24. Juni 2017

Top6 Themen: Koxitis - Arm und Beinschmerzen

Koxitis

Koxitis Arm und Beinschmerzen Themen und Krankheit
Die Koxitis ist ein entzündlicher Zustand des Gelenks zwischen dem Oberschenkelknochen und dem Becken.

Das Hüftgelenk ist von Bändern gestützt und ermöglicht seitliche und Kreiselbewegungen des Beines, sowie solche nach vorne und hinten.



Formen bei Koxitis

- Koxitis fugax – vorübergehende Hüftgelenksreizung ohne bakterielle Erreger, die vor allem bei Kindern vorkommt .Die Schmerzen strahlen in Knie aus, verschwinden aber spontan.

- Koxitis rheumatica – rheumatische (bindegewebige) Hüftgelenksentzündung, die oft beide Hüftgelenke betrifft und zu deren Zerstörung führt.

- Koxitis sympathica - Folge von krankhaften Prozessen, die sich in der Nähe des Hüftgelenks abspielen, z.B. Osteomyelitis (Knochenmarksentzündung) oder Tumor.

- Koxitis purulenta – eitrige Entzündung nach Verletzungen oder Infektionen, die den Hüftkopf zerstört.

- Koxitis tuberculosa – knochenzerstörende Tuberkulose des Hüftgelenks. Dieses Gelenk ist bei einer Gelenktuberkulose im Kindesalter am häufigsten betroffen.

- Koxitis syphilitica – Befall des Hüftgelenks bei Syphilis (ansteckende Geschlechtskrankheit).

- Koxitis gonorrhoica - Komplikation nach einer Geschlechtskrankheit (Gonorrhö).

- Säuglings Koxitis - eitrige Hüftgelenksentzündung bei Osteomyelitis (Knochenmarksentzündung) des Oberschenkelknochens.

Therapie bei Koxitis

Bei der Therapie einer Koxitis kommen im ersten Schritt allgemeine Therapieansätze zum Einsatz. Zeigen diese zu wenig Wirkung, oder werden die Beschwerden chronisch (Schmerzen länger als 3-6 Monate) sind Konzepte der „speziellen Schmerztherapie“ bzw. weiterführende multimodale Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik gefragt. Dabei gilt generell: „Je früher, desto besser“.

Oft passiert es, dass nach einer fachärztlichen Therapie die Koxitis trotz allem verbleibt und dann schmerztherapeutische Maßnahmen notwendig macht. Die Methoden der Schmerzbehandlung sind bei verschiedenen Krankheiten oft die gleichen, weil sie den Schmerz als solches bekämpfen und nicht die verursachende Erkrankung. Bei chronischer Koxitis ist praktisch immer eine Kombination von verschiedenen Therapieverfahren notwendig.

1. Allgemeine Therapien

a) Medikamentöse Therapie:

Gegen die akuten Schübe hilft Kortison (oder Abkömmlinge), i. d. R. durch Infusionen verabreicht.

b) Medikamentöse Schmerztherapie:

Das Mittel der ersten Wahl sind peripher wirkende Schmerzmittel (Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken). Insbesondere sind hier sog. nicht steroidale Antirheumatika (= „Rheumamittel“) zu erwähnen, aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende, zum Beispiel Mobec®. Sehr magenschonend und zudem auch entzündungshemmend sind sog. COX-2 Inhibitoren ((z. B. Parecoxib (Dynastat®) o. Etoricoxib (Arcoxia®)).

c) Akupunktur

d) Physikalische Therapie - z. B.: T.E.N.S., Kälte, Massagen, Krankengymnastik

e) Physiotherapie:
Die Behandlung einer Koxitis sollte physiotherapeutisch unterstützt werden, z. B. durch Krankengymnastik und Massagen.

f) Psychologische Unterstützung:
Nicht selten treten im Zusammenhang mit einer Koxitis Depressionen auf, die psychologisch/ psychotherapeutisch behandelt werden sollten.


2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie von einer Koxitis erfordert meistens eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie – dieses Konzept bezeichnet man heute als multimodal. Diese Therapie, v. a. der gezielte Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, kann allerdings optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines mehrwöchigen Aufenthalts in einer Schmerzklinik durchgeführt werden. Die einzelnen Methoden einer Schmerzklinik sind:

a) Ausführliche Information(en)

b) Analgetikatestung

c) Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Sehr Wichtiger Hinweis: Bei entzündlich bedingten Schmerzen, speziell bei der Koxitis, stellt die sog. „kontinuierliche, epidurale (nahe am Rückenmark) Blockade mit Katheter“ der speziellen Schmerztherapie sehr wirksame Therapie dar. In manchen Fällen kann sie eine OP verhindern oder lange hinauszögern Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade). Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden. Gerade diese „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“ kann zum Teil erstaunliche Erfolge aufweisen, auch deshalb, weil sie parallel auch eine deutliche lokale Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse) ermöglicht und unter einer guten Durchblutung heilen Entzündungen und damit auch eine Koxitis i. d. R. sicher ab.

d) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden bei einer Koxitis ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur

- Hochtontherapie

- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen):

Allgemeine Maßnahmen werden in jeder Schmerzklinik bei Bedarf angewendet. Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie sind sie in direkter Kombination zu anderen Therapieverfahren eine gute Ergänzung (z. B. Gehschule).

- Wärme/ Kälte

- Entspannungsverfahren oder hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, so daß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

Leider sind solche Behandlungen ambulant kaum möglich, da nur ganz wenige, niedergelassene Psychologen über eine entsprechende Weiterbildung (spezielle Schmerzpsychotherapie) verfügen.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Daß die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, daß diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.



Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Arm und Beinschmerzen:
Beinschmerzen, Armschmerzen, Brachialgie, Armneuralgie, Armbeschwerden, Beinbeschwerden, Gliederschmerz, Extremitätenschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser
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