24. Juni 2017

Top6 Themen: Schultergelenksarthrose - Arm und Beinschmerzen

Schultergelenksarthrose

Schultergelenksarthrose Arm und Beinschmerzen Themen und Krankheit
Als Schultergelenksarthrose oder auch Omarthrose bezeichnet der Mediziner einen Gelenkverschleiß im Schultergelenk (also das Gelenk zwischen Schulterblatt und Oberarmknochen = Articulatio humeri).


Diese Erkrankung ist vorwiegend abnutzungsbedingt und tritt – allerdings mit großen Schwankungen – vorwiegend im höheren Alter auf. Da das Schultergelenk aber bei weitem nicht so stark belastet wird wie z.B. die Hüfte oder das Knie, ist eine Arthrose in diesem auch wesentlich seltener. Die Omarthrose beginnt – im Prinzip wie jede Arthrose anderer Gelenke auch - zunächst als eine Erkrankung des Gelenkknorpels, wodurch es im weiteren Verlauf zu einer Umbildung des knorpelnahen Knochens kommt, was mit Schmerzen, Schwellungen, Bewegungseinschränkung und Deformierung der Gelenke einhergeht.



Ursachen bei einer Schultergelenksarthrose

Bei der Arthrose im Schultergelenk unterscheidet man – gleichfalls wie bei den Abnutzungserscheinungen in anderen Gelenken, generell zwei verschiedene Formen:

1. Idiopathische bzw. primäre Schultergelenksarthrose:

Bei dieser Arthrose-Form ist die Ursache unbekannt. Sie ist entweder auf einen normalen, altersbedingten Verschleiß des Knorpels oder auf eine anlagebedingte Minderwertigkeit des Gelenkknorpels zurückzuführen, ohne dass eine Vorschädigung bzw. Vorerkrankung besteht.

2. Sekundäre bzw. symptomatische Arthrose:
Diese Arthrose ist Folge einer Vorerkrankung, wie z. B.:

- Brüche (Frakturen) gelenknaher Knochen (posttraumatische Arthrose)
- angeborene Gelenkausrenkungen (kongenitale Gelenkluxationen)
- Überlastungen
- Omarthritis (Schultergelenksentzündung)
- Nekrosen des Gelenkkopfes (Gewebeuntergang durch schädigenden Einfluss)


Symptome bei einer Schultergelenksarthrose

Da ein Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit des Gelenkknorpels vorherrscht, macht sich die Schultergelenksarthrose beim Patienten zu Beginn nur in einem Schmerz bei Bewegung bemerkbar. Erst im weiteren Verlauf nehmen die funktionseinschränkenden Veränderungen so stark zu, dass später einerseits auch ein Ruheschmerz hinzukommt, das Gelenk andererseits auch einsteifen kann. Darüber hinaus kommt es immer wieder zu entzündlichen Schüben.


Therapie bei einer Schultergelenksarthrose

Bei der Therapie der Schultergelenksarthrose kommen im ersten Schritt allgemeine Therapieansätze zum Einsatz. Zeigen diese zu wenig Wirkung, oder werden die Beschwerden chronisch (Schmerzen länger als 3-6 Monate) sind Konzepte der „speziellen Schmerztherapie“ bzw. weiterführende multimodale Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik gefragt. Dabei gilt generell: „Je früher, desto besser“.

Zunächst existieren im Zusammenhang mit einer Schultergelenksarthrose einige Präventionsmöglichkeiten. Grundsätzlich sollten dauerhafte Überbelastungen und Fehlhaltungen mit unphysiologischer Gelenkbelastung vermieden werden. Des Weiteren ist es heute erwiesen, dass Menschen mit einem zu niedrigen Selen-Spiegel eher an einer Arthrose erkranken als andere. In solchen Fällen kann also die gezielte Einnahme von Selen eine Arthrose zumindest verzögern.

