika, das sind Mittel gegen Krampfzustände, so z. B. Buscopan®.
Sog. nicht steroidale Antirheumatika (Rheumamittel) werden eher schlechter vertragen. Schwere Schmerzen sind manchmal dagegen nur durch zentral (im Gehirn / Rückenmark) wirkenden Analgetika (z. B. Tramadol, Valoron N®) zu lindern. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten.
Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch bei diesen Schmerzen wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen.
Ansonsten können Akupunktur, manuelle Ansätze (z. B. Wärme in Form einer Wärmflasche) oder auch bestimmte Getränke (z. B. warmer Kräutertee bei Magenbeschwerden) eine Linderung von Bauchschmerzen ermöglichen. In manchen Fällen kann evtl. auch eine gezielte Physiotherapie eine Unterstützung bewirken.
III. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:
Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie bei chronischen Darmschmerzen erfordert oftmals eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie, v. a. aber den gezielten Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, welche optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines stationären Aufenthalts zum Einsatz kommen kann.
a) Ausführliche Information(en)
b) Analgetikatestung (Methode zur Auswahl des optimalen Medikaments, auf welches ein Patient auch in einem evtl. später noch einmal auftretenden Bedarfsfalls zurückgreifen kann.). Neben „klassischen“ Analgetika stehen hier noch Spasmolytika (Mittel gegen Krampfzustände) und schmerzlindernde Psychopharmaka (auch als Infusionen, individuell ausgetestet) zur Verfügung.
c) Therapeutische Lokalanästhesie
Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht – bei Darmschmerzen in dem Abschnitt zwischen Becken und Brustkorb. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt.
Die einfachste diesbezügliche Methode ist eine wiederholte Triggerpunkt-Behandlung. Dabei werden schmerzhafte Reizpunkte in der entsprechenden Head Zone (= eine über das zugehörige Rückenmarksegment laufende Querverbindung zu dem zugeordneten inneren Organ) am Bauch infiltriert, wodurch es neben der erwünschten Schmerzstillung zu einer Entkrampfung und damit Durchblutungssteigerung der zugehörigen Eingeweide kommt.
Im nächsten Schritt, mit einer deutlich größeren Effektivität, steht die kontinuierliche epidurale (rückenmarknahe) Blockade mit Katheter* zur Verfügung. Diese Methode hat neben der Schmerzlinderung v. a. den vorteilhaften (Neben-)Effekt einer Durchblutungsförderung durch parallele Betäubung des sog. Grenzstrangs (paarige Nervenstränge des unwillkürlichen Nervensystems neben der Wirbelsäule). Das ist bei jeder entzündlichen Schmerzursache (Morbus Crohn, Kolitis ulcerosa, Gastritis, Adhäsionen, etc.) von großem Vorteil. Dieser fast schon kausale Ansatz kann nämlich, z. B. in vielen Fällen bei Morbus Crohn, eine Operation verhindern bzw. zeitlich erheblich hinauszögern (Der Nachweis wurde über eine englische Studie erbracht).
Auch tumorbedingte, abdominale Schmerzen können mit dieser Methode behandelt werden, allerdings setzt man dann eine Morphin-Lösung anstelle eines Lokalanästhetikums ein, da hier eine durchblutungsfördernde Gefäßerweiterung nicht gewünscht ist, weil diese eine weitere Streuung der Krebszellen begünstigen würde.
d) Ergänzende Methoden
In einer Schmerzklinik werden ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:
- Spezielle Schmerz-Akupunktur
- Hochtontherapie/ „Transkutane Nervenstimulation“ (TENS)
- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen): Allgemeine Maßnahmen werden in jeder Schmerzklinik bei Bedarf angewendet. Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie sind sie in direkter Kombination zu anderen Therapieverfahren eine gute Ergänzung (z. B. gezielte Kolonmassagen).
- Wärme/ Kälte
- Entspannungsverfahren oder Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.
- diätetische Maßnahmen
Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, sodaß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.
* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird dabei stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Dass die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.
Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim und Schmerzklinik am Arkauwald.
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