19. Oktober 2017

Top6 Themen: Karpaltunnelsyndrom - Arm und Beinschmerzen

Karpaltunnelsyndrom

Karpaltunnelsyndrom Arm und Beinschmerzen Themen und Krankheit
Das Karpaltunnelsyndrom steht als Begriff für ein spezielles Kompressionssyndrom der Hand. Dabei wird der Nerv „Nervus medianus“ aufgrund einer mechanischen Reizung im Handwurzelkanal (Canalis carpi bzw. Karpaltunnel) eingeengt.

Erste Symptome eines Karpaltunnelsyndroms sind Kribbeln und (brennende) Schmerzen im Daumen, Mittel- und Zeigefinger, sowie in der Handfläche. Die Beschwerden nehmen bei Belastungen zu. Im weiteren Verlauf kommt es zu (starken) nächtlichen Ruheschmerzen, sowie Schmerzausstrahlungen in den Unterarm, ja sogar bis in die Schulter. Ein paralleler Kraftverlust in den Fingern bzw. der Hand ist möglich. In manchen Fällen berichten Patienten auch über Kältegefühl, herabgesetzten Empfindungen (Hypästhesien), Mißempfindungen (Parästhesien) und übermäßiger Schweißbildung (Hyperhidrose). Im Spätstadium ist auch ein Gewebsschwund der Daumenballenmuskulatur möglich, die sog. Abduktor-Opponens-Atrophie.

Für das Karpaltunnelsyndrom gibt es eine Reihe von verschiedenen Ursachen, wobei die genaue Ursache häufig nicht mit absoluter Sicherheit festgestellt werden kann. Häufige Ursachen sind:

• Folgen von Knochenbrüchen (knöcherne Veränderungen,…)
• Verrenkung der Handwurzelknochen
• Sehnenscheiden-Entzündung (Tendosynovitis), z. B. als Folge einer Rheuma-Erkrankung oder bei Verletzungen
• Bindegewebswucherung
• Metabolitenablagerung (Ablagerung von Stoffwechselprodukten)
• Ödeme (Ansammlung von Gewebsflüssigkeit)
• Polyneuropathie
• Endokrine (Drüsen betreffende) und hormonelle Veränderungen - z. B. bei Schwangerschaft, Diabetes mellitus, Akromegalie (Größenzunahme von Händen, Füßen, aber auch Nase, Kinn oder Ohren), Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose),…
• Tumore
• Ganglien
• Stoffwechselerkrankungen - z. B. Gicht, Amyloidose (Ablagerung von Eiweißprodukten), Mukolipidose, Mukopolysaccharidose,…

Zur Sicherung der Diagnose des Karpaltunnelsyndroms sind folgende Untersuchungen empfehlenswert:

Röntgen von Hand und Handgelenk (auch zum Ausschluß von knöchernen Veränderungen), evtl. auch Röntgen der Halswirbelsäule

Elektromyographie (EMG)

● Elektroneurographie (ENG)

Ergänzend kann man durch endokrinologische (die Hormondrüsen betreffende) Untersuchungen hormonelle Faktoren ausschließen. Des weiteren gibt es eine Reihe an klinischen Test:

● Bei der lokalen Betäubung (selektive Blockade) des „Nervus medianus“ müssen die Symptome abklingen.
● Der Bereich um den „Nervus medianus“ reagiert zudem auf Klopfen und zeigt u. U. Sensibilitätsstörungen (Hoffmann-Tinel-Zeichen)
● Karpaltunnelsyndrom-Patienten können mit der betroffenen Hand i. d. R. keine Flasche festhalten (Flaschen-Test)
● Bei maximaler Beugung des Handgelenks nehmen die Schmerzen stark zu (Phalen-Test)

Differentialdiagnostisch muß das Karpaltunnelsyndrom von der Dupuytren-Kontraktur (Zwangsbeugung der Finger infolge einer Hüllgewebsschrumpfung) und dem Pseudo-Karpaltunnelsyndrom abgegrenzt werden. Auch wird es aufgrund der Brennschmerzen manchmal mit einer Kausalgie (komplexes regionales Schmerzsyndrom Typ II, kurz CRPS II) verwechselt.

Für die Therapie des Karpaltunnelsyndroms stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Im ersten Schritt wird versucht, durch allgemeine Maßnahmen einen entsprechenden Therapieerfolg zu erzielen. Dabei werden v. a. auch kausale (verursachende) Aspekte berücksichtigt. Zeigen diese Maßnahmen zu geringe Wirkung stehen operative Methoden sowie weiterführende Konzepte einer Schmerzklinik zur Verfügung. Bei der Wahl zwischen einer Operation und den Möglichkeiten einer Schmerzklinik ist es sehr zu empfehlen sich im Vorfeld zumindest für eine unverbindliche Beratung mit einer erfahrenen Schmerzklinik in Verbindung zu setzen. Operationen am Handgelenk sind mit Risiken verbunden, und in vielen Fällen kann durch Methoden der modernen Schmerztherapie eine OP vermieden werden. Grundsätzlich muß in diesem Zusammenhang auch geklärt werden, ob die das Karpaltunnelsyndrom verursachende Nervenkompression nicht von anderen Strukturen ausgeht, z. B. vom Ellenbogen oder der Halswirbelsäule. Des weiteren verbleiben auch nach OPs wegen einem Karpaltunnelsyndrom häufig weiterhin (Schmerz-)Beschwerden.

