21. Oktober 2018

Top6 Themen: Gliederschmerzen - Arm und Beinschmerzen

Gliederschmerzen

Gliederschmerzen Arm und Beinschmerzen Themen und Krankheit
Gliederschmerzen sind Schmerzen in den Extremitäten, d.h. in den Armen und Beinen.
Man muss zwischen chronischen und „normalen“ Gliederschmerzen, sowie Schmerzen die nur in den Armen bzw. Beinen auftreten, unterscheiden.


Ursachen: Gliederschmerzen

„Normale“ Gliederschmerzen hat wahrscheinlich jeder schon einmal erlebt. Sie treten z.B. als Muskelkater nach sportlicher Bestätigung auf und sind auch durch verschiedene „Hausmittel gut in den Griff zu bekommen. Zu den Ursachen zählen:

- Verletzungen
- lokale Entzündungen
- grippale Infekte
- Folge von operativen Eingriffen oder Unfällen

Anders verhält es sich mit chronischen Gliederschmerzen, welche länger als sechs Monate anhalten und weniger einfach behandelbar sind. Zu den Hauptursachen gehören:

- Polyneuropathie (Informationen: Polyneuropathie),
eine degenerative Erkrankung des Nervensystems, welche z.B. infolge der Zuckerkrankheit, von Vergiftungen oder Alkoholmissbrauch auftritt. Symptome, neben den Schmerzen, sind Missempfindungen und Empfindungsstörungen in den betroffenen Bereichen.

- Morbus Raynaud:
die Schmerzen werden hier durch eine Unterversorgung mit Blut bzw. Gefäßspasmen hervorgerufen und betreffen deshalb meist nur die Extremitätenenden.

- Gelenkschmerzen (Information: Gelenkschmerzen können beispielsweise durch eine Arthrose (degenerative Gelenkentzündung), Polyarthritis (gleichzeitige Entzündung mehrerer Gelenke), Gicht oder Rheuma verursacht werden.

Mögliche Ursachen von Armschmerzen (Information: Armschmerzen & Beinschmerzen) (Brachialgie) sind:

- Neuralgie des Plexus brachialis; diese Erkrankung die mit attackenförmigen Schmerzen einhergeht ist ein sehr seltenes Krankheitsbild.

- Neuritis (Nervenentzündung) des Plexus brachialis; sie geht mit plötzlichen Schmerzen einher und nach mehreren Tagen treten Lähmungen und in 20-30% der Fälle auch Sensibilitätsstörungen auf.

- Die Brachialgia paraesthetica nocturna ist eine Erkrankung die Wahrscheinlich durch vegetativ-vasomotorische (Gefäße- und Muskeln betreffende) Dysregulation hervorgerufen wird. Sie geht mit schmerzhaften Missempfindungen, vor allem während der Nachtruhe, einher.

- Schulter-Hand-Syndrom; typisch bei dieser Erkrankung sind Ruheschmerzen, welche bei Belastung verstärkt werden und auch ausstrahlen können. Außerdem treten manchmal zudem noch vegetative Begleitsymptome wie Kälte, Zyanose und Schwitzen auf. Als Ursache kommt ein Morbus Sudeck in Frage.

- Vertebragen-induzierte (von der Wirbelsäule ausgehende) Gliederschmerzen; am häufigsten kommen sie als so genanntes Zervikalsyndrom vor, bei dem die Nervenwurzeln von C6 bis Th1 betroffen sein können und deshalb können die Schmerzen bis in den kleinen Finger ausstrahlen.

- Auch Engpasssyndrome können Schmerzen in den Armen verursachen. Meist als Skalenussyndrom, bei dem die Nervenstränge der Wurzeln von C8 bis Th1 in der Skalenuslücke eingeengt werden.

- Als Folge einer Röntgenbestrahlung bei Brustkrebs können ebenfalls heftige Armschmerzen mit neurologischen Defiziten auftreten.

- Armschmerzen treten auch relativ häufig nach einer radikalen Mastektomie (operative Entfernung der weiblichen Brust), bedingt durch eine Plexuskompression als Folge einer Lymphabflussstörung. Außer den Schmerzen ist der Arm außerdem stark ödematös.

- Eine Epicondylitis radialis humeri, auch Tennisarm genannt, ist eine relativ häufige Erkrankung bei der die Betroffenen über Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens klagen, welche bei Faustschluss und kräftiger Beugung nach Hinten im Handgelenk verstärkt werden.

- Außerdem kann noch das Karpaltunnel-Syndrom in den ganzen Arm einstrahlen.



Ursachen für Beinschmerzen können in vier Kategorien eingeteilt werden:

- Beinschmerzen die vom N. ischiadicus einschließlich seiner Endäste ausgehen, wie eine Ischialgie (Schmerzen die vom Gesäß, der Rückseite des Ober- und Unterschenkels, sowie des Fußes auftreten können) bzw. Ischiolumbalgie, Ischias-Neuralgie, Neuritis (Nervenentzündung) des N. ischiadicus, ein Fibularisköpfchen-Syndrom, Tibialis anterior-Syndrom, Tarsaltunnelsyndrom oder eine Morton-Neuralgie.

