25. August 2016

Top6 Themen: Polyneuropathie - Arm und Beinschmerzen

Polyneuropathie

Polyneuropathie Arm und Beinschmerzen Themen und Krankheit
Die Polyneuropathie zählt zu der Gruppe der Nervenerkrankungen.

Die Krankheit bewirkt eine Degeneration (Rückbildung) und damit direkte Schädigung des Nervensystems. Betroffen ist ausschließlich das sog. periphere Nervensystem, das außerhalb von Hirn und Rückenmark liegt.


Erste Symptome einer Polyneuropathie sind:

• Missempfindungen (Kribbeln, Brennen, unangenehme Temperaturempfindungen
• Sensibilitätsstörungen & Taubheitsgefühle
• (nächtliche) Schmerzen, v. a. an den Füßen, Unterschenkeln und Beinen

Später, d. h. bei fortschreitendem Krankheitsverlauf, kann es dann zu weiteren Symptomen kommen:

• Brennende (chronische) Dauerschmerzen an verschiedenen Körperstellen, insbes. auch Hände
• Fehlempfindungen (Parästhesien)
• Gesteigerte Empfindlichkeit (Hyperästhesien)
• Gesteigerte Berührungsempfindlichkeit (Hyperpathien)
• Druckschmerzhaftigkeit von Muskeln und Nerven
• evtl. motorische Reizerscheinungen
• Wadenkrämpfe
• Motorische Ausfälle (Lähmungen) und Gangstörungen (nur in schweren Fällen)
• Störungen des Schweißverhaltens (Sudomotorik)

Typisches Merkmal in diesem Stadium sind auch socken- bzw. handschuhförmige Sensibilitätsstörungen. Die brennenden Schmerzen führen teilweise zu einer Verwechslung mit der Kausalgie (komplexes regionales Schmerzsyndrom Typ II, kurz CRPS II) und sind außerdem oft Anlaß, gezielte schmerztherapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Das sog. Lundbaek Syndrom ist eine Sonderform der sog. diabetischen Polyneuropathie. Typische Merkmale sind hier Bewegungsschmerzen, Fehlempfindungen, Muskelsteife, Muskelversagen und Druckschmerzhaftigkeit im Bereich der Hände und Unterarme.

Die Ursachen einer Polyneuropathie sind theoretisch sehr vielfältig. Manche Fachquellen geben allein bis zu 168 verschiedene, ursächliche Grundkrankheiten an. In der Praxis dominieren allerdings folgende Formen:

● diabetische bzw. metabolische Polyneuropathie

● alkoholische bzw. toxische Polyneuropathie

Die diabetische Polyneuropathie ist relativ häufig, fast ein Drittel aller Diabetiker sind von ihr betroffen. Sie entsteht durch die Bildung diabetisch bedingter Ketone. Diese sind „Gift“ für Nervenzellen und können somit diese besondere Form einer stoffwechselbedingten (metabolischen) Polyneuropathie auslösen. Aufgrund des „Gift-Charakters“ könnte die diabetische Polyneuropathie letztlich auch als toxische Polyneuropathie bezeichnet werden.

Des weiteren können folgende Faktoren eine metabolische Polyneuropathie verursachen:

• Mangel an Vitamin E oder Vitamin B12
• Bassen-Kornzweig-Syndrom
• Morbus Refsum
• Morbus Fabry

Ansonsten ist in vielen Fällen an sog. exotoxische Ursachen zu denken, also an von außen zugeführte Gifte, z. B. durch Medikamente (Vinca-Alkaloide, Nitrofurantoin,…) oder Gewerbegifte. Auch ein Schmerzmittelmißbrauch (Analgetikamißbrauch) kann zu einer Polyneuropathie führen. Als Pendant gibt es natürlich auch endotoxische Ursachen, also Gifte, die im Körper selbst entstehen. Hier sind zu nennen: Die Urämie (Harnvergiftung), die Porphyrie (erbliche oder erworbene Stoffwechselstörung) und infektiöse Ursachen, wie die Lyme-Borreliose oder die Ehrlichiose nach Zeckenstich bzw. Zeckenbiß. Eine besondere Form stellt die ischämische Polyneuropathie dar: Sie kann als Folge einer speziellen Durchblutungsstörung entstehen, nämlich im Zusammenhang mit einer schweren pAVK (periphere arterielle Verschlußkrankheit). Typisch für diese Form ist ein sehr stark ausgeprägter Schmerzcharakter, der die anderen Symptome in den Hintergrund rücken lässt. Oft ist die ischämische Polyneuropathie auch mit der diabetischen Polyneuropathie kombiniert.

Bei Verdacht auf eine Polyneuropathie sollte grundsätzlich ein Facharzt konsultiert werden. Neben einigen neurologischen Grunduntersuchungen dienen v. a. EMG (Elektromyographie) und NLG (Nervenleitgeschwindigkeit) zur Sicherung der Diagnose.

