18. Dezember 2017

Top6 Themen: Blasenentzündung - Bauchschmerzen

Blasenentzündung

Blasenentzündung Bauchschmerzen Themen und Krankheit
Eine Blasenentzündung betrifft häufig sowohl die Harnblasenschleimhaut, als auch die ganze Harnblasenwand.

Hierbei unterscheidet man eine akute, durch bakterielle Infektionen, und eine chronische Form. Außerdem sind auch in den meisten Fällen die ableitenden Harnwege, wie die Harnröhre, der Harnleiter und die Nierenbecken betroffen, ein so genannter Harnwegsinfekt. Bei der unteren Harnwegsinfektion handelt es sich um eine Infektion der Harnröhre bzw. Harnblase und bei der oberen Harnwegsinfektion um eine Infektion des Nierenbeckens.

Die häufigste Ursache für eine Blasenentzündung sind bakterielle Infektionen, vor allem aus der Fäkalflora durch Escherichia coli, Enterokkoken, Proteus oder Staphylokokken. Bei jungen Frauen, bei denen aufgrund der kurzen Harnröhre Harnwegsinfektionen häufiger auftreten, kommen außerdem noch zunehmend Infektionen mit Chlamydia trachomatis, einem Zellparasiten, hinzu.

Weitere Auslöser sind:

- Infektion mit Schistosoma haematobium, einer Tropenkrankheit die vor allem in Afrika, Asien und dem Nahen Osten auftritt. Ca. 200 – 300 Mio. Menschen sind von diesem Parasiten befallen.

- Nierentuberkulose, diese Erkrankung ist in Mittel- und Westeuropa allerdings selten geworden.

- Viren, z.B. der Adeno- und Polyomavirus

- Pilze, z.B. Candida albicans von dem vor allem Abwehrgeschwächte und Patienten, die mit bestimmten Antibiotika behandelt werden, betroffen sind. - Auch radioaktive Bestrahlung, sowie bestimmte Chemotherapeutika zur Behandlung von Tumoren in diesem Bereich können zu Blasenentzündungen führen.

Frauen sind häufiger von Blasenentzündungen betroffen als Männer. Das liegt daran, dass die Harnröhre der Frauen wesentlich kürzer ist, als die der Männer und sich damit Infektionen leichter ausbreiten. Häufig treten hier Blasenentzündungen im Zuge eines Harnweginfekts oder bei falscher Hygiene auf, aber auch Geschlechtsverkehr ist ein Risikofaktor.

Weitere Risikofaktoren sind:

- der Öströgenmangel bei Frauen während den Wechseljahren fördert das Keimwachstum
- Abwehrschwäche; z.B. bei Kleinkindern, chronisch Kranken oder durch Medikamente wie Kortison
- Stoffwechselerkrankungen (z.B. Zuckerkrankheit oder Gicht)
- Harnabflussstörungen; z.B. durch Harnsteine, Fremdkörper oder Verengungen der Harnröhre
- Harnrückfluss in die Harnleiter
- Eingriffe an den Harnwegen, z.B. durch einen Blasenkatheter
- Genetische Faktoren, durch die eine erhöhte Haftung an der Schleimhaut der Harnröhre bewirkt wird
- Vergrößerte Prostata; meist bei älteren Männern
- Schwangerschaft und Geburt begünstigen ebenfalls das Eindringen von Keimen
- Spermizide zur Schwangerschaftsverhütung
- Reinigungsmittel und Intimsprays

Die Symptome einer Blasenentzündung sind:

- Das Wasserlassen fällt schwer (Dysurie)
- Schmerzen und Brennen beim Entleeren der Harnblase (Algurie)
- Häufiger Harndrang (Pollakisurie) mit geringen Harnmengen
- Schmerzen und eventuell Krämpfe über dem Schambein

In den meisten Fällen verläuft eine Blasenentzündung unproblematisch, allerdings kann es in manchen Fällen zu folgenden Komplikationen kommen:

