21. Oktober 2017

Top6 Themen: Handschmerzen - Arm und Beinschmerzen

Handschmerzen

Handschmerzen Arm und Beinschmerzen Themen und Krankheit
Die Hand besteht aus den Handwurzelknochen, der Mittelhand, den Fingern und verschiedenen Gewebestrukturen, wie Gelenken, Blutgefäßen, Sehnen, Muskeln, Bänder und Nerven.
Von Handschmerzen spricht man nun, wenn von einer oder mehrerer dieser Strukturen Schmerzen ausgehen.



Ursachen: Handschmerzen

Im Folgenden werden eine Reihe von Erkrankungen vorgestellt, welche Handschmerzen verursachen können:

- Morbus Sudeck (CRPS Typ I) ist eine Erkrankung die mit reaktiven, neurovaskulären Weichteil- und Knochenveränderung einhergeht, welche durch Verletzungen, Entzündungen oder Nervenschädigungen hervorgerufen werden.
(Infromationen zu Morbus Sudeck)

- Sehnenerkrankungen, wie eine Sehnenscheidenentzündung, welche durch eine mechanische Überlastung zu winzigen Verletzungen (Mikrotraumen) verursacht wird, oder Verengungen der Sehnenscheiden, führen ebenfalls häufig zu Handschmerzen.

- Phantomschmerzen, wie sie z.B. nach Armamputationen auftreten, können ebenfalls als „Handschmerzen“ vorherrschen.
(Infromationen zu Phantomschmerzen)

- Manchmal kann auch eine Dupuytren’sche Kontraktur zu Handschmerzen führen. Hierbei handelt es sich um eine gutartige und strangförmige Bindegewebswucherung in der Hand, welche zu einer Streckhemmung, gelegentlich zusammen mit einer unwillkürlichen Dauerverkürzung (Adduktionskontraktur), führt.

- Eine Cheiralgia paraesthetica wird durch eine Kompression des N. digitalis dorsalis hervorgerufen und geht mit Daumenschmerzen, Missempfindungen an der äußeren Daumenseite und am daumenseitigen Handrücken einher.

- Seltener können auch eine Knochenentzündung (Ostitis) oder eine Knochenhautentzündung (Periostotis) zu Handschmerzen führen.


Erkrankungen, bei denen unter anderem Handschmerzen auftreten können, sind:

- Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, welche sowohl sensible als auch motorische Nerven betrifft. Symptome sind Missempfindungen, Sensibilitätsstörungen und Schmerzen, vor allem in Füßen, Unterschenkel und Händen.

Informationen zu:
Diabetische Polyneuropathie
Alkoholische Polyneuropathie
Toxische Polyneuropathie

- Häufig führen auch Affektionen (Erkrankungen) im Handgelenk zu Handschmerzen.

- Morbus Raynaud, eine Erkrankung bei der im weitesten Sinne Durchblutungsstörungen, infolge von Gefäßspasmen, in den Händen oder Füßen vorliegen, führt besonders bei Kälteexposition zu Schmerzen.

- Beim Schulter-Hand-Syndrom bestehen Ruheschmerzen im Bereich des Armes, welche bei Belastung verstärkt werden. Begleitend können vegetative Begleitsymptome wie Kälte, Zyanose oder Schwitzen auftreten.

- Das Karpaltunnel-Syndrom ist ein Kompressionssyndrom des N. medianus, welches mit Brennschmerzen in der Hand und des angrenzenden Unterarms, vor allem bei Dorsalflexion, einhergeht. Je nach Schwere können Hyp- und Parästhesien, Kältegefühl, Hyperhidrose und Atrophie der Daumenballenmuskulatur auftreten.

- Eine Erythromelalgie ist eine Hauterkrankung mit Durchblutungsstörungen. Die Durchblutungsstörungen beruhen nicht auch einem Blutmangel, sondern auf einer überschießenden Durchblutung. Symptome sind brennende Schmerzen im Bereich der Füße, aber auch im Handbereich, welche durch Wärme verstärkt werden. Des Weiteren sind die Schmerzbereiche häufig gerötet, teilweise auch zyanotisch und es können Ödeme auftreten.

- Weitere Erkrankungen sind eine Arthritis oder Arthrose der Fingergelenke.
(Infromationen zu: Arthrose)

Therapie Handschmerzen

Bei der Therapie von Handschmerzen kommen im ersten Schritt allgemeine Therapieansätze zum Einsatz. Zeigen diese zu wenig Wirkung, oder werden die Beschwerden chronisch (Schmerzen länger als 3-6 Monate) sind Konzepte der „speziellen Schmerztherapie“ bzw. weiterführende multimodale Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik gefragt. Dabei gilt generell: „Je früher, desto besser“.