Für die Therapie einer Schultergelenksarthrose stehen heute zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung. Dabei sollte grundsätzlich sehr gut abgewogen werden, welche Therapie die passende ist. Operative Maßnahmen, so gut manche auch sind, sind leider zum Teil auch mit erheblichen Risiken verbunden. Gerade hier bietet heute die spezielle Schmerztherapie einiger Schmerzkliniken eine nebenwirkungsarme Alternative, die grundsätzlich vor jeder OP in Erwägung gezogen werden sollte.


1. Allgemeine Therapien

a) Medikamentöse Schmerztherapie:

Das Mittel der ersten Wahl sind peripher wirkende Schmerzmittel (Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken). Insbesondere sind hier sog. nicht steroidale Antirheumatika (= „Rheumamittel“) zu erwähnen, aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende, zum Beispiel Mobec®. Sehr magenschonend und zudem auch entzündungshemmend sind sog. COX-2 Inhibitoren ((z. B. Parecoxib (Dynastat®) o. Etoricoxib (Arcoxia®)).Bei chronischen Formen, die theoretische eine regelmäßige Einnahme von Medikamenten erfordern würden, muß diese Therapieform allerdings als Notlösung betrachtet werden. Analgetika (Schmerzmittel) können Nebenwirkungen haben, ein Gewöhnungseffekt kann eintreten und im schlimmsten Fall ist ein Medikamentenkopfschmerz oder eine Medikamentenabhängigkeit die Folge. Bei starken, schmerzhaften Muskelverspannungen können ergänzend Muskelrelaxanzien (Mittel zur Muskelentspannung) (z. B. Norflex®, Mydocalm®) eine Lösung sein. Schwere Schmerzen sind manchmal dagegen nur durch zentral (im Gehirn / Rückenmark) wirkende Analgetika (z. B. Tramadol, Valoron N®) zu lindern. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten. Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch z. T. bei Schmerzen wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen.

b) Akupunktur

c) Operative Methoden im fortgeschrittenen Stadium:

- Künstliches Schultergelenk (Endoprothese), aber nur dann, wenn die sog. Rotatorenmanschette, eine das Gelenk stabilisierende Gruppe aus mehreren Muskeln intakt ist, sonst
- Gelenkversteifung (Arthrodese)

d) Physikalische Therapie:
z.B.: T.E.N.S., Wärme, Kälte, Massagen, Krankengymnastik


2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie der Schultergelenksarthrose erfordert meistens eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie – dieses Konzept bezeichnet man heute als multimodal. Diese Therapie, v. a. der gezielte Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, kann allerdings optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines mehrwöchigen Aufenthalts in einer Schmerzklinik durchgeführt werden. Die einzelnen Methoden einer Schmerzklinik sind:

a) Ausführliche Information(en)

b) Analgetikatestung

c) Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade).

Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden. Gerade diese „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“ kann zum Teil erstaunliche Erfolge aufweisen, auch deshalb, weil sie parallel auch eine deutliche lokale Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse) ermöglicht, und die Arthrose und damit auch die Schulterarthrose ist letztlich auf eine nicht ausreichende Durchblutung zurückzuführen.

d) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden bei der Schultergelenksarthrose ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur
- Hochtontherapie
- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen):

Die oben beschriebenen allgemein physiotherapeutischen Maßnahmen werden auch in jeder Schmerzklinik bei Bedarf angewendet. Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie ist bei der Behandlung einer Schultergelenksarthrose dagegen die sog. „heilgymnastische Therapie“ unverzichtbar. In den meisten Fällen sind nur diese geeignet, den ärztlichen Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren. Aus diesem Grund erfolgt die heilgymnastische Therapie in einer Schmerzklinik in sehr enger Rücksprache mit dem behandelnden Arzt. Darüberhinaus können Wärme- oder Kälteanwendungen zusätzliche Erfolge bringen.

- Entspannungsverfahren oder Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, dass nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, so dass zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

Leider sind solche Behandlungen ambulant kaum möglich, da nur ganz wenige, niedergelassene Psychologen über eine entsprechende Weiterbildung (spezielle Schmerzpsychotherapie) verfügen.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Daß die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, daß diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.



Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser
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