Es existieren einige Krankheitsbilder, die von den Symptomen her der Polyneuropathie sehr ähnlich sind, und somit differentialdiagnostisch ausgeschlossen werden müssen. Diese sind u. a.:

● Polyradikulitis Guillain-Barre
● Tabes dorsalis
● funikuläre Myelose
● Botulismus

Die Therapie der Polyneuropathie richtet sich kausal, also gegen die Ursache, sowie symptomatisch gegen die Beschwerden. Neben allgemeinen Möglichkeiten gibt es, für den Fall dass Schmerzbeschwerden weiter bestehen, weiterführende Konzepte von Schmerzkliniken. Diese sind spez. bei einer Polyneuropathie auch deshalb interessant, weil sie eine starke Durchblutungsförderung forcieren und damit zumindest eine teilweise Regeneration von bereits geschädigten Nerven ermöglichen können.

1. Allgemeine Therapien

- Kausale Therapie(n): Bei der diabetischen Polyneuropathie besteht die kausale Therapie in einer Optimierung des Stoffwechselhaushalts und erfolgt in enger Absprache mit dem Internisten bzw. Ihrem Hausarzt. Bei der toxischen bzw. alkoholischen Polyneuropathie muß die Zufuhr von Noxen (Giften) unterbunden bzw. auf den Konsum von Alkohol verzichtet werden. Wird die Polyneuropathie durch eine andere Grunderkrankung verursacht, z. B. durch eine pAVK, richtet sich die kausale Therapie nach der auslösenden Krankheit.

- Die Einnahme von Thioctsäure (alpha-Liponsäure) wird oft bei der diabetischen Polyneuropathie empfohlen. Thioctsäure reaktiviert der fehlenden Multienzymkomplex, was evtl. diabetische Ketone bindet.

- Die Einnahme von Nervenvitaminen (neurotrope Vitamine, spez. Vitamin B6 + B12) ist üblich, teilweise jedoch umstritten. Zu hohe Dosen können auch schädlich sein und eine Polyneuropathie selbst induzieren.

- physikalische Maßnahmen: Warme oder kalte Wickel, Wechselbäder, Kneipp`sche Güsse, oberflächliche Kältebehandlung, T.E.N.S., …

- Medikamentöse Schmerztherapie: Wie bei allen Nervenschmerzen sind die Erfolge mit herkömmlichen Schmerzmitteln eher bescheiden. Ein Ansatz ist das Antidepressivum Duloxetin (Cymbalta®), mit seiner schmerzdistanzierenden Wirkung. Ansonsten wirken am besten Antiepileptika, z. B. Gabapentin (Neurontin®), Pregabalin (Lyrica®) oder Carbamazepin (z.B. Tegretal®). Auch zentral wirkende Schmerzmittel können probiert werden.

Für Details zu möglichen medikamentösen Therapien wenden Sie sich bitte an den kostenlosen Beratungsservice von DoctorHelp.

2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik

In einer Schmerzklinik werden Methoden aus dem Bereich der sog. „speziellen Schmerztherapie“ eingesetzt. Die optimale Therapie chronischer Schmerzen und damit auch die Behandlung von polyneuropathischen Schmerzen, erfordert immer eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie. Die Methoden einer Schmerzklinik im Einzelnen sind:

● Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade). Als führende Therapieform, gerade speziell bei der Polyneuropathie, gilt heute die sog. „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“, eine minimal-invasive und nebenwirkungsarme Betäubung schmerzleitender Nerven, die mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden. Gerade diese „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“ kann bei Nervenschmerzen, und damit bei der Polyneuropathie, zum Teil erstaunliche Erfolge aufweisen. Des weiteren bewirkt die Methode eine (lokale) Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), wodurch eine Regeneration der betroffenen Nerven, und damit eine Beschwerdelinderung insgesamt erfolgen kann.

● Analgetikatestung

Zu Beginn eines stationären Aufenthaltes sollte (wenn möglich) eine sog. Analgetikatestung durchgeführt werden. Die Problematik bei Nervenschmerzen besteht ja u. a. darin, dass medikamentöse Therapien oft keine oder zu geringe Wirkung zeigen. Mit Hilfe dieser Maßnahme besteht aber zumindest für den Patienten die Chance, sollte ein Bedarfsfall doch nochmals eintreten, wenigstens auf ein wirkendes Medikament zurückgreifen zu können.

● Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden bei Nervenschmerzen sonst allerdings nicht ausreichend. Diese Methoden, speziell bei der Polyneuropathie sind:

- Hochtontherapie
- Spezielle Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen)
- Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson
- Schmerzbewältigungstraining
- Spezielle Schmerzakupunktur

Wenn chronische Schmerzen längerfristig bestehen, wird normalerweise ein Chronifizierungsgrad II oder III erreicht (Mainzer Stadieneinteilung). In diesen Fällen ist eine rein körperliche Behandlung kaum noch ausreichend, sondern es sollten in Ergänzung psychologisch/ psychotherapeutische Interventionen erfolgen.





Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Beinschmerzen, Armschmerzen, Brachialgie, Armneuralgie, Armbeschwerden, Beinbeschwerden, Gliederschmerz, Extremitätenschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser
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