24. Juni 2017

Top6 Themen: Lumboischialgie - Arm und Beinschmerzen

Lumboischialgie

Lumboischialgie Arm und Beinschmerzen Themen und Krankheit
Die Lumboischialgie ist ein Schmerzsyndrom, genauer gesagt eine Kombination von Schmerzen im unteren Lendenbereich (Lumbalgie) sowie Schmerzen den Ischias-Nerven (Nervus ischiadicus) betreffend.

Diese Kombination lässt sich bereits aus den Wortteilen ableiten: „Lumbal“ bedeutet „die Lende betreffend, und die „Ischialgie“ steht als Begriff für Schmerzen im Verlauf des Ischias.

Die Lumboischialgie taucht im Vergleich zu Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule seltener auf. Sie wird manchmal auch als Ischiolumbalgie bezeichnet.

Neben den Schmerzbeschwerden im Lendenbereich können die ischias-abhängigen Schmerzen, beginnend am Gesäß, über die Rückseite des Oberschenkel, entlang des hinteren und äußeren Unterschenkels bis in den Fuß inklusive der Großzehe strahlen bzw. „ziehen“. Die Ischiasschmerzen selbst treten normalerweise nur einseitig auf. Die Schmerzen im Lendenbereich dagegen beidseitig, oftmals ist dabei eine Seite stärker betont.


Die Schmerzausstrahlung in das Bein wird in zwei Gruppen unterteilt:

1. Pseudoradikuläre Symptome (Pseudoradikuläres Syndrom)

2. Radikulär bedingte Symptome (Radikuläres Syndrom)

Pseudoradikuläre Symptome sind Krankheitszeichen, welche auf eine scheinbar gestörte Nervenwurzel zurückzuführen sind. Radikuläre Symptome werden dagegen durch eine tatsächlich gestörte Nervenwurzel ausgelöst. Sie gehen mit neurologischen Defiziten einher, d. h. entweder dem Erlöschen der Muskel-Eigenreflexe und bzw. oder einer Nervenstörungen bzgl. der Empfindlichkeit auf Reize, bis hin zu Lähmungen. Liegt bei der Lumboischialgie eine radikuläre Symptomatik vor, kann es zu einer Fußheberparese kommen, d. h. zu einer Schwäche der Muskeln, mit denen der Fuß angehoben wird.

Für die Lumboischialgie gibt es verschiedene, mögliche Ursachen:

Bandscheibenvorfall (Bandscheibenprolaps) oder Bandscheibenvorwölbung (Bandscheibenprotrusion)

Informationen: Bandscheibenvorfall
Informationen: Bandscheibenvorwölbung

● Wirbelkanalverengung (Spinalkanalstenose)

● Einengung (Stenose) bzw. Nervenwurzelkompression im Zwischenwirbelloch (Foramen intervertebrale) durch:

- Wirbelbruch (Wirbelfraktur)
- Tumore
- Krampfadern (Varizen) im Bereich der Rückenmarkshülle
- Randzackenbildung
- Flüssigkeitsansammlung (Ödem) im Bereich der Nervenwurzel

Gleitwirbel (Spondylolisthesis)

Um die genaue(n) Ursache(n) einer Lumboischialgie feststellen zu können, ist i. d. R. eine umfassende, fachärztliche Diagnostik zu empfehlen.

Die Therapie der Lumboischialgie erfolgt im ersten Schritt grundsätzlich kausal, entsprechend der Ursache. Hier ein Beispiel: Wird die Lumboischialgie durch einen Bandscheibenvorfall verursacht, wird zunächst dieser behandelt, mit dem parallelen Ziel, damit auch gleichzeitig die Lumboischialgie zu beseitigen. Gelingt dies nicht, können noch allgemeine Maßnahmen zur Linderung der Beschwerden der Lumboischialgie versucht werden. In den meisten Fällen reichen diese aber nicht aus, und es sollten so bald als möglich weiterführende Konzepte einer Schmerzklinik zum Einsatz kommen.

