16. September 2014

Top6 Themen: Schulter-Arm-Schmerzen - Arm und Beinschmerzen

Schulter-Arm-Schmerzen

Schulter-Arm-Schmerzen Arm und Beinschmerzen Themen und Krankheit
Schulter-Arm-Schmerzen (der Mediziner spricht vom Schulter-Arm-Syndrom) beschreiben Störungen, die viele verschiedene Ursachen haben können und im Nacken, vor allem aber auch im Schultergürtel, den Armen oder dem Kopf auftreten können.

Meist lassen sie sich auf eine Erkrankung der Halswirbelsäule zurückführen.
Die Wirbelsäule ist in ihrer Funktion als relativ statisches Achsenorgan großen Belastungen ausgesetzt. Es treten daher entsprechend häufig Verschleißerscheinungen auf, die über normale Abnutzungserscheinungen mit zunehmendem Alter hinausgehen und dadurch oft Beschwerden verursachen. Allerdings sollte man wissen, dass einerseits sogar höhergradige Verschleißprozesse nicht unbedingt zu Schmerzen führen müssen, es andererseits auch keine statistische Beziehung gibt zwischen dem Ausmaß der Störungen und der vom Patienten beklagten Schmerzintensität. Was daraus folgt ist, dass Beschwerden, die durch zu erwartende abnutzungsbedingte Erscheinungen theoretisch erklärbar wären, nicht sofort dazu führen, keine weitere Diagnostik mehr zu unternehmen.



Symptome bei Schulterschmerzen und Armschmerzen

Von Schulter-Arm-Schmerzen betroffene Patienten klagen über Nackenschmerzen, die in Schulter und Arme ausstrahlen, außerdem bestehen neurologische Symptome wie Lähmungen oder Taubheitsgefühle. Meist ist die Muskulatur neben der Wirbelsäule verspannt und verhärtet, so dass die Beweglichkeit der Halswirbelsäule und damit des Kopfes schmerzhaft eingeschränkt bzw. eingesteift ist (bis hin zum Schiefhals). Häufig bestehen auch Schmerzen beim Abklopfen der Dornfortsätze der Halswirbelsäule.



Ursachen bei Schulter-Arm-Schmerzen

Nackenschmerzen an sich können Symptom für sehr viele und sehr unterschiedliche Erkrankungen, hauptsächlich aber im Bereich der Halswirbelsäule sein, aber auch der Schulter und des Brustkorbes. Sehr häufig ist die Ursache ein Überlastungsproblem der lokalen Muskulatur und des Weichteilgewebes durch statische Fehlhaltungen, wie zum Beispiel bei der Arbeit vor dem PC-Bildschirm. Darüber hinaus kommen durch Abnutzung hervorgerufene (degenerative) Veränderungen der Wirbelsäule in Frage, z.B. eine Bandscheibenvorwölbung, ein Bandscheibenvorfall, eine Funktionsstörung im Bereich von stabilisierenden Haltebändern (ligamentäre Insuffizienz) oder Störungen der gelenkigen Wirbelverbindungen (Wirbelblockierungen).

Weitere, jedoch wesentlich seltenere Ursachen sind Missbildungen und Wachstumsstörungen (Spina bifida, Blockwirbel, Keilwirbel, Skoliose), entzündliche Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis (Rheumatoide Arthritis, Morbus Bechterew) oder hervorgerufen durch Infektionen (Spondylitis, Spondylodiszitis), generalisierte Skeletterkrankungen (Osteoporose, Osteomalazie), Zustände nach Verletzungen (Schleudertrauma, Wirbelkörperbrüche), nicht verletzungsbedingte Defekte (Spondylolyse, Spondylolisthesis) oder letztlich Tumore im Bereich der Wirbelsäule (Plasmozytom oder Tochtergeschwülste anderer Tumore, sog. Metastasen) .

Neben diesen Erkrankungen der Halswirbelsäule können auch Schultergelenkserkrankungen zu Nackenschmerzen führen. Hauptsächlich sind dies Schultergelenksarthrosen, Entzündungen der Schleimbeutel, die das Schultergelenk umgeben, Risse der das Schultergelenk stabilisierenden Sehnen oder auch sonstige Schulterverletzungen.


