24. November 2017

Top6 Themen: Beckenschmerzen - Arm und Beinschmerzen

Beckenschmerzen

Beckenschmerzen Arm und Beinschmerzen Themen und Krankheit
Beckenschmerzen betreffen den knöchernen Beckengürtel, welcher aus Darm-, Scham-, Sitz-, sowie Kreuz- und Steißbein besteht.


Abzugrenzen sind Beckenschmerzen von Schmerzen die auf Erkrankungen der Organe im Becken (z.B. Harnleiter, Blase) zurückzuführen sind, diese werden Unterbauch- oder auch Unterleibsschmerzen genannt.



Ursachen bei Beckenschmerzen (Schmerzen im Becken)

Oftmals liegt einem Beckenschmerz das so genannte Beckenringsyndrom zugrunde, welches eine schmerzhafte Störung im Bereich der beiden Hüftbeine und dem Kreuzbein ist. Und häufig liegen auch verschiedene Störungen gleichzeitig vor, wie:

- Iliosakralgelenksblockade (Störung des Gelenks zwischen Kreuzbein und Beckenboden) mit Irritationszone an M. glutaeus medius

- Reizungen des Bandapparates

- Periostale Reizzustände
bei Ansatztendinosen (gereizte Sehnenansätze)

- Verspannungen mit Triggerpunkten der pelvitrochantären Muskulatur

Die häufigsten Ursachen für Beckenschmerzen sind aber wahrscheinlich verletzungsbedingt, wie z.B. Prellungen oder Frakturen.
Eine weitere Mögliche Ursache sind Tumore und insbesondere Metastasen (Tochtergeschwülste).



Symptome bei Beckenschmerzen

Die Schmerzsymptomatik bei Beckenschmerzen ist recht vielfältig. So kann es zu Schmerzausstrahlungen in die Leiste, die Beine und ins Gesäß kommen. Außerdem sind häufig bei Einklemmungen neurologische Ausfälle zu beobachten. Als typisch gilt das plötzliche Wegknicken des Beines ohne konstante motorische Ausfälle.



Therapie bei Beckenschmerzen

Bei der Therapie von Beckenschmerzen kommen im ersten Schritt allgemeine Therapieansätze zum Einsatz. Zeigen diese zu wenig Wirkung, oder werden die Beschwerden chronisch (Schmerzen länger als 3-6 Monate) sind Konzepte der „speziellen Schmerztherapie“ bzw. weiterführende multimodale Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik gefragt. Dabei gilt generell: „Je früher, desto besser“.

Details:

1. Allgemeine Therapien

a) Medikamentöse Schmerztherapie:

Bei akuten (plötzlich einsetzenden, heftigen) und subakuten (eher schleichend verlaufenden) Schmerzen können zunächst bzw. vorwiegend peripher wirkende Schmerzmittel (Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden. Insbesondere sind hier sog. nicht steroidale Antirheumatika (= „Rheumamittel“) zu erwähnen, aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende, zum Beispiel Mobec®. Sehr magenschonend und zudem auch entzündungshemmend sind sog. COX-2 Inhibitoren ((z. B. Parecoxib (Dynastat®) o. Etoricoxib (Arcoxia®)). Muskelrelaxanzien (Mittel zur Muskelentspannung) wie Baclofen (z. B. Lioresal®) können als Ergänzung ebenfalls hilfreich sein. Schwere Schmerzen sind manchmal dagegen nur durch zentral (im Gehirn / Rückenmark) wirkende Analgetika (z. B. Tramadol, Valoron N®) zu lindern. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten. Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch z. T. bei Schmerzen wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen.

b) Akupunktur

c) Physikalische Therapie - z. B.: T.E.N.S., Wärme, Kälte, Krankengymnastik, Chirotherapie,..


2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie von Beckenschmerzen erfordert meistens eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie – dieses Konzept bezeichnet man heute als multimodal. Diese Therapie, v. a. der gezielte Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, kann allerdings optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines mehrwöchigen Aufenthalts in einer Schmerzklinik durchgeführt werden. Die einzelnen Methoden einer Schmerzklinik sind:

a) Ausführliche Information(en)

b) Analgetikatestung

c) Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade). Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden. Gerade diese „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“ kann zum Teil erstaunliche Erfolge aufweisen, auch deshalb, weil sie parallel auch eine deutliche lokale Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse) ermöglicht.

d) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden bei Beckenschmerzen ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur

- Hochtontherapie

- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen): Allgemeine Maßnahmen werden in jeder Schmerzklinik bei Bedarf angewendet. Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie sind sie in direkter Kombination zu anderen Therapieverfahren eine gute Ergänzung.

- Wärme/ Kälte

- Entspannungsverfahren oder Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, so daß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

Leider sind solche Behandlungen ambulant kaum möglich, da nur ganz wenige, niedergelassene Psychologen über eine entsprechende Weiterbildung (spezielle Schmerzpsychotherapie) verfügen.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Daß die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, daß diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.



Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


Arm und Beinschmerzen Krankheit   Arm und Beinschmerzen Home

Verwandte Suchbegriffe zu Arm und Beinschmerzen:
Beinschmerzen, Armschmerzen, Brachialgie, Armneuralgie, Armbeschwerden, Beinbeschwerden, Gliederschmerz, Extremitätenschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser
Weitere Information zu Arm- und Beinschmerzen finden Sie unter folgenden verwandten Themen Armschmerzen und Beinschmerz-Formen weitere Themen...

Verwandte Schmerz-Themen von Arm und Beinschmerzen

Arm und Beinschmerzen Top6 Krankheiten

Krankheiten Arm und Beinschmerzen A-Z:

Sponsorenbereich
Anzeige

Anzeige
Aktuelle Gesundheitsnachrichten

Gelenkersatz: Welche Klinik kann's?
(24.11.17.) Wegen ihres lädierten Knies oder ihrer kaputten Hüfte denken viele Betroffene über ein Implantat nach. Doch welche Kliniken erzielen gute Ergebnisse beim Einsatz künstlicher Gelenke? Und wie steht es um die Standzeiten der Implantate? Sowohl Routinedaten wie auch das stetig wachsende Endoprothesenregister (EPRD) liefern Patienten wie einweisenden Ärzten wichtige Hinweise.
Artikel lesen...

Qualitätsmonitor: Viele vermeidbare Todesfälle durch "Gelegenheitschirurgie" bei Krebs-OPs
(23.11.17) Viele Patienten in Deutschland sterben zu früh, weil sie in Kliniken operiert werden, die zu wenig Erfahrung mit komplizierten Krebs-OPs haben. So könnte allein die Zahl der Todesfälle infolge von Lungenkrebs-Operationen durch die Einführung einer Mindestmenge von 108 Eingriffen pro Jahr um etwa ein Fünftel sinken. Das zeigt eine Analyse auf Basis der Krankenhaus-Abrechnungsdaten für den Qualitätsmonitor 2018.
Artikel lesen...

Innovationsfonds: Ausgewählte Projekte der dritten Förderwelle veröffentlicht
(22.11.17) Der Innovationsausschuss beim gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) hat seine Informationen zu den Förderprojekten aktualisiert. Veröffentlicht wurde jetzt die Liste der geförderten Projekte zur dritten Förderwelle im Bereich der neuen Vers orgungsformen.
Artikel lesen...

Weiterführende Links



Anzeige