22. August 2017

Top6 Themen: Blasenschmerzen - Bauchschmerzen

Blasenschmerzen

Blasenschmerzen Bauchschmerzen Themen und Krankheit
Schmerzen der Harnblase, auch Blasenschmerzen oder Zystodynie genannt, werden meist durch eine Reizung der Blasenwand in Folge einer Entzündung oder Überdehnung ausgelöst. Die häufigste Ursache ist allerdings eine Blasenentzündung, bei der eine akute und chronische Form unterschieden wird.

Folgende Ursachen können Blasenschmerzen auslösen:

- Blasenentzündung, häufig durch eine bakterielle Infektion,
- Harnblasenüberdehnung, oft durch eine Harnabflussstörung verursacht,
- Blasensteine,
- Blasenhalsentzündung,
- Verschluss (Obstruktion), z.B. durch ein Prostatakarzinom,
- Blasentamponade, hier ist die Blase mit geronnenem Blut gefüllt.
- Blasentumor,
- Gynäkologische Erkrankung (bei Frauen).

Blasenschmerzen gehen häufig mit folgender Symptomatik einher:

- Schmerzen in der Unterbauchregion,
- Druckschmerzen oberhalb des Schambeins,
- Häufiger Harndrang (Pollakisurie), oftmals fällt das Wasserlassen auch schwer und kann Schmerzen.
- Krämpfe in der Unterleibsregion.


Therapie

I. Allgemeine Ansätze

a) Kausale Therapien

Im ersten Schritt wird man immer versuchen, durch eine sog. kausale Therapien die direkte Ursache der Blasenschmerzen anzugehen.

Je nach Ursache können diese Therapien stark variieren. Bei einer entzündlich-bakteriellen Ursache ist z. B. Antibiotika das Mittel der ersten Wahl. Bei auslösenden Tumoren oder Blasensteinen stehen z. B. div. OP-Techniken zur Verfügung.

b) Begleitende Maßnahmen zur Linderung von Schmerzen und Beschwerden:

- Medikamentösen Schmerztherapie: Bei akuten Schmerzen eignen sich folgende Analgetika: Acetylsalicylsäure (z. B. ASS-ratiopharm®, Aspirin®), Paracetamol (z.B . ben-u-ron®) und sog. nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen (z. B. Brufen®, Dolgit®).
Begleitend können z. B. auch krampflösende Mittel verordnet werden (sog. Spasmolytika, so z. B. Buscopan®).

Schwere (chronische) Schmerzen bzw. schwere sind manchmal dagegen nur durch zentral (im Gehirn / Rückenmark) wirkenden Analgetika (z. B. Tramadol, Valoron N®) zu lindern. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten. Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch bei diesen Schmerzen wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen.

- Viel Trinken (speziell gut verträgliche Kräutertees, gerade bei akuten Beschwerden)

-Manuelle Ansätze (z. B. Wärmflasche, T.E.N.S.,…)

- Akupunktur

Werden die Blasenschmerzen chronisch sollte ein erfahrener Schmerztherapeut bzw. eine Fachklinik für Schmerztherapie kontaktiert werden. Hier gilt generell: Je früher desto besser.

II. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie bei chronischen Blasenbeschwerden erfordert oftmals eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie, v. a. aber den gezielten Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, welche optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines stationären Aufenthalts zum Einsatz kommen kann.

a) Ausführliche Information(en)

b) Analgetikatestung (Methode zur Auswahl des optimalen Medikaments, auf welches ein Patient auch in einem evtl. später noch einmal auftretenden Bedarfsfalls zurückgreifen kann.). Neben „klassischen“ Analgetika stehen hier noch Spasmolytika (Mittel gegen Krampfzustände) und schmerzlindernde Psychopharmaka (auch als Infusionen, individuell ausgetestet) zur Verfügung.

c) Therapeutische Lokalanästhesie

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt.

