19. Mai 2013

Top6 Themen: Fußsohlenschmerzen - Arm und Beinschmerzen

Fußsohlenschmerzen

Fußsohlenschmerzen Arm und Beinschmerzen Themen und Krankheit
Es gibt verschiedene Ursachen für Fußsohlenschmerzen, aber Erkrankungen bei denen Fußsohlenschmerzen als einziges auftreten gibt es nur zwei, die Fasciitis plantaris und das hintere Tarsaltunnel-Syndrom.

Erkrankungen bei denen Fußsohlenschmerzen unter anderem auftreten gibt es hingegen mehrere, so z.B. das Burning-feet-Syndrom, eine Morton Metatarsalgie, ein Fersensporn, ein Senk- oder Spreizfuß, eine Erythromelalgie oder eine Sudeck Dystrophie.



Ursachen und Symptome Fußsohlenschmerzen

Bei der Fasciitis plantaris ist die Bindegewebeplatte der Fußsohle entzündet, was sich durch Druckschmerzhaftigkeit des Fersenbeins und ausstrahlenden Fußsohlenschmerzen äußert.

Beim hinteren Tarsaltunnelsyndrom handelt es sich um ein Kompressionssyndrom des Nervus tibialis posterior, welcher hinter und unterhalb des Fußinnenknöchels im so genannten Tarsaltunnel verläuft. Dieses Syndrom äußert sich durch Schmerzen und Missempfindungen in der Fußsohle, sowie Druckschmerzen hinter dem Fußknöchel, des Weiteren kann es noch zu sensiblen und motorischen Störungen kommen.

Das Burning-feet-Syndrom wird wahrscheinlich durch Vitaminmangel (Pantothensäure-, Nicotinsäure oder Vitamin B - Mangel) oder einen Mineralienmangel (z.B. Magnesium), als Folge einer Stoffwechsel- oder Ernährungsstörung, verursacht und bei mikroskopischen Gewebeuntersuchungen zeigen periphere Nerven durch Sauerstoffmangel hervorgerufene Schädigungen. Symptome des Burning-feet.Syndroms sind nächtliche Anfälle bei denen die Füße bzw. Fußsohlen schmerzhaft brennen, mit eventuellen vegetativen und trophischen Störungen, sowie Muskelverspannungen und Nervenreizzuständen (Polyneuropathie).

Auch ein Senkfuß, d.h. die Abflachung das Fußlängsgewölbes, ein Spreizfuß, also das Absinken des Fußquergewölbes, oder ein Senk- und Spreizfuß kann Fußsohlenschmerzen verursachen.

Die Morton-Neuralgie ist ein Nervenkompressionssyndrom der Plantarnerven, der Nerven plantaris medialis und lateralis, welche im Bereich der vorderen Fußsohle verlaufen. Dabei kommt es zu brennenden und teilweise anfallsartigen Fuß- und Fußsohlenschmerzen im Bereich der vorderen Mittelfußknochen, welche in die Nachbarzehen ausstrahlen können. Die Schmerzen können, durch die mechanische Reizung der Nerven, ausgelöst bzw. deutlich verstärkt werden. Die Nerven sind aufgrund der Fibrose, also der Bindegewebsvermehrung, welche durch Durchblutungsstörungen verursacht werden, in den beteiligten Blutgefäßen spindelförmig aufgetrieben.

Auch eine Erythromelalgie kann brennende Schmerzen in den Füßen und Fußsohlen, sowie den Händen verursachen. Die Schmerzhaften Bereiche sind häufig gerötet oder auch zyanotisch (bläulich verfärbt) und auch Ödeme können auftreten. Typisch ist auch, dass die Beschwerden durch Wärme verstärkt werden.

Es gibt verschiedene Fersensporne, welche Fußsohlenschmerzen verursachen können. Beim unteren Fersensporn befindet sich der Knochenauswuchs (Exostose) an der Unterseite des Fersenbeinhöckers. Beim Aponeurosensporn ist die Exostose am Ursprung der kleinen Fußmuskeln und beim Ligamentsporn handelt es sich um einen Überlastungsschaden aufgrund einer Senkung des Fußgewölbes. Es gibt auch noch den hinteren Fersensporn, auch Haglund-Ferse genannt, bei dem sich die Exostose am bzw. vor dem Achillessehnenansatz befindet. Dieser führt allerdings eher selten zu Fußsohlenschmerzen.

