29. März 2017

Top6 Themen: Raynaud-Syndrom - Arm und Beinschmerzen

Raynaud-Syndrom

Raynaud-Syndrom Arm und Beinschmerzen Themen und Krankheit
Das Raynaud-Syndrom auch Ischämiesyndrom, akrales Ischämiesyndrom oder vasospastisches Syndrom genannt, wurde erstmals von dem französischen Arzt Maurice Raynaud beschrieben.

Das Raynaud-Syndrom ist eine durch Kälte verursachte Durchblutungsstörung der Finger, welche in verschiedenen Phasen abläuft. Treten die Anfälle nur selten und kurzzeitig auf, so ist in der Regel keine Schmerzbehandlung nötig, sondern es genügt Kälte und Nasse zu Meiden und gegebenenfalls mit dem Rauchen aufzuhören.


Ursache: Raynaud-Syndrom

Beim Raynaud-Syndrom handelt es sich um eine akrale, d.h. die Extremitätenenden betreffende, funktionelle Durchblutungsstörung, welche durch eine überschießende, funktionelle Gefäßverengung, bedingt durch eine Muskelkontraktion der Tunica media (mittlere, muskuläre Wandschicht von Schlagadern) in Fingern und Zehen, verursacht wird.


Symptome: Raynaud-Syndrom

Das Raynaud-Syndrom kommt in zwei Formen vor und tritt meist in drei Phasen aus, die da wären:

- Blässe
- Zyanose (bläuliche Verfärbung)
- Rötung, infolge einer reaktiven Hyperämie

Schmerzen treten in Phase eins und zwei auf. Im weiteren Verlauf können sich Dauerschmerzen entwickeln.

Bei den zwei Formen des Raynaud-Syndroms unterscheidet man das primäre und das sekundäre Raynaud-Syndrom:

- Primäres Raynaud-Syndrom
bei diesem kann keine Grunderkrankung festgestellt werden. Meist tritt das primäre Raynaud-Syndrom symmetrisch auf und die Daumen oder Großzehen bleiben ausgespart.

- Sekundäres Raynaud-Syndrom

dieses tritt als Begleiterkrankung bei folgenden Erkrankungen auf:

- Arteriopathien
- Gefäßentzündungen bei Kollagenosen
- Chronische Traumatisierung
- Vergiftungen (Ergotamin, Arsen, Blei)

Es tritt normalerweise asymmetrisch an Händen und Füßen auf. Im Verlauf der Erkrankung kann es zu Wachstumsstörungen der Nägel, sowie dem Absterben der Fingerkuppen kommen.

Diagnostik: Raynaud-Syndrom:

Um ein Raynaud-Syndrom zu diagnostizieren, können folgende Untersuchungen durchgeführt werden:

- Labor (Blutbild, Blutsenkungsgeschwindigkeit, antinukleäre Antikörper, Kryoglobuline)
- Dopplersonographische Blutdruckmessung
- Messung der Hauttemperatur
- Kälteprovokationstest
- Lichtplethysmographie
- Angiographie
- Kapillarmikroskopie


Therapie: Raynaud-Syndrom

Bei der Therapie des Raynaud-Syndroms kommen im ersten Schritt allgemeine Therapieansätze zum Einsatz.
Zeigen diese zu wenig Wirkung, oder werden die Beschwerden chronisch (Schmerzen länger als 3-6 Monate) sind Konzepte der „speziellen Schmerztherapie“ bzw. weiterführende multimodale Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik gefragt. Dabei gilt generell: „Je früher, desto besser“.

Details:

1. Allgemeine Therapien

a) (Medikamentöse) Behandlung mit:

- Naftidrofuryl
- Pentoxifyllin
- Buflomedil
- Alprostadil (Prostaglandin E1-Analogon)

b) Medikamentöse Schmerztherapie:

Bei akuten (plötzlich einsetzenden, heftigen) und subakuten (eher schleichend verlaufenden) Schmerzen können zunächst bzw. vorwiegend peripher wirkende Schmerzmittel (Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden. Muskelrelaxanzien (Mittel zur Muskelentspannung) wie Baclofen (z. B. Lioresal®) können als Ergänzung ebenfalls hilfreich sein. Schwere Schmerzen sind manchmal dagegen nur durch zentral (im Gehirn / Rückenmark) wirkende Analgetika (z. B. Tramadol, Valoron N®) zu lindern. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten. Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch z. T. bei Schmerzen wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen.

c) Akupunktur

d) Physikalische Therapie - z. B.:
T.E.N.S., Wärme, Massagen, Krankengymnastik,..


2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie des Raynaud-Syndroms erfordert meistens eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie – dieses Konzept bezeichnet man heute als multimodal. Diese Therapie, v. a. der gezielte Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, kann allerdings optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines mehrwöchigen Aufenthalts in einer Schmerzklinik durchgeführt werden.

Die einzelnen Methoden einer Schmerzklinik sind:

a) Ausführliche Information(en)
b) Analgetikatestung
c) Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade). Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden. Gerade diese „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“ kann zum Teil erstaunliche Erfolge aufweisen, auch deshalb, weil sie parallel auch eine deutliche lokale Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse) ermöglicht.

d) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden beim Raynaud-Syndrom ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur
- Hochtontherapie
- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen): Allgemeine Maßnahmen werden in jeder Schmerzklinik bei Bedarf angewendet. Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie sind sie in direkter Kombination zu anderen Therapieverfahren eine gute Ergänzung.
- Wärme/ Kälte
- Entspannungsverfahren oder Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, so daß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

Leider sind solche Behandlungen ambulant kaum möglich, da nur ganz wenige, niedergelassene Psychologen über eine entsprechende Weiterbildung (spezielle Schmerzpsychotherapie) verfügen.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Daß die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, daß diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.



Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Arm und Beinschmerzen:
Beinschmerzen, Armschmerzen, Brachialgie, Armneuralgie, Armbeschwerden, Beinbeschwerden, Gliederschmerz, Extremitätenschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser
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