- Nierenbeckenentzündung, die im schlimmsten Fall mit Nierenversagen endet.
- Blutvergiftung
- Entzündung der Prostata
- Nekrosen und Verkalkungen der Blasenwand, was zu einer so genannten Schrumpfblase führen kann

Zur Diagnose einer Blasenentzündung werden meist folgende Parameter herangezogen:

- Krankengeschichte
- Untersuchung des Urins (wolkiger, blutiger oder faul riechender Urin sind die ersten Hinweise, des Weiteren wird auch auf weiße und rote Blutkörperchen, Schleim, abgestorbene Zellreste untersucht und Bakterien)
- Ultraschall, um weitere Begleiterkrankungen, wie z.B. Harnsteine, ausschließen zu können.

Bei einer chronischen Blasenentzündung werden meist noch folgende Untersuchungen durchgeführt:

- Messung der Harnröhrenweite
- Uroflowmetrie
- Miktionszystourethgrafie
- Endoskopie


Therapie

I. Zur Behandlung von einer Blasenenzündung gibt es zunächst allgemeine Ansätze.

a) Medikamentöse Therapie

Bei einer bakteriellen Ursache wird der behandelnde Arzt bei einer akuten Blasenentzündung im Zweifelsfall immer auf die Behandlung mit Antibiotika zurückgreifen. Begleitend können z. B. auch krampflösende Mittel verordnet werden (sog. Spasmolytika, so z. B. Buscopan®).

Des weiteren gibt es auch kausale Therapien gegen andere Ursachen, wenn z. B. ein Parasitenbefall vorliegt.

b) Begleitende Maßnahmen zur Linderung von Schmerzen und Beschwerden:

- Viel Trinken (speziell gut verträgliche Kräutertees, gerade bei akuten Beschwerden)

-Manuelle Ansätze (z. B. Wärmflasche, T.E.N.S.,…)

- Medikamentösen Schmerztherapie: Bei akuten Schmerzen eignen sich folgende Analgetika: Acetylsalicylsäure (z. B. ASS-ratiopharm®, Aspirin®), Paracetamol (z.B . ben-u-ron®) und sog. nichtsteroidale Antirheumatika wie Ibuprofen (z. B. Brufen®, Dolgit®).
Schwere (chronische) Schmerzen bzw. schwere sind manchmal dagegen nur durch zentral (im Gehirn / Rückenmark) wirkenden Analgetika (z. B. Tramadol, Valoron N®) zu lindern. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten. Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch bei diesen Schmerzen wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen.

- Akupunktur (spez. bei chronischen Schmerzen)

Werden die mit einer Blasenentzündung in Zusammenhang stehenden Beschwerden chronisch sollte ein erfahrener Schmerztherapeut bzw. eine Fachklinik für Schmerztherapie kontaktiert werden. Hier gilt generell: Je früher desto besser.

II. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie bei chronischen Blasenbeschwerden erfordert oftmals eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie, v. a. aber den gezielten Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, welche optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines stationären Aufenthalts zum Einsatz kommen kann.

a) Ausführliche Information(en)

b) Analgetikatestung (Methode zur Auswahl des optimalen Medikaments, auf welches ein Patient auch in einem evtl. später noch einmal auftretenden Bedarfsfalls zurückgreifen kann.). Neben „klassischen“ Analgetika stehen hier noch Spasmolytika (Mittel gegen Krampfzustände) und schmerzlindernde Psychopharmaka (auch als Infusionen, individuell ausgetestet) zur Verfügung.

c) Therapeutische Lokalanästhesie

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt.

Die einfachste Methode ist eine wiederholte Triggerpunkt-Behandlung. Dabei werden schmerzhafte Reizpunkte in der entsprechenden Head Zone (= eine über das zugehörige Rückenmarksegment laufende Querverbindung zu dem zugeordneten inneren Organ) am Bauch infiltriert, wodurch es neben der erwünschten Schmerzstillung zu einer Entkrampfung und damit Durchblutungssteigerung der zugehörigen Eingeweide kommt.