Zu Morbus Sudeck kann es nach Arm- oder Beinverletzungen kommen, die Krankheitsentwicklung ist allerdings unbekannt. Im Zuge dieser Erkrankung kann es zu diffusen, heftigen und brennenden Schmerzen, wie bei einer Nervenverletzung, kommen. Durch die Zirkulationsstörung sind die Patienten oft bläulich livide verfärbt und ödematös, auch versteifen im weiteren Verlauf die beteiligten Gelenke. Besonders schlimm ist die Erkrankung im Bereich der Hände, da sie dort oftmals zur Invalidität führt. Im Bereich der Beine tritt diese Erkrankung meist im Bereich des Fußes auf, seltener sind Knie oder Hüfte betroffen. Auf dem Röntgenbild kann man eine typische, fleckige Osteoporose sehen.



Therapie Fußsohlenschmerzen

Bei der Therapie von Fußsohlenschmerzen kommen im ersten Schritt allgemeine Therapieansätze zum Einsatz. Zeigen diese zu wenig Wirkung, oder werden die Beschwerden chronisch (Schmerzen länger als 3-6 Monate) sind Konzepte der „speziellen Schmerztherapie“ bzw. weiterführende multimodale Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik gefragt. Dabei gilt generell: „Je früher, desto besser“.



1. Allgemeine Therapien bei Fußsohlenschmerzen

a) Medikamentöse Schmerztherapie:

Bei akuten (plötzlich einsetzenden, heftigen) und subakuten (eher schleichend verlaufenden) Schmerzen können zunächst bzw. vorwiegend peripher wirkende Schmerzmittel (Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken) eingesetzt werden. Insbesondere sind hier sog. nicht steroidale Antirheumatika (= „Rheumamittel“) zu erwähnen, aus dieser Gruppe möglichst langwirkende und magenschonende, zum Beispiel Mobec®. Sehr magenschonend und zudem auch entzündungshemmend sind sog. COX-2 Inhibitoren ((z. B. Parecoxib (Dynastat®) o. Etoricoxib (Arcoxia®)).

Muskelrelaxanzien (Mittel zur Muskelentspannung) wie Baclofen (z. B. Lioresal®) können als Ergänzung ebenfalls hilfreich sein. Schwere Schmerzen sind manchmal dagegen nur durch zentral (im Gehirn / Rückenmark) wirkende Analgetika (z. B. Tramadol, Valoron N®) zu lindern. Auf die Gefahr einer Schmerzmittelgewöhnung oder gar -abhängigkeit ist grundsätzlich zu achten. Eine Kombination mit schmerzdistanzierenden Antidepressiva (Mittel gegen Depression, u.a. aber auch z. T. bei Schmerzen wirksam) kann in vielen Fällen Schmerzmittel einsparen. Bei einem mehr anfallsartigen Schmerz können des Weiteren auch Antiepileptika versucht werden (z. B. Carbamazepin, Gabapentin oder Pregabalin).

b) Akupunktur

c) Operative Maßnahmen, wie die operative Nervenfreilegung oder Exostosenabtragung

d) Physikalische Therapie - z. B.: T.E.N.S., Wärme, Kälte, Krankengymnastik, Röntgenstrahlentherapie, Magnetfeldtherapie, Iontophorese..

e) Andere Therapiemaßnahmen:
- Entlastung verschafft besonders bei Kompressionssyndromen Linderung.
- Fehlstellungen können mit Hilfe von orthopädischen Schuheinlagen behoben werden.



2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie von Fußsohlenschmerzen erfordert meistens eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie – dieses Konzept bezeichnet man heute als multimodal. Diese Therapie, v. a. der gezielte Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, kann allerdings optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines mehrwöchigen Aufenthalts in einer Schmerzklinik durchgeführt werden. Die einzelnen Methoden einer Schmerzklinik sind:

a) Ausführliche Information(en)

b) Analgetikatestung

c) Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade). Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden. Gerade diese „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“ kann zum Teil erstaunliche Erfolge aufweisen, auch deshalb, weil sie parallel auch eine deutliche lokale Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse) ermöglicht.

d) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden bei Fußsohlenschmerzen ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur - Hochtontherapie - Biofeedback (Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale) - Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen): Allgemeine Maßnahmen werden in jeder Schmerzklinik bei Bedarf angewendet. Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie sind sie in direkter Kombination zu anderen Therapieverfahren eine gute Ergänzung. - Wärme/ Kälte - Entspannungsverfahren oder Hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, so daß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten.

Leider sind solche Behandlungen ambulant kaum möglich, da nur ganz wenige, niedergelassene Psychologen über eine entsprechende Weiterbildung (spezielle Schmerzpsychotherapie) verfügen..

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Daß die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, daß diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.



Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim und Schmerzklinik am Arkauwald.


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Verwandte Suchbegriffe zu Arm und Beinschmerzen:
Beinschmerzen, Armschmerzen, Brachialgie, Armneuralgie, Armbeschwerden, Beinbeschwerden, Gliederschmerz, Extremitätenschmerz

Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser
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