13. November 2018

Top6 Themen: Beingeschwür (Ulcus cruris) - Arm und Beinschmerzen

Beingeschwür (Ulcus cruris)

Beingeschwür (Ulcus cruris) Arm und Beinschmerzen Themen und Krankheit
Ein Ulcus cruris ist eine Wunde (offene, meist nässende) oder ein Geschwür im Bereich des Beines oder Fußes und wird oft auch offenes Bein genannt, da die Wunden nur sehr schlecht abheilen.

Von einem Ulcus cruris sind Frauen häufiger als Männer und jüngere Menschen seltener als ältere betroffen.



Ursachen bei Ulcus cruris (Beingeschwür)

In den meisten Fällen wird ein Ulcus cruris durch ein Blutgefäßleiden ausgelöst. Bei 72% der Fälle geht er auf eine Venenerkrankung, bei 7% auf eine Erkrankung von Arterien und bei 15% auf beides gleichzeitig zurück. Außerdem ist in ca. 6% der Fälle eine andere Erkrankung, wie z.B. ein Spinaliom (eine Art des Hautkrebses), für ein Ulcus cruris verantwortlich.

Faktoren die die Entstehung eines Ulcus cruris begünstigen können sind:

- Rauchen

- Übergewicht

- Bewegungsmangel

- Genetische Faktoren

- Ungesunde Ernährung

Die Ursache für die Venenerkrankungen, welche der Hauptgrund für ein Ulcus cruris sind, ist eine chronisch venöse Insuffizienz. Diese ist wiederum auf anlagebedingt auf gestörte Venenwände und/oder geschädigte Venenklappen zurückzuführen. Dadurch kann das Blut aus den Beinen nicht mehr abtransportiert werden (venöse Abflußstörung), staut sich und verursacht Schwellungen, Schweregefühl und Schmerzen. Durch die gestörte Durchblutung kommt es so zu einer Mangelernährung des Gewebes und selbst keine Verletzungen heilen nicht mehr richtig. Die Folge sind Beingeschwüre.



Symptome bei Ulcus cruris (Beingeschwür )

Typischerweise befindet sich ein Ulcus cruris im Bereich des Innen- und Außenknöchels. Bei Zuckerkranken hingegen ist das Geschwür meist an den Druckstellen der Fußsohlen oder der Zehen.

Häufige Symptome eines Ulcus cruris sind:

- Schmerzen

- bläulich verfärbteHaut

- Pigmentstörungen

- Krampfadern

- Ödeme



Therapie bei Ulcus cruris

Bei der Therapie eines Ulcus cruris kommen im ersten Schritt allgemeine Therapieansätze zum Einsatz. Zeigen diese zu wenig Wirkung, oder werden die Beschwerden chronisch (Schmerzen länger als 3-6 Monate) sind Konzepte der „speziellen Schmerztherapie“ bzw. weiterführende multimodale Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik gefragt. Dabei gilt generell: „Je früher, desto besser“.

Die spezielle Schmerztherapie verfügt über sehr hilfreiche Methoden, die nicht nur die Schmerzen, die die Ulcera cruris begleiten, sondern auch deren Ursache, nämlich die Durchblutungsstörung, behandeln. So bekämpft man gleichzeitig sowohl die Symptome, als auch die Ursache.

Insgesamt ist wichtig, daß man die zugrundeliegende Erkrankung therapiert. Falls die Ursache für das Ulcus cruris z.B. eine venöse Insuffizienz ist, kann man die erweiterten Venen z.B. durch Kompressionsstrümpfe eng stellen.

Außerdem sollten die Risikofaktoren (z.B. Bluthochdruck, Übergewicht, erhöhte Blutfettwerte, Nikotin) soweit wie möglich beseitigt werden.



1. Allgemeine Therapien bei Ulcus cruris


a) Umstellung der Ess- und Trinkgewohnheiten


- Diät

- reichliche Flüssigkeitszufuhr

- Vermeidung von Alkohol, Nikotin, Kaffee

- Kleinere Essportionen, dafür häufigere Nahrungszufuhr

- Professionelle Ernährungsberatung


b) Medikamentöse Behandlung mit:

- Alprostadil (Prostavasin®) - Infusionsserie

c) Medikamentöse Schmerztherapie:

Das Mittel der ersten Wahl sind peripher wirkende Schmerzmittel (Schmerzmittel, die am Ort der Schmerzentstehung wirken).

d) Akupunktur

e) Psychologische Unterstützung:

Nicht selten treten im Zusammenhang mit einem Ulcus cruris Depressionen auf, die psychologisch/ psychotherapeutisch behandelt werden sollten.

f) Physikalische Therapie

- z. B.: T.E.N.S., Wärme, Kälte, Massagen, Krankengymnastik

g) Physiotherapie:

Eine Therapie sollte physiotherapeutisch unterstützt werden, z. B. durch Krankengymnastik und Massagen. Körperliche Aktivitäten wie Schwimmen sind eine gute Ergänzung.