Die einfachste Methode ist eine wiederholte Triggerpunkt-Behandlung. Dabei werden schmerzhafte Reizpunkte in der entsprechenden Head Zone (= eine über das zugehörige Rückenmarksegment laufende Querverbindung zu dem zugeordneten inneren Organ) am Bauch infiltriert, wodurch es neben der erwünschten Schmerzstillung zu einer Entkrampfung und damit Durchblutungssteigerung der zugehörigen Eingeweide kommt.

Im nächsten Schritt, mit einer deutlich größeren Effektivität, steht die kontinuierliche epidurale (rückenmarknahe) Blockade mit Katheter* zur Verfügung. Diese Methode hat neben der Schmerzlinderung v. a. den vorteilhaften (Neben-)Effekt einer Durchblutungsförderung durch parallele Betäubung des sog. Grenzstrangs (paarige Nervenstränge des unwillkürlichen Nervensystems neben der Wirbelsäule). Das ist bei jeder entzündlichen Schmerzursache von großem Vorteil, also auch bei einer chronischen Blasenentzündung.
Auch tumorbedingte Schmerzen können mit dieser Methode behandelt werden, allerdings setzt man dann eine Morphin-Lösung anstelle eines Lokalanästhetikums ein, da hier eine durchblutungsfördernde Gefäßerweiterung nicht gewünscht ist, weil diese eine weitere Streuung der Krebszellen begünstigen würde.

d) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur
- Hochtontherapie/ „Transkutane Nervenstimulation“ (TENS)
- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen): Allgemeine Maßnahmen werden in jeder Schmerzklinik bei Bedarf angewendet. Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie sind sie in direkter Kombination zu anderen Therapieverfahren eine gute Ergänzung.
- Wärme/ Kälte
- Entspannungsverfahren oder Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, sodaß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird dabei stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Dass die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.



Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


Bauchschmerzen Krankheit   Bauchschmerzen Home

Verwandte Suchbegriffe zu Bauchschmerzen:
Bauchbeschwerden, Abdominale Schmerzen, Abdominelle Schmerzen, viszerale Schmerzen, Abdomen, Oberbauchschmerz, Unterbauchschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

Verwandte Schmerz-Themen von Bauchschmerzen

Bauchschmerzen Top6 Krankheiten

Krankheiten von Bauchschmerzen A-Z:

Sponsorenbereich
Anzeige

Anzeige
Aktuelle Gesundheitsnachrichten

Leitfaden "DMP erfolgreich umsetzen: Diabetes mellitus Typ 2 und Koronare Herzkrankheit" aktualisiert
(22.08.17) Die AOK hat den Leitfaden für Praxisteams zur erfolgreichen Umsetzung der Disease-Management-Programme (DMP) für Typ-2-Diabetiker und Patienten mit Koronarer Herzkrankheit (KHK) aktualisiert. Die Inhalte des Leitfadens orientieren sich an den Qualitätszielen des DMP Diabetes mellitus Typ 2 und des DMP Koronare Herzkrankheit. Der Leitfaden steht ab sofort zum kostenlosen herunterladen bereit.
Artikel lesen...

Weniger freiheitsentziehende Maßnahmen in der Pflege
(21.08.17) Die Zahl gerichtlich angeordneter freiheitsentziehender Maßnahmen (FEM) in Pflegeeinrichtungen geht zurück. Genehmigten Gerichte im Jahr 2010 in Betreuungsverfahren bundesweit noch über 98.000 FEM, waren es 2015 nach Angaben der Bundesregierung knapp 60.000. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hervor.
Artikel lesen...

Ärzte erzielen über 70 Prozent ihrer Einnahmen aus der GKV
(18.08.17) Arztpraxen in Deutschland verdienen fast drei Viertel ihrer Einnahmen mit Patienten der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Nur ein Viertel erfolgt aus Privatabrechnungen. Das hat das Statistische Bundesamt (Destatis) jetzt mitgeteilt. 2015 entfiele n 70,4 Prozent der Praxis-Einnahmen auf Kassenabrechnungen, 26,3 Prozent auf Privatabrechnungen und 3,3 Prozent auf sonstige selbstständige ärztliche Tätigkeiten.
Artikel lesen...

Weiterführende Links
Beliebte Suchworte



Anzeige