24. Oktober 2018

Top6 Themen: Schaufensterkrankheit - Arm und Beinschmerzen

Schaufensterkrankheit

Schaufensterkrankheit Arm und Beinschmerzen Themen und Krankheit
Für das Charcot-Syndroms werden häufig auch die Begriffe arterielle Verschlußkrankheit, Claudicatio intermittens (Claudicatio = Lat. für „hinken“, womit eine Gangunregelmäßigkeit gemeint ist, intermittens = Lat. „intermittierend“ oder auch „zeitweilig aussetzend“), Schaufensterkrankheit und Schaufensterbein benutzt.

Im Falle des Charcot Syndroms ist die mögliche Gehstrecke des Patienten stark herabgesetzt, so dass z.B. beim Gehen durch die Stadt immer wieder „an den Schaufenstern“ angehalten werden muss, um so ein schmerzhaftes, auch immer wieder auftretendes, also intermittierendes, „Hinken“ zu verbergen.

Das Charcot-Syndrom sollte nicht mit dem Charcot-Marie-Tooth-Syndrom (Multiple Sklerose) verwechselt werden.



Symptome bei der Schaufensterkrankheit

Beim Charcot Syndrom entwickelt sich die Erkrankung schleichend. Zu Beginn verspürt der Patient meistens ein zunehmendes Kälte- und Taubheitsgefühl in den Beinen. Im Verlauf treten dann erstmals Schmerzen in der Beinmuskulatur nach längeren Gehstrecken auf. Diese zwingen den Patienten immer wieder zu Pausen, bis die Schmerzen nachgelassen haben. Mit fortschreitender Erkrankung verkürzen sich die schmerzfreien Gehstrecken immer weiter, bis die Schmerzen letztendlich auch in kompletter Ruhe auftreten. Der Bewegungsschmerz ist jetzt zu einem Ruheschmerz geworden.



Ursachen bei der Schaufensterkrankheit

Beim Charcot-Syndrom steht eine fortschreitende Kalkablagerung an den Schlagadern (sog. Arteriosklerose) im Vordergrund der Erkrankung.


Risikofaktoren (Ursachen) für eine Arteriosklerose sind:

- angeborene genetische Faktoren

- Lebensweise (wie z.B. fettreiche Ernährung)

- toxische (d.h. giftige) Einflüsse (z.B. Rauchen)

- Bluthochdruck

- Übergewicht

- Stoffwechselleiden (wie z.B. Zuckerkrankheit)

- chronische (d.h. bleibende) Entzündungen, z.B. rheumatische Entzündungen

Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Infektion (d.h. Ansteckung) mit dem Keim Chlamydia pneumoniae mit der Entstehung eines Charot-Syndroms bzw. mit der Arteriosklerose im Zusammenhang steht.

Diese Verkalkung der Gefäße führt zu Wandverhärtungen und Wanddeformierungen, die ein Elastizitätsverlust und eine zunehmende Verengung der Gefäßlichtung zur Folge haben. Durch die Verengung der Gefäße kann weniger Blut und somit weniger Sauerstoff die Muskeln erreichen. Diese Unterversorgung löst dann Schmerzen in den betroffenen Muskeln aus. Der Arzt spricht von einer peripheren (d.h. einer eher oberflächlichen, nicht das Gehirn und Rückenmark, sondern insbesondere Hüfte und Beine betreffend) arteriellen (d.h. die Schlagadern betreffend) Verschlußkrankheit. Abgekürzt oft als AVK oder auch pAVK bezeichnet. Die pAVK findet sich fast immer an den Beinen der Patienten.

Generell wird die arterielle Verschlußkrankheit in 4 Stadien eingeteilt: (Einteilung nach Fontaine-Ratschow)

1. Eine feststellbare Durchblutungsstörung, die dem Patienten allerdings noch keine größeren Beschwerden bereitet. Häufig wird aber ein Kälte- und Taubheitsgefühl in den Beinen beschrieben.

2. In der zweiten Stufe treten erstmals krampfähnliche Schmerzen in der beanspruchten Muskulatur auf. In diesem Sinne spricht man auch von dem Charcot Syndrom oder von der Claudicatio Intermittens. Das zweite Stadium selbst wird noch unterteilt in:

2a. Ein schmerzfreies Gehen von über 200 m ist möglich.

2b. Die schmerzfreie Gehstrecke liegt bei unter 200 m.

3. Es treten jetzt auch schon Schmerzen in Ruhe auf.

4. Zusätzlich zum Ruheschmerz kommt es zum Absterben von Gewebsteilen (sog. Nekrosen), wodurch dem Patienten eine Amputation des absterbenden Gebietes droht.



Therapie bei der Schaufensterkrankheit

Bei der Therapie der Schaufensterkrankheit kommen im ersten Schritt allgemeine Therapieansätze zum Einsatz. Zeigen diese zu wenig Wirkung, oder werden die Beschwerden chronisch (Schmerzen länger als 3-6 Monate) sind Konzepte der „speziellen Schmerztherapie“ bzw. weiterführende multimodale Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik gefragt. Dabei gilt generell: „Je früher, desto besser“.