2. Weiterführende Behandlungskonzepte einer Schmerzklinik:

Die spezielle Schmerztherapie ist ein Spezialgebiet mit sehr hohen Anforderungen und setzt große Erfahrungen voraus. Die optimale Therapie eines Ulcus cruris erfordert meistens eine ganz individuelle Kombination von verschiedenen Verfahren der speziellen Schmerztherapie – dieses Konzept bezeichnet man heute als multimodal. Diese Therapie, v. a. der gezielte Einsatz der therapeutischen Lokalanästhesie, kann allerdings optimal nur durch regelmäßige Anwendungen im Rahmen eines mehrwöchigen Aufenthalts in einer Schmerzklinik durchgeführt werden. Die einzelnen Methoden einer Schmerzklinik sind:

a) Ausführliche Information(en)

b) Analgetikatestung

c) Therapeutische Lokalanästhesie/ kontinuierliche Blockade mit Katheter*

Bei der therapeutischen Lokalanästhesie werden (möglichst lang wirkende) örtliche Betäubungsmittel (Lokalanästhetika) (z. B. Bupivacain) an bestimmten Stellen in den Körper eingebracht. Für die Injektionen werden sehr feine Nadeln verwendet, was von der Empfindung her dem Setzen von Akupunkturnadeln ähnelt. Die Betäubungsmittel werden entweder in die schmerzende Stelle (Infiltration) oder direkt an den schmerzleitenden Nerv gespritzt (Nervenblockade). Als nächst höhere Therapiestufe können kontinuierliche Blockaden mit Hilfe eines eingepflanzten, dünnen Kunststoffschlauches (Katheter) durchgeführt werden. Gerade diese „kontinuierliche Blockade mit Katheter*“ kann zum Teil erstaunliche Erfolge aufweisen, auch deshalb, weil sie parallel auch eine deutliche lokale Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse) ermöglicht.

d) Ergänzende Methoden

In einer Schmerzklinik werden bei einem Ulcus cruris ergänzende Methoden gezielt zur Unterstützung und Sicherung des Behandlungserfolgs eingesetzt, als reine Monotherapie (alleinige Behandlung) sind diese Methoden sonst allerdings meistens nicht ausreichend. Diese Methoden sind:

- Spezielle Schmerz-Akupunktur

- Hochtontherapie

- Physiotherapie (Krankengymnastik und andere Anwendungen):
Allgemeine Maßnahmen werden in jeder Schmerzklinik bei Bedarf angewendet. Im Rahmen einer multimodalen Schmerztherapie sind sie in direkter Kombination zu anderen Therapieverfahren eine gute Ergänzung.

- Wärme/ Kälte

- Entspannungsverfahren oder hypnoide (bewußtseinsverändernde) Verfahren, wie z. B. das autogene Training oder die progressive Relaxation nach Jakobson sind im Rahmen einer psychologischen Mitbetreuung eine sinnvolle Ergänzung. Zudem ist auch ein Schmerzbewältigungstraining meist sinnvoll.

Wenn chronische Schmerzen bereits längerfristig bestehen, kann man davon auszugehen, daß nach der sog. „Mainzer Stadieneinteilung“ bereits die Chronifizierungsgrade II oder III vorliegen. In solchen Fällen ist eine rein körperbezogene Behandlung oft nicht mehr ausreichend, so daß zusätzlich psychologisch / psychotherapeutische Interventionen erfolgen sollten. Leider sind solche Behandlungen ambulant kaum möglich, da nur ganz wenige, niedergelassene Psychologen über eine entsprechende Weiterbildung (spezielle Schmerzpsychotherapie) verfügen..

* Bei der sog. kontinuierlichen Blockade mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch dicht an Nervengeflechte bzw. den betroffenen Nerv eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt minimal-invasiv (gering verletzender Eingriff) durch eine handelsübliche Kanüle hindurch. Es muß also kein Schnitt wie bei klassischen OPs erfolgen, und, wie bei allen minimal-invasiven Verfahren üblich, ist dadurch der Aufwand sowie das Behandlungsrisiko extrem gering. Über diesen „Mini-Katheter“ wird dann mehrmals täglich, jeweils nach dem Nachlassen der vorangegangenen Dosis, das örtliche Betäubungsmittel völlig schmerzlos nachinjiziert. In manchen Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Der Trick an der Methodik ist der: Das Lokalanästhetikum wird stets so dosiert, dass die normale Muskelkraft voll erhalten bleibt, aber die Schmerzreizleitung blockiert ist. Dadurch ist ein uneingeschränkter Tagesablauf möglich und es können begleitend krankengymnastische Übungen durchgeführt werden. Daß die schmerzlindernde Wirkung bis auf wenige Ausnahmen über die eigentliche Behandlungszeit hinaus anhält, ist unter anderem darauf zurückzuführen, daß diese Methode auch die sog. vegetativen Nerven betäubt. Daraus resultiert eine sehr deutliche Durchblutungssteigerung (Sympathikolyse), was auch der Grund ist, warum gerade Schmerzen, die durch entzündliche, oder auch degenerative (abnutzungsbedingte) Prozesse entstanden sind, sich hiermit sehr gut behandeln lassen. Eine bessere Durchblutung optimiert auch den Stoffwechsel eines gestörten oder bereits geschädigten Nervs. Nach neusten Erkenntnissen vermag eine solche, intensive, längerfristige Blockadebehandlung sogar das sog. Schmerzgedächtnis zu löschen – ein immens wichtiger Aspekt zur Erlangung anhaltender Schmerzlinderung oder sogar Schmerzfreiheit.



Die hier beschriebene Therapie wird in folgenden Kliniken angeboten:
Schmerzklinik Bad Mergentheim


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Verwandte Suchbegriffe zu Arm und Beinschmerzen:
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Autor: Prof. Dr. med. Rolf Leeser
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