Details

1. Allgemeine Therapien

a) Medikamentöse Schmerztherapie:
Bei akuten (plötzlich einsetzenden, heftigen) und subakuten (eher schleichend verlaufenden) Schmerzen können zunächst bzw. vorwiegend peripher wirkende Schmerzmittel (Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden. Insbesondere sind hier sog. nicht steroidale Antirheumatika (= „Rheumamittel“) zu erwähnen, aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende, zum Beispiel Mobec®. Sehr magenschonend und zudem auch entzündungshemmend sind sog. COX-2 Inhibitoren ((z. B. Parecoxib (Dynastat®) o. Etoricoxib (Arcoxia®)). Muskelrelaxanzien (Mittel zur Muskelentspannung) wie Baclofen (z. B. Lioresal®) können als Ergänzung ebenfalls hilfreich sein. Alternativ kommt ansonsten aus der Gruppe der zentral wirksamen (im Rückenmark bzw. Gehirn wirkenden) Schmerzmittel Tramadol (z. B. Tramal®) in Frage. Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch z. T. bei Schmerzen wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen.

b) Akupunktur

c) Operative Maßnahmen, z.B. bei einem Karpaltunnel-Syndrom die Dekompression des N. medianus

d) Physikalische Therapie- z. B.: T.E.N.S., Wärme, Kälte, Massagen, Krankengymnastik,..


2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie von Handschmerzen erfordert meistens eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie – dieses Konzept bezeichnet man heute als multimodal. Diese Therapie, v. a. der gezielte Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, kann allerdings optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines mehrwöchigen Aufenthalts in einer Schmerzklinik durchgeführt werden.Die einzelnen Methoden einer Schmerzklinik sind:

a) Ausführliche Information(en)
b) Analgetikatestung
c) Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade). Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden. Gerade diese „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“ kann zum Teil erstaunliche Erfolge aufweisen, auch deshalb, weil sie parallel auch eine deutliche lokale Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse) ermöglicht.

d) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden bei Handschmerzen ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur
- Hochtontherapie
- Physiotherapie
(Krankengymnastik und andere Anwendungen): Allgemeine Maßnahmen werden in jeder Schmerzklinik bei Bedarf angewendet. Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie sind sie in direkter Kombination zu anderen Therapieverfahren eine gute Ergänzung.
- Wärme/ Kälte
- Entspannungsverfahren oder Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, so daß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

Leider sind solche Behandlungen ambulant kaum möglich, da nur ganz wenige, niedergelassene Psychologen über eine entsprechende Weiterbildung (spezielle Schmerzpsychotherapie) verfügen..

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muss also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Dass die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.



Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


Arm und Beinschmerzen Krankheit   Arm und Beinschmerzen Home

Verwandte Suchbegriffe zu Arm und Beinschmerzen:
Beinschmerzen, Armschmerzen, Brachialgie, Armneuralgie, Armbeschwerden, Beinbeschwerden, Gliederschmerz, Extremitätenschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser
Weitere Information zu Arm- und Beinschmerzen finden Sie unter folgenden verwandten Themen Armschmerzen und Beinschmerz-Formen weitere Themen...

Verwandte Schmerz-Themen von Arm und Beinschmerzen

Arm und Beinschmerzen Top6 Krankheiten

Krankheiten Arm und Beinschmerzen A-Z:

Sponsorenbereich
Anzeige

Anzeige
Aktuelle Gesundheitsnachrichten

Expertenstandard: Einrichtungen für Erprobung gesucht
(20.10.17) Das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) sucht Pflegeeinrichtungen, die an der Erprobung des neuen Expertenstandards "Beziehungsgestaltung in der Pflege von Menschen mit Demenz" teilnehmen wollen. Sie können sich bis zum 10. November 2017 beim DNQP anmelden.
Artikel lesen...

Rahmenvorgaben für Heilmittel 2018 veröffentlicht
(19.10.17) Im Jahr 2018 werden die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Heilmittel um 3,9 Prozent steigen, das entspricht einer Summe von etwa 230 Millionen Euro. Darauf haben sich der GKV-Spitzenverband (GKV-SV) und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) im Rahmen der Verhandlungen zu den überregionalen Rahmenvorgaben für Heilmittel geeinigt.
Artikel lesen...

Umstellung auf Pflegegrade war erfolgreich
(17.10.17) Die Überleitung von Pflegestufen in Pflegegrade erfolgte weitestgehend problemlos. Das geht aus einer Pressemitteilung des Bundesversicherungsamtes (BVA) hervor. Die Pflegegrade ersetzen seit Januar 2017 die bisherigen Pflegestufen bei der Bewertung der Pflegebedürftigkeit durch die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung.
Artikel lesen...

Weiterführende Links



Anzeige