1. Erste bzw. allgemeine Therapien

- kausale Therapien, zur Behandlung der eigentliche Ursache (OP-Maßnahmen, etc.)

- Medikamentöse Schmerztherapie: Als erstes Mittel gelten hier peripher wirkende Analgetika, insbesondere sog. nicht steroidale Antirheumatika (Rheumamittel). Dabei sollte auf möglichst langwirkende und magenschonende zurückgegriffen werden, z. B. Mobec®. Beim Auftreten von schmerzhaften Muskelverspannungen sind Muskelrelaxanzien eine Lösung, z. B. Norflex® oder Mydocalm®). In manchen, schweren Fällen helfen allerdings nur noch zentralwirkende Analgetika, z. B. Tramadol oder Valoron N®, oder sogar Morphin. Wegen der großen Gefahr einer Schmerzmittelabhängigkeit sollte aber grundsätzlich eine längerfristige Einnahme vermieden werden.

- Physikalische Maßnahmen: Wärme, Kälte, T.E.N.S., Heilgymnastische Therapie, manuelle Therapie, Lagerung auf einem Stufenbett, etc.

- Akupunktur

- Spritzen: Durch das Spritzen eines örtlichen Betäubungsmittels kann akut eine Linderung herbeigeführt werden. Das Problem ist, daß die Wirkung nach einigen Stunden wieder nachläßt, es sei denn, man führt diese Behandlung 1-2 mal täglich (auch an Wochenenden) über einen längeren Zeitraum durch, was aber ambulant nicht realisierbar ist.

- Röntgenbestrahlungen (extrem selten)

Für Details zu möglichen medikamentösen Schmerztherapien wenden Sie sich bitte an den kostenlosen Beratungsservice von DoctorHelp.

2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik

In einer Schmerzklinik werden Methoden aus dem Bereich der sog. „speziellen Schmerztherapie“ eingesetzt. Die optimale Therapie einer Lumboischialgie erfordert dabei die Kombination von mehreren Verfahren. Dieses Behandlungskonzept bezeichnet man heute als multimodal, d. h., daß verschiedene Therapien aufeinander abgestimmt werden um so das Schmerzproblem ganz gezielt anzugehen. Für einen optimalen Therapieerfolg ist in der Regel dazu ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer Schmerzklinik notwendig. Die Methoden einer Schmerzklinik im Einzelnen sind:

● Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Die therapeutische Lokalanästhesie ist eine sehr wirksame Methode. Dabei werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain, evtl. auch mit Kortikoidzusatz) entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv (Nervenblockade) gespritzt. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Speziell im Rahmen einer stationären Behandlung in einer Schmerzklinik ist es möglich, über mehrere Wochen diese Therapie täglich mehrfach durchzuführen. Wird die Methode dagegen nur alle paar Tage ambulant angewendet, bleibt der gewünschte Erfolg in aller Regel aus.

Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden, was zur Behandlung einer Lumboischialgie auch oft sinnvoll ist.

● Analgetikatestung

● Ergänzende Methoden

- Hochtontherapie
- Spezielle heilgymnastische Therapie ist zur Behandlung einer Lumboischialgie auch im Rahmen einer stationären Schmerzbehandlung unverzichtbar und erfolgt in enger Absprache mit dem behandelnden Arzt.
- Funktionelle Ergotherapie bzw. Rückenschule
- Erlernung von gezielten Übungen zur Lockerung der Rückenmuskulatur
- Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson, sind eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist gerade bei (chronischen) Schmerzen meistens auch ein Schmerzbewältigungstraining sinnvoll.
- Spezielle Schmerz-Akupunktur

Wenn chronische Schmerzen, z. B. auch im Rahmen einer Lumboischialgie, bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, sodaß zusätzlich psychologisch/ psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.





Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Arm und Beinschmerzen:
Beinschmerzen, Armschmerzen, Brachialgie, Armneuralgie, Armbeschwerden, Beinbeschwerden, Gliederschmerz, Extremitätenschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser
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