24. November 2014

Top6 Themen: Oberschenkelschmerz - Arm und Beinschmerzen

Oberschenkelschmerz

Oberschenkelschmerz Arm und Beinschmerzen Themen und Krankheit
Der Oberschenkel ist der obere, körpernahe Abschnitt des Beines zwischen Hüfte und Knie.

Das Nervengeflecht Plexus lumbalis (Nervengeflecht, von den vorderen Ästen der Rückenmarksnerven der Lendensegmente L1-4 gebildet) versorgt sensibel (die Empfindung und auch die Schmerzempfindung betreffend) den Oberschenkel. Im einzelnen wird der Oberschenkel von folgenden Nerven aus diesem Plexus versorgt:

• Vorderseite: N. femoralis

• Rückseite: N. ischiadicus

• Außenseite: Nervus (N.) cutaneus femoris lateralis

• Innenseite: N. genitofemoralis (oberer Abschnitt) und N. obturatorius (unterer Abschnitt)

Oberschenkelschmerzen können verschiedene Ursachen haben, und dabei auch chronische Formen annehmen.

Die einfachste Form eines Oberschenkelschmerzes dürfte wohl durch eine Verletzung entstehen, z. B. beim Sport in Form einer Oberschenkelzerrung oder Muskelfaserrisses. Chronische Formen, die aus solchen Verletzungsfolgen resultieren, können zwar theoretisch vorkommen, dürften aber sehr selten sein.

Der typische (chronische) Oberschenkelschmerz wird allerdings durch Funktionsstörungen (Läsionen) der o. g. Nerven verursacht. Je nach Nerv ist/sind dann die entsprechende(n) Stelle(n) des Oberschenkels betroffen. Meistens tauchen diese Schmerzen aber nicht alleinig (isoliert) auf, sondern parallel auch an weiteren Körperstellen. Eine Störung des N. genitofemoralis kann z. B. parallel Leistenschmerzen oder sogar Schmerzen im Hoden bewirken. Oder z. B. bei Schmerzen im Zusammenhang mit dem N. ischiadicus kann es auch zu Schmerzen im Unterschenkel und/oder auch im Fuß kommen.

Ein alleiniger (isolierter), chronischer Oberschenkelschmerz existiert eigentlich nur bei zwei Krankheitsbildern:

1. Affektion (Störung bzw. Erkrankung) des N. obturatorius

2. Meralgia paraesthetica


Eine alleinige (isolierte) Störung des Ramus femoralis des N. genitofemoralis, verbunden mit Schmerzen im oberen Teil der Oberschenkelinnenseite, ist ganz selten.

Zu 1.: Bei einer Affektion des N. obturatorius kommt es zu Schmerzen im unteren Bereich des inneren Oberschenkels (Knieinnenseite). Mögliche Ursachen sind hier:

• Bandscheibenvorfall
• Beckenfrakturen
• Affektionen im Bereich des Musculus psoas (ein Beckenmuskel)
• Prozesse im kleinen Becken

Der Grund liegt hier darin, daß speziell dieser Nerv durch seinen relativ achsennahen Verlauf durch die eben genannten, benachbarten Prozesse geschädigt werden kann.

Zu 2. Bei einer Meralgia paraesthetica besteht eine isolierte Nervenstörung des Nervus cutaneus femoris lateralis, welcher dem Nervengeflecht Plexus lumbalis entstammt. Er verläßt das Becken nahe der Spina iliaca anterior superior (vorderer, oberer Darmbeinstachel) und dringt an dieser Stelle durch die Fasern des Leistenbandes (wo er leicht eingeengt werden kann).
Typische Symptome der Meralgia paraesthetica sind brennende Oberschenkelschmerzen sowie Empfindungsstörungen an der Außenseite. Hinzu kommt ein Druckschmerz am vorderen oberen Darmbeinstachels. Beidseitige Beschwerden sind möglich, aber sehr selten. Mögliche Ursachen der Meralgia paraesthetica sind:

a) Mechanische Ursachen: Möglich sind Druck unter dem Leistenband, oder Druck- bzw. Zugeffekte im Verlauf des Nerven, speziell am Austrittsort aus dem Becken (sog. Kompressionssyndrome)
b) infektiös (durch Ansteckung verursacht,) z. B. durch die Syphilis.
c) toxische Ursachen (durch Gifteinwirkung, z. B. bei Alkoholismus)
d) iatrogene (durch ärztliche Maßnahmen bzw. Fehler entstanden) Nervenläsion (Nervenschädigung) bei einer Hüft-OP oder Spanentnahme

Therapie

Bei Oberschenkelschmerzen unterscheidet man generell in:

I. Allgemeine Therapieansätze


und

II. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik

Akute Oberschenkelschmerzen können im Rahmen der hausärztlichen Behandlung oder der ambulanten Schmerzpraxis therapiert werden. Die Therapie richtet sich hier in erster Linie nach der Ursache (kausale Therapie), d. h. parallel bestehende Schmerzen werden symptomatisch (mit) behandelt. Werden die Oberschenkelschmerzen chronisch (Schmerzen länger als 3 Monate anhaltend, oder regelmäßig wiederkehrend) können bzw. sollten Sie sich an eine erfahrene Schmerzklinik wenden.