Im nächsten Schritt, mit einer deutlich größeren Effektivität, steht die kontinuierliche epidurale (rückenmarknahe) Blockade mit Katheter* zur Verfügung. Diese Methode hat neben der Schmerzlinderung v. a. den vorteilhaften (Neben-)Effekt einer Durchblutungsförderung durch parallele Betäubung des sog. Grenzstrangs (paarige Nervenstränge des unwillkürlichen Nervensystems neben der Wirbelsäule). Das ist bei jeder entzündlichen Schmerzursache von großem Vorteil, also auch bei einer chronischen Blasenentzündung.
Auch tumorbedingte Schmerzen können mit dieser Methode behandelt werden, allerdings setzt man dann eine Morphin-Lösung anstelle eines Lokalanästhetikums ein, da hier eine durchblutungsfördernde Gefäßerweiterung nicht gewünscht ist, weil diese eine weitere Streuung der Krebszellen begünstigen würde.

d) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur
- Hochtontherapie/ „Transkutane Nervenstimulation“ (TENS)
- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen): Allgemeine Maßnahmen werden in jeder Schmerzklinik bei Bedarf angewendet. Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie sind sie in direkter Kombination zu anderen Therapieverfahren eine gute Ergänzung.
- Wärme/ Kälte
- Entspannungsverfahren oder Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, sodaß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird dabei stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Dass die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.



Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


Bauchschmerzen Krankheit   Bauchschmerzen Home

Verwandte Suchbegriffe zu Bauchschmerzen:
Bauchbeschwerden, Abdominale Schmerzen, Abdominelle Schmerzen, viszerale Schmerzen, Abdomen, Oberbauchschmerz, Unterbauchschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser

Verwandte Schmerz-Themen von Bauchschmerzen

Bauchschmerzen Top6 Krankheiten

Krankheiten von Bauchschmerzen A-Z:

Sponsorenbereich
Anzeige

Anzeige
Aktuelle Gesundheitsnachrichten

Neues Portal zu Demenz und Migration
(18.12.17) Menschen mit Demenz sind durch ihre Erkrankung häufig verunsichert und fühlen sich unverstanden. Bei Menschen mit fremden Wurzeln sind diese Gefühle oft noch stärker ausgeprägt. Damit ihre Bedürfnisse besser berücksichtigt werden, hat die Deutsche Alzheimer Gesellschaft ein neues Internetportal entwickelt. Das Angebot mit Informationen in verschiedenen Sprachen richtet sich an Beschäftigte in der Altenpflege sowie an Migranten.
Artikel lesen...

Podologie: Neue Vergütungsregelungen für 2018
(12.12.17) Der AOK-Bundesverband und die Berufsverbände der Podologen haben sich frühzeitig auf neue Vergütungssätze für den Bereich der Podologie verständigt. Diese treten am 1. Januar bzw. 1. Mai 2018 in Kraft. Erstmals haben die Berufsverbände der Podologen und der AOK-Bundesverband Vergütungsregelungen für einen längeren Zeitraum getroffen. Die Preisvereinbarungen gelten für jeweils 32 Monate und werden in drei Stufen umgesetzt.
Artikel lesen...

Pflege erhält einen Platz in der WHO
(11.12.17) Seit Mitte Oktober ist die Pflege in der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vertreten. Elizabeth Iro wurde als Chief Nursing Officer in das Führungsteam des WHO-Generaldirektors Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus berufen. Das hat die WHO mitgeteilt. Mit Iros B erufung löst der Dirketor ein Versprechen ein, dass er im Mai dieses Jahres beim Weltkongress der Pflegeberufe in Barcelona gegeben hatte.
Artikel lesen...

Weiterführende Links
Beliebte Suchworte



Anzeige