1. Allgemeine Therapien & OP-Maßnahmen

- (Nächtlicher) Schienenverband der Hand in Mittelstellung

- Vermeidung von mechanischen Überbelastungen

- kausale Therapien, zur Behandlung der eigentliche Ursache, speziell bei endokrinologischen (die Hormondrüsen betreffenden) Auffälligkeiten

- Medikamentöse Schmerztherapie: Als erstes Mittel gelten hier peripher wirkende Analgetika, insbesondere entzündungshemmende, sog. nicht steroidale Antirheumatika (Rheumamittel). Dabei sollte auf möglichst langwirkende und magenschonende zurückgegriffen werden, z. B. Mobec®.

- Spritzen: Durch das Spritzen eines örtlichen Betäubungsmittels, auch mit Kortikoidzusatz (Kortison), kann akut eine Linderung herbeigeführt werden. Das Problem ist, dass die Wirkung nach einigen Stunden wieder nachläßt, es sei denn, man führt diese Behandlung 1-2 mal täglich (auch an Wochenenden) über einen längeren Zeitraum durch, was aber ambulant nicht realisierbar ist.

- Akupunktur

- Physikalische Maßnahmen: T.E.N.S.

- Operative Verfahren: Operative Durchtrennung des bindegewebigen Retinaculum flexorum bzw. des Ligamentum carpi transversum. Diese Maßnahme kann klassisch durchgeführt werden, neuerdings aber auch minimal-invasiv per Endoskopie (Hier: Eingriff über zwei kleine Röhrchen durch die operiert wird, so daß in der Haut nur zwei kleine Schnitte entstehen, und die Gefahr einer narbenbedingten Bewegungseinschränkungen schwindet).

Für Details zu möglichen medikamentösen Schmerztherapien wenden Sie sich bitte an den kostenlosen Beratungsservice von DoctorHelp.

2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik

In einer Schmerzklinik werden Methoden aus dem Bereich der sog. „speziellen Schmerztherapie“ eingesetzt. Die optimale Therapie eines Karpaltunnelsyndroms erfordert dabei meistens die Kombination von mehreren Verfahren. Dieses Behandlungskonzept bezeichnet man heute als multimodal, d. h., daß verschiedene Therapien aufeinander abgestimmt werden um so das Schmerzproblem ganz gezielt anzugehen. Für einen optimalen Therapieerfolg ist in der Regel dazu ein mehrwöchiger Aufenthalt in einer Schmerzklinik notwendig. Die Methoden einer Schmerzklinik im Einzelnen sind:

● Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Die therapeutische Lokalanästhesie ist eine sehr wirksame Methode. Sie geht mit einer starken, lokalen Durchblutungsförderung (Sympathikolyse) einher, was neben der gewünschten Schmerzlinderung einen besonderen regenerativen Effekt hat. Gerade bei einem Karpaltunnelsyndrom mit degenerativer oder entzündlicher Ursache ist dies von großer Bedeutung.
Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain, hier auch mit Kortikoidzusatz) entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv (Nervenblockade) gespritzt. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Speziell im Rahmen einer stationären Behandlung in einer Schmerzklinik ist es möglich, über mehrere Wochen diese Therapie täglich mehrfach durchzuführen. Wird die Methode dagegen nur alle paar Tage ambulant durchgeführt, bleibt der gewünschte Erfolg in aller Regel aus.
Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden des Plexus brachialis (großes Armnervengeflecht) mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden, was zur Behandlung eines Karpaltunnelsyndroms auch oft sinnvoll ist.

● Analgetikatestung

● Ergänzende Methoden

- Hochtontherapie
- Spezielle Physiotherapie
- Funktionelle Ergotherapie
- Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training, Entspannungsübungen oder die progressive Relaxation nach Jakobson, sind eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist gerade bei (chronischen) Schmerzen meistens auch ein Schmerzbewältigungstraining sinnvoll.
- Spezielle Schmerz-Akupunktur

Wenn chronische Schmerzen, z. B. auch im Rahmen eines Karpaltunelsyndroms, bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, sodaß zusätzlich psychologischpsychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.





Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Arm und Beinschmerzen:
Beinschmerzen, Armschmerzen, Brachialgie, Armneuralgie, Armbeschwerden, Beinbeschwerden, Gliederschmerz, Extremitätenschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser
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