Diagnose bei Schulter-Arm-Schmerzen

Aufgrund der oben genannten Vielfalt der Ursachen ist die mögliche Diagnostik dementsprechend ebenso vielfältig. Die klinische Untersuchung der Halswirbelsäule im Hinblick auf lokale Schmerzpunkte und Muskelverhärtungen sowie ihre Beweglichkeit ist selbstverständlich, Standard ist außerdem eine Röntgenaufnahme der Halswirbelsäule in vier verschiedenen Ebenen. Außerdem sollte ein Krankheitsgeschehen, dass Nervenwurzeln betrifft (radikuläre Symptomatik), unbedingt durch Fachärzte (Neurologen in Verbindung mit Radiologen) ausgeschlossen werden.


Therapie bei Schulter-Arm-Schmerzen

Bei der Therapie von Schulter-Arm-Schmerzen kommen im ersten Schritt allgemeine Therapieansätze zum Einsatz. Zeigen diese zu wenig Wirkung, oder werden die Beschwerden chronisch (Schmerzen länger als 3-6 Monate) sind Konzepte der „speziellen Schmerztherapie“ bzw. weiterführende multimodale Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik gefragt. Dabei gilt generell: „Je früher, desto besser“.


1. Allgemeine Therapien

a) Medikamentöse Schmerztherapie:

Das Mittel der ersten Wahl sind peripher wirkende Schmerzmittel (Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken). Insbesondere sind hier sog. nicht steroidale Antirheumatika (= „Rheumamittel“) zu erwähnen, aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende, zum Beispiel Mobec®. Sehr magenschonend und zudem auch entzündungshemmend sind sog. COX-2 Inhibitoren ((z. B. Parecoxib (Dynastat®) o. Etoricoxib (Arcoxia®)).Bei chronischen Formen, die theoretische eine regelmäßige Einnahme von Medikamenten erfordern würden, muß diese Therapieform allerdings als Notlösung betrachtet werden. Analgetika (Schmerzmittel) können Nebenwirkungen haben, ein Gewöhnungseffekt kann eintreten und im schlimmsten Fall ist ein Medikamentenkopfschmerz oder eine Medikamentenabhängigkeit die Folge. Bei starken, schmerzhaften Muskelverspannungen können ergänzend Muskelrelaxanzien (Mittel zur Muskelentspannung) (z. B. Norflex®, Mydocalm®) eine Lösung sein. Schwere Schmerzen sind manchmal dagegen nur durch zentral (im Gehirn / Rückenmark) wirkende Analgetika (z. B. Tramadol, Valoron N®) zu lindern. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten. Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch z. T. bei Schmerzen wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen.

b) Akupunktur

c) Physikalische Therapie: z.B.: T.E.N.S., Wärme, Kälte, Röntgenbestrahlung, Chirotherapie, Magnetfeldtherapie, heilgymnastische Therapie


2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie der Schultergelenksarthrose erfordert meistens eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie – dieses Konzept bezeichnet man heute als multimodal. Diese Therapie, v. a. der gezielte Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, kann allerdings optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines mehrwöchigen Aufenthalts in einer Schmerzklinik durchgeführt werden. Die einzelnen Methoden einer Schmerzklinik sind:

a) Ausführliche Information(en)
b) Analgetikatestung
c) Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*


Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade).

Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden. Gerade diese „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“ kann zum Teil erstaunliche Erfolge aufweisen, auch deshalb, weil sie parallel auch eine deutliche lokale Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse) ermöglicht.

d) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden bei Schulter-Arm-Schmerzen ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur
- Hochtontherapie
- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen):
Die oben beschriebenen allgemein physiotherapeutischen Maßnahmen werden auch in jeder Schmerzklinik bei Bedarf angewendet. Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie ist bei der Behandlung von Schulter-Arm-Schmerzen dagegen die sog. „heilgymnastische Therapie“ unverzichtbar. In den meisten Fällen sind nur diese geeignet, den ärztlichen Behandlungserfolg zu sichern und längerfristig zu stabilisieren. Aus diesem Grund erfolgt die heilgymnastische Therapie in einer Schmerzklinik in sehr enger Rücksprache mit dem behandelnden Arzt. Zusätzlich können Wärme- oder Kälteanwendungen zusätzliche Erfolge bringen.
- Entspannungsverfahren oder Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, dass nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, so dass zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

Leider sind solche Behandlungen ambulant kaum möglich, da nur ganz wenige, niedergelassene Psychologen über eine entsprechende Weiterbildung (spezielle Schmerzpsychotherapie) verfügen.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Daß die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, daß diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.



Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim und Schmerzklinik am Arkauwald.


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Verwandte Suchbegriffe zu Arm und Beinschmerzen:
Beinschmerzen, Armschmerzen, Brachialgie, Armneuralgie, Armbeschwerden, Beinbeschwerden, Gliederschmerz, Extremitätenschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser
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