I. Allgemeine Therapieansätze

- kausale Ansätze (gegen die Ursache) bzw. ursachenbezogene, spezifische Therapien: Hier gibt es, je nach Ursache, verschiedene Möglichkeiten, die im Einzelfall konkret sehr genau abgewogen werden müssen. Zur Behandlung einer ursächlichen Meralgia paraesthetica existieren z. B. zwei operative Techniken: Erstens die Dekompression und zweitens die Durchtrennung des Nervs. Diese OP-Maßnahmen sollten aber wirklich nur durchgeführt werden, wenn alle anderen Möglichkeiten keine Wirkung zeigen. Weitere Details über kausale Therapiemöglichkeiten erfahren Sie über Ihren Hausarzt bzw. Facharzt.

- Medikamentöse Schmerztherapie.

Mittel der ersten Wahl sind peripher wirkende Analgetika (Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken), spez. sog. nicht steroidale Antirheumatika (Rheumamittel), hierbei möglichst lang wirkende und magenschonende, z. B. Mobec®. Bei starken, schmerzhaften Muskelverspannungen können ergänzend Muskelrelaxanzien (Mittel zur Muskelentspannung) (z. B. Norflex®, Mydocalm®) eine Lösung sein. Schwere Schmerzen sind manchmal dagegen nur durch zentral (im Gehirn / Rückenmark) wirkenden Analgetika (z. B. Tramadol, Valoron N®) zu lindern. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten.
Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch bei einer Omalgie wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen. Bei einem mehr anfallsartigen Oberschenkelschmerz können des weiteren auch Antiepileptika versucht werden (Carbamazepin, Gabapentin oder Pregabalin).

- Physikalische Therapie (Krankengymnastik, Wärme, Kälte, T.E.N.S. …): Gerade im Zusammenhang mit Oberschenkelverletzungen und anschließenden Reha-Maßnahmen kommen diese Ansätze verstärkt zum Einsatz.

- Akupunktur

II. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

In einer Schmerzklinik kommen gezielt Methoden der speziellen Schmerztherapie zum Einsatz. Obwohl es unterschiedliche Ursachen für einen Oberschenkelschmerz gibt, ähneln sich die jeweils eingesetzten schmerztherapeutischen Methoden. Der Grund liegt einfach darin, dass, unabhängig von einer auslösenden Grunderkrankung, der schmerzleitende Nerv und damit der Schmerz direkt angegangen wird.

Bei Oberschenkelschmerzen kann v. a. die sog. therapeutische Lokalanästhesie sehr gute Wirkung zeigen, allerdings nur bei täglich mehrfacher regelmäßiger Anwendung, was optimal nur im Rahmen eines stationären Aufenthalts möglich ist. Des Weiteren erfordert eine erfolgreiche Behandlung quasi grundsätzlich eine individuelle Kombination von unterstützenden Maßnahmen, die den Prozess begleiten. Dieses Gesamtkonzept bezeichnet man auch als multimodale Schmerztherapie.

Details zu den Möglichkeiten einer Schmerzklinik:

a) Ausführliche Information(en) über die Erkrankung

b) Analgetikatestung (Methode zur Auswahl des optimalen Medikaments, auf welches ein Patient in einem evtl. später noch einmal auftretenden Bedarfsfalls zurückgreifen kann.)

c) gezielte, (begleitende) medikamentöse Schmerztherapie, z. B. auch in Form von speziellen Infusionen

d) Therapeutische Lokalanästhesie

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z.B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade). Das örtliche Betäubungsmittel wird dabei so verdünnt, dass die Muskelkraft erhalten bleibt.

Zuverlässig helfen bei Oberschenkelschmerzen wiederholte Blockaden der folgenden Nerven:

• N. femoralis, knapp unterhalb des Leistenbandes am vorderen Oberschenkel

• N. ischiadicus, am rückwärtigen Oberschenkel, knapp unterhalb des Gesäßes

• N. cutaneus femoris lateralis, im Winkel zwischen Spina iliaca anterior superior (vorderer oberer Darmbeinstachel) und dem Leistenband

• N. genitofemoralis, ca. 2-3 cm medial (zur Körpermitte hin) der Spina iliaca anterior superior (vorderer, oberer Darmbeinstachel) in Richtung auf den Nabel

• N. obturatorius, wie N. femoralis, aber in der 3-in-1-Variante (gleichzeitige Betäubung der Nerven cutaneus femoris lateralis, femoralis und obturatorius mit einer modifizierten Technik)

In hartnäckigen Fällen ist auch eine sog. kontinuierliche Blockade mit Katheter* möglich, was der nächst höheren Therapiestufe entspricht. Die genau Bezeichnung lautet hier 3 in 1- bzw. Plexus lumbalis (von den vorderen Ästen der Rückenmarksnerven der Lendensegmente L1-4 gebildetes Nervengeflecht)Blockade* mittels N. femoralis-Katheter*. Bei einer ursächlichen Meralgia paraesthetica kann die Methodik zudem noch variiert werden.

e) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur
- Hochtontherapie/ „Transkutane Nervenstimulation“ (TENS)
- Physiotherapie, speziell bei Funktionseinbußen (Krankengymnastik und andere Anwendungen)
- Entspannungsverfahren oder hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, ist davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, sodaß zusätzlich psychologisch/ psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird dabei stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Dass die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.





Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim und Schmerzklinik am Arkauwald.


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Verwandte Suchbegriffe zu Arm und Beinschmerzen:
Beinschmerzen, Armschmerzen, Brachialgie, Armneuralgie, Armbeschwerden, Beinbeschwerden, Gliederschmerz, Extremitätenschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser
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