- Schmerzen die vom N. femoralis und seiner Endäste ausgehen, z.B. durch Schädigung der Nervenwurzeln L1 bis L4, Kompression im Becken durch einen Tumor oder Verletzung bei einer Leistenbruchoperation, der Entfernung der Gebärmutter, dem Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks und einer aortofemoralen Bypass-OP. Außerdem können Aneurysmen, Einblutungen und Bestrahlungen eine Schädigung des Nervs im Becken verursachen. Im Bereich des Leistenbands kann der N. femoralis durch eine Schenkelhernie und im Kniegelenk durch einen Erguss eingeengt werden.

- Beinschmerzen die von anderen Nerven des Plexus lumbalis (Nervengeflecht der Lendenwirbelsäule) ausgehen, wie die Meralgia paraesthetica (Entzündung des N. cutaneus femoris lateralis), die Schädigung des N. obturatorius oder das Wartenberg-Syndrom (eine wandernde Polyneuritis).

- Beinschmerzen die von Blutgefäßen ausgehen, wie bei einer chronisch venöse Insuffizienz, nach einer Thrombophlebitis oder Thrombose (postthrombotisches Syndrom). Außerdem können Beinschmerzen durch arterielle Durchblutungsstörungen, wie beim Ergotismus, bei Morbus Raynaud, bei einer obliterierenden Atherosklerose oder bei einer Thrombangitis obliterans entstehen.


Therapie

Bei der Therapie von Gliederschmerzen kommen im ersten Schritt allgemeine Therapieansätze zum Einsatz. Zeigen diese zu wenig Wirkung, oder werden die Beschwerden chronisch (Schmerzen länger als 3-6 Monate) sind Konzepte der „speziellen Schmerztherapie“ bzw. weiterführende multimodale Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik gefragt. Dabei gilt generell: „Je früher, desto besser“.

Details:

1. Allgemeine Therapien

a) (Medikamentöse) Behandlung mit:
- Kortikosteroiden
- bei Krämpfen: Spasmolytika (Mittel gegen Krampfzustände)

b) Medikamentöse Schmerztherapie:

Bei akuten (plötzlich einsetzenden, heftigen) und subakuten (eher schleichend verlaufenden) Schmerzen können zunächst bzw. vorwiegend peripher wirkende Schmerzmittel (Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden. Insbesondere sind hier sog. nicht steroidale Antirheumatika (= „Rheumamittel“) zu erwähnen, aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende, zum Beispiel Mobec®. Sehr magenschonend und zudem auch entzündungshemmend sind sog. COX-2 Inhibitoren ((z. B. Parecoxib (Dynastat®) o. Etoricoxib (Arcoxia®)). Bei starken, schmerzhaften Muskelverspannungen können ergänzend Muskelrelaxanzien (Mittel zur Muskelentspannung) (z. B. Norflex®, Mydocalm®) eine Lösung sein. Schwere Schmerzen sind manchmal dagegen nur durch zentral (im Gehirn / Rückenmark) wirkende Analgetika (z. B. Tramadol, Valoron N®) zu lindern. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten. Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch z. T. bei Schmerzen wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen. Bei einem mehr anfallsartigen Schmerz können des Weiteren auch Antiepileptika versucht werden (z. B. Carbamazepin, Gabapentin oder Pregabalin).

c) Akupunktur

d) Gezielte psychotherapeutische Ansätze (bei psychosomatischen Hintergründen)

e) Physikalische Therapie - z. B.: T.E.N.S., Wärme, Kälte, Physiotherapie, Chirotherapie,..


2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie von Gliederschmerzen erfordert meistens eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie – dieses Konzept bezeichnet man heute als multimodal. Diese Therapie, v. a. der gezielte Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, kann allerdings optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines mehrwöchigen Aufenthalts in einer Schmerzklinik durchgeführt werden. Die einzelnen Methoden einer Schmerzklinik sind:

a) Ausführliche Information(en)

b) Analgetikatestung

c) Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade). Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden. Gerade diese „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“ kann zum Teil erstaunliche Erfolge aufweisen, auch deshalb, weil sie parallel auch eine deutliche lokale Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse) ermöglicht.

d) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden bei Gliederschmerzen ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur

- Hochtontherapie

- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen) bei Funktionseinbußen

- -Wärme/ Kälte

- -Entspannungsverfahren oder Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, so daß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

Leider sind solche Behandlungen ambulant kaum möglich, da nur ganz wenige, niedergelassene Psychologen über eine entsprechende Weiterbildung (spezielle Schmerzpsychotherapie) verfügen.

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Daß die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, daß diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.



Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Arm und Beinschmerzen:
Beinschmerzen, Armschmerzen, Brachialgie, Armneuralgie, Armbeschwerden, Beinbeschwerden, Gliederschmerz, Extremitätenschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser
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