1. Allgemeine Therapien

a) Medikamentöse Therapie: Das Prostaglandin E1-Analogon Alprostadil (Prostavasin®) scheint bei der Schaufensterkrankheit, insbesondere mit einer kontinuierlichen Nervenblockade kombiniert, gut zu wirken. Auch Mittel zur Durchblutungsförderung (z. B. Naftidrofuryl, Pentoxifyllin und Buflomedil) werden teilweise eingesetzt. Einer arteriellen Thrombose vorbeugend sind Thrombozytenaggregationshemmer wie z. B. Acetylsalicylsäure (z.B. Aspirin®) sinnvoll.

b) (Allgemeine) medikamentöse Schmerztherapie

c) Operative Maßnahmen Gefäßoperationen sollten nur dann erwogen werden, wenn bei der Schaufensterkrankheit nicht anders zu rekanalisierende Aorten- und Beckenarterienverschlüsse vorliegen.

d) Andere Therapiemaßnahmen: Schon im Frühstadium der peripheren arteriellen Verschlußkrankheit sollten ein Gehtraining und spezielle Krankengymnastik durchgeführt werden. Auch Bewegungsbäder und Unterschenkelgüsse können in diesem Fall helfen.

e) Weitere allgemeine Therapiemaßnahmen: Ein wichtiger Faktor bei der Behandlung des Charcot Syndroms ist das Ausschließen der auslösenden Noxen (also der schädlichen Einflüsse) wie etwa des Rauchens (Nikotin). Die gezielte Behandlung der Grund- und Begleiterkrankungen und auch das vermindern der bei den Ursachen aufgeführten Risikofaktoren ist ein wichtiger Teil der Therapie.

2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie der Schaufensterkrankheit erfordert meistens eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie – dieses Konzept bezeichnet man heute als multimodal. Diese Therapie, v. a. der gezielte Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, kann allerdings optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines mehrwöchigen Aufenthalts in einer Schmerzklinik durchgeführt werden. Die einzelnen Methoden einer Schmerzklinik sind:

a) Ausführliche Information(en)
b) Analgetikatestung (falls zu einem späteren Zeitpunkt diese wieder benötigt werden sollten)
c) Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade). Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden. Gerade diese „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“ kann zum Teil erstaunliche Erfolge aufweisen, auch deshalb, weil sie parallel auch eine deutliche lokale Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse) ermöglicht, auch anhaltend.

d) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden bei der Schaufensterkrankheit ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Akupunktur
- Hochtontherapie
- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen): Allgemeine Maßnahmen werden in jeder Schmerzklinik bei Bedarf angewendet. Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie sind sie in direkter Kombination zu anderen Therapieverfahren eine gute Ergänzung.
- Entspannungsverfahren oder Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.
- diätetische Maßnahmen

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, so daß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

Leider sind solche Behandlungen ambulant kaum möglich, da nur ganz wenige, niedergelassene Psychologen über eine entsprechende Weiterbildung (spezielle Schmerzpsychotherapie) verfügen.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Daß die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, daß diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.



Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


Arm und Beinschmerzen Krankheit   Arm und Beinschmerzen Home

Verwandte Suchbegriffe zu Arm und Beinschmerzen:
Beinschmerzen, Armschmerzen, Brachialgie, Armneuralgie, Armbeschwerden, Beinbeschwerden, Gliederschmerz, Extremitätenschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser
Weitere Information zu Arm- und Beinschmerzen finden Sie unter folgenden verwandten Themen Armschmerzen und Beinschmerz-Formen weitere Themen...

Verwandte Schmerz-Themen von Arm und Beinschmerzen

Arm und Beinschmerzen Top6 Krankheiten

Krankheiten Arm und Beinschmerzen A-Z:

Sponsorenbereich
Anzeige

Anzeige
Aktuelle Gesundheitsnachrichten

Zwölf NUB-Leistungen des Jahres 2018 sind im neuen DRG-Katalog enthalten
(23.10.18) Das Institut für das Entgeltsystem im Krankenhaus (InEK) hat die Liste neuer Untersuchungs- und Behandlungsmethoden (NUB) des Jahres 2018 veröffentlicht, die im Fallpauschalen-Katalog für 2019 abgebildet sind.
Artikel lesen...

Neue Entscheidungen und Projekte beim Innovationsausschuss
(23.10.18) Der Innovationsausschuss hat über die Projektanträge der vierten Förderwelle entschieden und neue Fördervorhaben veröffentlicht.
Artikel lesen...

GBA beschließt organisierte Früherkennung für Darmkrebs
(22.10.18) Der Gemeinsame Bundesauschuss (GBA) hat ein organisiertes Programm zur Früherkennung von Darmkrebs etabliert. Der entsprechende Beschluss ist jetzt in Kraft getreten. Die Zielgruppen des Programms werden künftig regelmäßig eingeladen und erhalten dabei evidenzbasierte Informationen zum Ablauf wie zu den Vor- und Nachteilen der Untersuchung.
Artikel lesen...

Weiterführende Links